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CHARAKTERKOPF: Helmfried von Lüttichau zeigt in „Hubert und Staller“ seine komödiantische Seite.

CHARAKTERKOPF: Helmfried von Lüttichau zeigt in „Hubert und Staller“ seine komödiantische Seite.
© Susi Knoll

„Hubert und Staller“

Bayern-Bulle von Lüttichau kommt aus Hannover

Markante Nase, tollpatschiges Auftreten, perfekter bayrischer Akzent: Seit sieben Jahren ist Helmfried von Lüttichau (60) der Staller in der Kultserie „Hubert und Staller“. Am 22. November um 18.50 Uhr läuft die 100. Folge in der ARD. Die NP sprach mit dem Hannoveraner über Kindheit am Maschsee, mutige Ritter und Urlaub undercover.

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Sie sind geboren in Hannover! Wer Sie aus „Hubert und Staller“ kennt, hätte das nicht erwartet ...

Ich habe allerdings nur die ersten zwei Jahre nach der Geburt in Hannover gelebt, aber ich war später immer wieder in der Stadt, um meine Großeltern zu besuchen. Die haben in der Südstadt ganz in der Nähe des Maschsees gewohnt, mit denen bin ich immer um den See marschiert. Manchmal auch nur bis zu den Löwen ...

Was für Hannover-Erinnerungen haben Sie noch?

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Wie hat es Sie nach Bayern verschlagen?

Als ich sieben war, sind wir von Bremen nach Bayern gezogen – nach Gilching in der Nähe von Starnberg. Das war schwer, eine andere Welt. Ich habe die Sprache nicht verstanden, den Humor, die Mentalität. Das war mir alles fremd. Am Tag des Umzugs habe ich mein Fahrrad aus dem Möbellaster falsch abgestellt. Da sagt einer der bayerischen Möbelpacker zu mir: „Des war kein feiner Zug von dir.“ Diese Art der trockenen Ironie, noch dazu mit nicht besonders freundlichem Gesicht, das hat mich verwirrt. Welchen Zug meinte der…?

Wie haben Sie die Sprache denn gelernt?

Ich habe zugehört. Außerdem hat ein schon länger zugereister Holländer für mich übersetzt, Schulkameraden haben mir dann die Aussprache beigebracht. Alfred Gondrells Aufnahme von „Ein Münchner im Himmel“ konnte ich bis aufs letzte Komma auswendig, und Sketche von Karl Valentin habe ich nachgespielt.

Sie klingen im Gespräch aber gerade komplett anders als Staller ...

Ich werde oft darauf angesprochen, warum ich privat Hochdeutsch spreche. Ich fühle mich zwar auf eine bestimmte Art bayerisch, habe aber das Gefühl, dass ich mich verstelle, wenn ich privat bayerisch rede. Vielleicht, weil ich in Wahrheit doch ein Norddeutscher bin ()? Sobald ich aber die Staller-Polizeiuniform anhabe, fühlt es sich nicht aufgesetzt an. Mir wird auch immer wieder von Bayern bestätigt, dass sich das authentisch anhört.

Wo kommt der Name von Lüttichau her?

Es gibt eine Sage von einem mutigen Ritter, der in einer Schlacht vor Lüttich nach vorne geprescht ist und sie so gewonnen hat. In unserem Wappen sind auch Kampfsicheln mit Hahnenfedern zu erkennen. Es gibt aber viele verschiedene Linien – in Dänemark, Norwegen, sogar in Italien. Ich bin in der Familiengeschichte nicht so bewandert. Meine Eltern waren nicht so streng in Sachen Tradition.

Wie sind sie denn aufgewachsen?

Meine Mutter hat sich mit antiautoritärer Erziehung auseinandergesetzt und in einem eher linksgerichteten Kindergarten mitgearbeitet. Andererseits hat mich das Adlige natürlich schon geprägt, aber in der Pubertät wurde mir das zu eng, ich wollte da raus, mich davon befreien.

Wann haben Sie Ihr komödiantisches Talent entdeckt?

Ich war zwar in der Schule der Klassenkasper und habe im Theater auch komische Rollen gespielt – habe aber das eher verleugnet. Für mich waren eher ernste Rollen die wahre Kunst ()! Christian Tramitz, den ich mit 14 Jahren am Gymnasium kennengelernt habe, hat das später aus mir herausgelockt. Er wollte für seine Sendung „Tramitz und Friends“ unbedingt diesen Wilderer-Sketch in unverständlichem Bayrisch mit mir drehen. Das hat mir Mut gemacht, mein komödiantisches Talent auch beruflich einzusetzen.

Und jetzt kommt die 100. Folge „Hubert und Staller“! Hätten Sie das beim Start gedacht?

Beim ersten Drehbuch stand zwar „Erste Staffel“ auf der Titelseite, aber an eine Fortsetzung geglaubt hat damals kaum einer. Uns wurde signalisiert, dass wir eine Art „Experiment“ waren, um zu schauen, was so geht.

Wie sehr ist Ihnen Staller an Herz gewachsen?

Sehr, ich spiele das mit 120 Prozent – die Figur hat mich sieben Jahre komplett belegt, meinen Kopf und mein Herz. Sogar auf meiner Hochzeitsreise am schönsten Strand der Seychellen bin ich in Badehose und mit Sonnenbrille erkannt worden. Ein Mann hat gefragt „San Sie undercover da?“ Woran es liegt? „De Nosn!“ Wenn ich mir in Drehpausen einen Bart wachsen lasse, brauchen die Leute einen zweiten Blick.

Warum lieben die Leute „Hubert und Staller“?

Ich glaube, es ist der spezielle Humor von Christian und mir. Die Serie entspannt, macht gute Laune und die ganze Familie kann lachen. Für die Norddeutschen ist Bayern natürlich auch exotisch. Und die Landschaft ist schön.

Was hat sich in Ihrem „Revier“ Wolfratshausen seitdem verändert?

Die Serie hat den Tourismus angekurbelt, es gibt extra Radtouren und in der Bäckerei „Hubsi und Hansi“-Kuchen. Es ist nicht wie beim „Bergdoktor“, aber die Leute freuen sich, wenn sie Fotos mit uns machen dürfen.

Hatten Sie schon mal Probleme mit der Polizei?

Ach, ich war immer sehr brav und habe quasi eine weiße Weste. Nur einmal bin ich in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten, da hat mich der Polizist aus dem „ Wilderer-Sketch” erkannt und ist völlig ausgeflippt. Wir haben dann ein Foto mit der Einsatzkamera gemacht. Die Strafe habe ich aber trotzdem bezahlen müssen.

Hier gehts zu den Infos zur 100. Folge „Alles wird gut“.

Von Andrea Tratner


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