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Mensch-Hannover Bei Jürgen Weitz ist Porzellan Familiensache
Menschen Mensch-Hannover Bei Jürgen Weitz ist Porzellan Familiensache
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15:51 11.09.2018
ZIEHEN AN EINEM STRANG: Jürgen Weitz mit Ehefrau Nita-Surya. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Er hätte auch „Nein“ sagen können, vor 22 Jahren, als es darum ging, ob er das elterliche Geschäft übernehmen wolle. Es gab auch Alternativideen, Architektur zum Beispiel. Aber Jürgen Weitz (59) zögerte nicht lange und entließ seinen Vater 1996 in den Ruhestand, indem er die Geschäfte übernahm: „Ich bin ja quasi zwischen Porzellan groß geworden. Aber ich stand auch in einer moralischen Verantwortung – in so einem Familienunternehmen als fünfte Generation aufzuwachsen – das prägt.“

170 Jahre ist das Geschäft alt, 1848 vom Urur-Großvater Wilhelm Weitz in Pyrmont gegründet, seitdem wird das Unternehmen vom Vater zum Sohn weitergegeben. Geschäftsgründer Wilhelm Weitz sollte eigentlich Maurer werden, war aber künstlerisch sehr geschickt. So wurde er Elfenbeinschnitzer und stellte kunstvolle Handknäufe für Gehstöcke her. Selbständig machte er sich schließlich mit dem Schleifen und Gravieren von Brunnengläsern für die Heilquelle in Pyrmont.

Wurzel des Geschäfts sind Gläser für Heilwasser

„Jeder Kurgast wollte damals sein eigenes, individuell gestaltetes Brunnenglas haben, wenn er zu Heilwasserquelle ging“, erzählt Jürgen Weitz. „Das Geschäft lief richtig gut.“ Wilhelms Sohn Friedrich zog 1892 nach Hannover, übrigens ist seitdem das Haus Weitz in der Georgstraße im Besitz der Familie. Friedrich war ein findiger Geschäftsmann, er eröffnete viele Filialen, darunter in Hamburg und Kopenhagen und durfte sich sogar Hoflieferant nennen. Doch nur die Häuser in Hannover und Hamburg überstanden beide Weltkriege, Inflation und Wirtschaftskrisen.

Quelle: weitz

Heute gehören zum Porzellan- und Küchengeschäft Weitz Filialen in Hamburg, Hannover und Bielefeld. Damit zählt Weitz zu den größten Porzellanhändlern Deutschlands. Für Jürgen Weitz ist sein Geschäft tatsächlich zu seiner Lebensaufgabe geworden. Sechs Tage die Woche, etwa zehn Stunden pro Tag arbeitet er dafür: „Ich habe eine Aufgabe, die mir einfach nur Freunde macht, ich liebe meine Kunden, ich mag meine Ware – was gibt es Schöneres, als das zu gestalten, was einem Spaß macht?“

Weitz’ Frau Nita-Surya hat Gespür für Farbe und Ästhetik

Bei solchen Sätzen wird schnell klar: Wer mit Jürgen Weitz zusammen lebt, muss auch mit dem Geschäft verheiratet sein – zum Glück hat er genau die Frau gefunden, die zu diesen Lebensentwurf perfekt passt: Nita-Surya Weitz (52), Tochter von Möbelunternehmer Peter Steinhoff, führte in den 1990er Jahren unter dem Namen „Steinhoff“ zwei hochwertige Wohnaccessoires-Geschäfte in Hannover. Sie kommt also aus einer ähnlichen Familie und hat ein gutes Gespür für Farben, Ästhetik und Einrichtung. Heute arbeitet sie im Familienbetrieb mit.

„Wenn wir abends zu Hause sind, sprechen wir natürlich weiter über das Geschäft. Wir fahren zusammen zu den Messen, suchen die Ware aus, schauen nach Trends und wie wir weiter den Verkauf stärken.“ In dieser Atmosphäre wächst jetzt die sechste Generation ganz im Weitzschen Sinne heran.

Weitz findet den Weg zwischen Online-Shop und drei Läden

Noch gehen die beiden gemeinsamen Kinder zur Schule. Ob sie später das Geschäft übernehmen werden? Weitz zuckt mit den Schultern, aber freuen würde es ihn schon, das ist ihm anzumerken: „Sie sind interessiert, aber noch sind sie viel zu jung, um das zu entscheiden.“ Kurz denkt er nach, dann merkt er an: „Ich würde das Geschäft auch nur übergeben, wenn es mir gelingt, es auf eine zukunftsträchtige, solide wirtschaftliche Lage zu stellen“. Das sei, bei allem Einsatz, in dieser Zeit gar nicht so leicht. „Ein mittelständisches Einzelhandelsunternehmen zu führen, ist heute nicht sehr ökonomisch. Die Kunden verlangen eine hohe Beratungsintensität, das zieht hohe Personalkosten nach sich. Aber die Kunden zeigen keine Bereitschaft, für die Beratung mehr Geld auszugeben.“ Ein Zwiespalt. Doch Weitz glaubt, „einen guten Weg gefunden“ zu haben. Dieser Weg besteht aus einem ausgeklügelten Online-Shop-System und drei festen Geschäftsstandorten in Hannover, Hamburg und Bielefeld.

Spaziergänge mit dem Hund und Gartenarbeit

Die wenige freie Zeit, die Jürgen Weitz hat, verbringt er am liebsten mit Frau und Kindern. Seit einem Jahr hat Familie Weitz außerdem einen großen Hund, einen Ridgeback, der viel Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. „Wir haben damals lange überlegt, aber als wir ihn gesehen haben, haben wir ihn sofort ins Herz geschlossen,“ erzählt Weitz. „Seitdem wir ihn haben, fange ich eine Stunde später an zu arbeiten, um vorher noch mit ihm rauszugehen.“ Auch die Pflege des 200 Quadratmeter großen Gartens ist seine Aufgabe: „Da puzzle ich gern herum. Wenn ich dann abends mit schwarzer Erde unter den Fingernägeln nach Hause komme, ist das ein gutes Gefühl!“

Von Maike Jacobs

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