Navigation:
ENGAGIERT SICH: Mirko Woitschig (31) bringt den Fußballverein Hannover 96 sozial nach vorn.

ENGAGIERT SICH: Mirko Woitschig (31) bringt den Fußballverein Hannover 96 sozial nach vorn.
© Florian Petrow

Hannover 96

Auch im Fußball: Mirko Woitschig setzt auf ein buntes Hannover

Homosexualität im Profi-Fußball – immer noch ein Tabu. Hannover 96 setzt ein Zeichen gegen Homophobie: Der Verein hat die Schirmherrschaft für den Christopher Street Day übernommen. Die NP sprach darüber mit Mirko Woitschig (31) – er ist seit Anfang 2016 bei 96 für soziales Engagement zuständig.

Hannover. Mit „Hannover ist bunt“ setzt sich Hannover 96 bereits seit drei Jahren für ein vielfältiges und tolerantes Miteinander ein. Passend zu diesem Motto übernimmt der Verein dieses Jahr die Schirmherrschaft für den Christopher-Street-Day (CSD). „Das ist etwas komplett Neues“, erzählt Mirko Woitschig (31). Seit März 2016 ist er für das soziale Engagement bei 96 zuständig. Bereits letztes Jahr seien die Veranstalter auf ihn zugekommen, doch so kurzfristig konnte das nicht umgesetzt werden. Dieses Jahr war die Situation besser: „Wir hatten sehr gute Gespräche, haben es intern diskutiert und konnten uns das gut vorstellen.“ Verschiedene Sexualitäten sind als Thema aber keinesfalls neu für den Verein. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Niedersachsen-Bremen war beim letzten Saisonauftakt bereits mit einem Stand am Start und hat über Homosexualität in der Sport- und Fußballszene aufgeklärt. „Das wurde von den Fans sehr gut aufgenommen“, sagt Woitschig.

Rund 40 Projekts macht „96plus“ seit dem vergangen August

Der gelernte Bankkaufmann hat in Hamburg Betriebswirtschaftslehre studiert und widmete sich bereits in seiner Bachelor-Arbeit dem sozialen Engagement im Profi-Fußball: „Ich finde, das gehört eigentlich in jedes Unternehmen. Natürlich sehen viele zum Profi-Sport auf, dadurch haben wir ganz klar eine Vorbildfunktion.“ Die nimmt er zusammen mit dem Verein wahr: Seit dem Start im vergangenen August hat „96plus“ rund 40 Projekte ins Leben gerufen. Dazu gehört zum Beispiel die Restaurierung von maroden Bolzplätzen in der Region. Besonders am Herzen liegt Woitschig das Weihnachtsfest, das Hannover 96 vergangenen Winter mit Hilfe lokaler Sponsoren auf die Beine gestellt hat. Mit einer Grillstation, einem Kinderkarussell und anderen Attraktionen haben Mitarbeiter aus allen Abteilungen mit 800 Bedürftigen einen Weihnachtsmarkt veranstaltet. Für Mirko Woitschig war das „menschlich das Schönste.“

Woitschig: „Es ist im Profi-Fußball, gerade im Männerfußball, immer noch ein Tabu-Thema.“

Der Kontakt mit den 96-Anhängern ist das, was seinen Beruf besonders macht: „Fußball ist eben ein emotionales Thema. Da ist es ganz natürlich, dass man näher an den Fans ist.“ Auch in Bezug auf die neue Schirmherrschaft hat er immer wieder den Dialog mit Anhängern des Vereins gesucht. Mit Gegenwind wegen der Entscheidung rechnet er dabei nicht: „Wir haben bislang nur positives Feedback bekommen.“ Dass er ein sensibles Thema aufgreift, ist Woitschig aber bewusst: „Es ist im Profi-Fußball, gerade im Männerfußball, immer noch ein Tabu-Thema“, erklärt er. Wieso es gerade in dem Bereich so ein Problem ist, kann er sich nicht erklären. Er weiß nur: „Bei Hannover 96 ist es völlig egal, wo jemand herkommt, welche sexuelle Orientierung oder welche geschlechtliche Identität er hat.“ Jeder, der sich damit identifizieren kann, ist herzlich willkommen.  Das war auch der Grund, die Schirmherrschaft für den Christopher Street Day zu übernehmen. „Man kann das nur angehen, indem man sich positioniert.“ Durch das besondere Standing des Vereins hofft Mirko Woitschig, dass Hannover 96 zu mehr Akzeptanz beitragen kann: „Wenn wir zeigen, dass es für uns keinen Unterschied macht, ist es am Ende vielleicht für alle okay.“

Info: Der Christopher Street Day findet am Pfingstwochenende statt. Am Sonnabend (3. Juni) startet um 12 Uhr die Veranstaltung vor der Oper. Der Demonstrationszug läuft von 14 bis 16.30 Uhr vom Opernplatz aus durch die City. Bis zu 20 000 Menschen werden erwartet. Das diesjährige Motto: #mitdenken.

Von Leonie Gebhard