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FÜR DEN GUTEN ZWECK: Bill Mockridge ist Schirmherr für die Benefiz-Gala des Demenz-Projektes „Klang & Leben“. Zur großen Freude von Projektgründer Graziano Zampolin (Zweiter von links) und
Mitstreiter Oliver Perau (links).© Frank Wiechens

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Porträt

Bill Mockridge - Eine Gala gegen das Vergessen

25 Jahre war er der Mann an der Seite von Mutter Beimer in der ARD-Endlos-Serie „Lindenstraße“: Für Bill Mockridge (69) war die Rolle als Erich Schiller „ein bisschen ein Hobby“. In seinen Kabarett-Programmen kreist er um das Thema Alter - am 26. September ist er Schirmherr der Benefiz-Gala des Demenzprojektes „Klang & Leben“ im GOP-Varieté.

Für Fans war es ein Schock in der Vorweihnachtszeit: Im Dezember 2015 starb Erich Schiller den plötzlichen und unerwarteten Serientod - live und spektakulär, denn zum ersten Mal wurde eine „Lindenstraße“-Folge in der ARD in Echtzeit gesendet. Bill Mockridge (62) wird sentimental, wenn er an seinen mörderischen Abgang als Mann an der Seite von Marie-Luise „Mutter Beimer“ Marjan (76) denkt: Mit 90 Drehtagen im Jahr sei die Serie zwar nur „ein bisschen ein Hobby“ gewesen, „aber ich wollte nicht aussteigen“, dröhnt der Kanadier mit seinem mächtigen Bass. Immerhin hat er sich in der Jubiläumsfolge zum 30. Seriengeburtstag mit einem Knaller verabschiedet: „Es war außerordentlich spannend“, erinnert er sich, „und ich habe unterschätzt, wie schwer es ist, eine Leiche zu spielen.“ Vier seiner Söhne hätten nach der Sendung gejubelt: „Sie haben entdeckt, dass ich nach dem Tod noch geatmet habe ...“

Es gibt ein Leben nach dem Serientod für Mockridge. Und es beschäftigt sich vor allem mit dem Leben vor dem Tod. „Je oller, je doller“, hieß sein Bestseller aus dem Jahr 2012, seine Bühnenprogramme „Was ist, Alter?“ und „Alles frisch?“ drehen sich um die Zeit nach Jugend und Midlife-Crisis. „Mit Augenmerk auf die positiven Seiten des Alterns“, betont er, „es geht nicht um Verlust, sondern darum, sich neu zu definieren. Wir sitzen alle im selben Boot.“ Seine Botschaft sind die „fünf L“, die stehen für laufen, laben, lieben, lachen und lernen.

Und deshalb liebe er auch die engagierten Hannover-Jungs von „Klang & Leben“ so. Die Musiker um Projektgründer Graziano Zampolin (54) gehen in Altenheime, reißen mit alten Gassenhauern wie „Sag mir quando, sag mir wann“ Demenzkranke aus der Lethargie und schaffen Erinnerungsinseln. „Ich war beeeindruckt und sehr berührt“, sagt Mockridge über einen Auftritt der Gruppe, den er in Bad Godesberg nahe seiner Heimatstadt Bonn erleben durfte. „Sie holen die Leute kurz zurück ins Hier und Jetzt, die Alten stehen auf, tanzen und singen“, erzählt Mockridge. In seiner Stimme klingt Begeisterung mit. Die Rolle als Schirmherr für die Benefiz-Gala, die Zampolin mit seinen Mitstreitern Jens Eckhoff (41, Ex-Wir-sind-Helden-Mitglied) und Oliver Perau (46) auf die Beine gestellt hat, hat er deshalb gern übernommen.

Hat er jetzt ganz viel Zeit nach dem Serientod in der „Lindenstraße“? Mockridge muss lachen. Seit mehr als 30 Jahren leitet er die Kabarettbühne „Springmaus“ in Bonn, tourt mit seinem aktuellen Programm und hat außerdem eine sehr rege „Knallerfamilie“: Zu der gehören neben Gattin Margie Kinsky (58, ebenfalls Kabarettistin) seine sechs Söhne - ab November läuft die zweite Staffel der WDR-Comedy. Sein Ältester, Luke (27), füllt inzwischen große Arenen: „Ich finde toll, was er macht“, sagt der Papa stolz. Fühlt er sich dabei nicht ein bisschen alt? „Ach, mein Coming-out als alter Sack liegt schon lange zurück“, sagt er gelassen - und erzählt die Anekdote vom 50. Geburtstag, als das „Lindenstraßen“-Team ihm einen Strauß mit 50 roten Rosen geschickt habe. „Aber das junge Fleurop-Mädchen hat mit zur goldenen Hochzeit gratuliert ...“

Benefiz-Gala mit Auszügen aus den Programmen von Mockridge und Matthias Brodowy und Musik des „Klang & Leben“-Teams am 26. September ab 19 Uhr im GOP (Georgstraße 36), Karten kosten 39 Euro. Der Erlös geht in weitere kostenlose Auftritte des Projektteams in Altenheimen.

NPVISITENKARTE

Geboren am 28. Juli 1947 in Toronto. Die Schule bricht Mockridge für eine Schauspielausbildung an der National Theatre School of Canada in Montreal ab. Ein Stipendium bringt ihn 1968 drei Monate zum Theater in Deutschland – er ist so begeistert, dass er bleibt. Zunächst arbeitet er als Regieassistent. Als ein Schauspieler krankheitsbedingt ausfällt, springt er ein. „Wenn jede Szene 30-mal wiederholt wird, ist das toller Sprachunterricht“, sagt er. 1982 gründet er in Bonn das Improvisationstheater „Springmaus“, 1991 bis 2015 ist er der Erich Schiller in der ARD-„Lindenstraße“. Mit seiner Frau, der italienischen Schauspielerin Margie Kinsky, lebt er in Bonn. Alle sechs Söhne arbeiten in kreativen Berufen.www.bill-mockridge.de


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