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UNTERWEGS MIT ELLI: Für die Sendung „Stadt, Rad, Hund“ radelt Rust mit ihrer Mischlingshündin durch Berlin und trifft interessante Menschen.

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Interview

Bettina Rust hat Sendungsbewusstsein

Morgen läuft eine neue Ausgabe ihrer Show „Stadt, Rad, Hund“ (RBB, 22.15 Uhr), in der die Moderatorin Bettina Rust (48) mehr oder weniger prominente Berliner interviewt. Mit der NP sprach die Hannoveranerin über Hautausschlag, besetzte Häuser und ihre Heimatstadt.

Frau Rust, mir ist aufgefallen, dass Sie die „96“ in Ihrer Handy-Nummer haben.

Ja, meine erste Handy-Nummer, die ich seit bestimmt 25 Jahren habe. Als Hannoveranerin half mir die Zahlenfolge natürlich, um mir das Ganze einzuprägen. Unglücklicherweise gab es eine Sex-Hotline mit ähnlicher Nummer (lacht und fängt an, die Telefonnummer zu singen). Immer wieder riefen mich versehentlich lüsterne Leute an. Fast hätte ich mich von meiner Rufnummer getrennt - bin ihr aber doch treu geblieben.

Also hat sie nicht mit Hannover 96 zu tun?

Nein, leider nicht (lacht).

Durch Ihre Interviewform sind Sie immer sehr nah an Ihren Protagonisten ...

Ich merke auch, dass es ankommt, was und wie ich das mache - und es freut mich natürlich. Ich habe das Glück, meine Frage so stellen zu können, wie ich das im normalen Leben auch tue - ohne zwingende journalistische Correctness. Die Zuschauer und Hörer sagen mir oft, dass sie den Interviewpartner durch diese Art ganz anders kennenlernen.

Ihre TV-Sendung dauert 45 Minuten, die Radio-Show „Hörbar Rust“ dauert zwei Stunden. Wie lange bereiten Sie sich auf Ihre Protagonisten vor?

Manchmal brauche ich einen Dreivierteltag, manchmal drei ganze. Wenn es von jemandem eine Biografie gibt, versuche ich, sie zu lesen. Die Vorbereitung ist mein Gerüst, auf das ich klettere, wenn es mal nicht so rund läuft.

Was ist eigentlich schwieriger die TV-Sendung „Stadt, Rad, Hund“ zu machen oder Ihre Radiosendung „Hörbar Rust“? Da könnten Sie ja theoretisch ganz schludrig im Studio aufschlagen.

Ich mache ja schon ziemlich lange Fernsehsendungen und habe mich an meinen Anblick gewöhnt (lacht). Aber manchmal muss ich ganz tapfer sein. Das kennt jeder, der beim Friseur seinem Spiegelbild ausgeliefert ist. Da denkt man: So siehst du aus, wenn du nachdenkst? So schief kann dein Mund sein, wenn du lachst? Mit einem Hautausschlag würde ich nicht vor die Kamera gehen, so eitel bin ich schon - aber ansonsten kann ich damit entspannt umgehen.

Es sind ja nicht immer Promis, die Sie in deren Berliner Kiez besuchen: Auch ganz normale Menschen mit besonderen Berufen kommen bei Ihnen zu Wort. Wer ist Ihnen lieber?

Ich habe da keine Präferenzen. Es kann einem passieren, dass ein Promi keinen tollen Humor oder wenig Fantasie hat, dafür aber tolle Arbeit macht, und umgekehrt. Mir ist es wichtig, ein interessantes, humorvolles Gespräch zu führen - dann kann derjenige auch Würstchenverkäufer sein.

Wundern Sie sich manchmal, in welchem Berliner Stadtteil manch ein Promi wohnt?

Das totale Klischee der Stadtteile gibt es ja meiner Ansicht nach nur noch in Prenzlauer Berg. Kreuzberg ist unverändert hip, da wohnen die wilden Leute von früher, aber auch Neu-Berliner mit richtig viel Geld. Im Wedding leben eher keine reichen Menschen, dafür spürt man dort die Ursprünglichkeit der Stadt. Berlin hat verschiedene Rhythmen. Das ist wie mit Radiosendern: Man sucht sich eine Frequenz, auf der Bässe wummern, oder man sucht sich ruhigere Klänge. Alles möglich hier.

Und wo leben Sie?

In Schöneberg, früher „the place to be“: besetzte Häuser, angesagte Clubs, David Bowie wohnte hier. Nach dem Mauerfall hat sich das geändert: Schöneberg ist nicht reich genug, um hübsch zu werden, aber auch nicht so arm, um abzurutschen. Ich mag diese Melange.

Warum gehen eigentlich so viele Moderatoren weg aus Hannover? Marlen Neuenschwander, Oliver Pocher, Sie ...

Bei jedem wird eine eigene Geschichte dahinterstecken. Ich bin dankbar dafür, in Hannover aufgewachsen zu sein - in Berlin wäre ich vielleicht verbrannt und in Celle eingegangen. Und immer, wenn jemand Hannover angreift, entwickle ich einen Beschützerinstinkt. Fluchtgedanken hatte ich nie, aber irgendwann wollte ich einfach weiter - und bin zum Studieren nach Hamburg gegangen.

Wie oft sind Sie denn noch in Ihrer Heimatstadt?

Leider nicht mehr so oft. Meine Mutter ist vor zwei Jahren gestorben, in dieser Zeit war ich oft da und assoziiere Hannover-Besuche noch mit Traurigkeit. Aber Tante Bärbel, Onkel Werner und zwei alte Freunde leben in Hannover. Ich will wieder häufiger kommen.

NP-VISITENKARTE

Geboren am 15. September 1967 in Hannover. Sie lebt mit ihren Eltern an der Königstraße, besucht die Sophienschule. Sie besucht ihre Oma in Bothfeld, fährt Rollerskates, geht reiten. Als Teenie hat sie eine rebellische Phase und verbringt viel Zeit im Jugendzentrum Kornstraße. Sie jobbt im Café Caldo am Weißekreuzplatz und im La Gauloise an der Limburgstraße. Mit Anfang zwanzig studiert sie Kommunikation und Marketing in Hamburg. 1998 Umzug nach Berlin. Anfang der 90er moderiert sie unter anderem bei Premiere „0137 Night Talk“, bei Kabel 1 „Lifeguide“, seit 2013 bei Tele 5 die Musiksendung „Playlist – Sound of my Life“, im RBB läuft „Stadt, Rad, Hund“, im Radio „Hörbar Rust“.


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