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Mensch-Hannover Arnd Zeigler hatte „nicht annähernd Talent“ für Fußball
Menschen Mensch-Hannover Arnd Zeigler hatte „nicht annähernd Talent“ für Fußball
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00:22 15.03.2018
SEINE WELT DREHT SICH UM FUSSBALL: Arnd Zeigler tritt am 14. März im Pavillon auf.Bu  Quelle: unbekannnt
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Hannover

 

 
Herr Zeigler, für welchen Fußballverein hat Ihr Herz zuallererst geschlagen?

Joa, eigentlich schon von ganz früh an für Werder Bremen.

Eigentlich?

Ich hatte da eine Phase, da habe ich mich an den Erfolgreichen orientiert und fand Bayern München toll. Da gibt es auch noch irgendwo ein kompromittierendes Foto, das mich als kleinen Jungen mit Bayern-Fahne zeigt (lacht).

Lieblingsspieler von damals?

Franz Beckenbauer habe ich bewundert, der war damals schon so eine herausragende Gestalt, der spielte in einer ganz anderen Kategorie als andere. Extrem fand ich auch, was Gerd Müller geleistet hat. Ich merke übrigens gerade, wie alt ich bin ...

Hatten Sie irgendwann selbst Ambitionen, Fußballer zu werden?

Oh ja, aber ich hatte nicht annähernd Talent und Ehrgeiz. Ich habe ich einem kleinen Dorfverein gekickt, war nicht schnell, aber dafür als Ausgleich der Kleinste und Schmächtigste. Über einen Freizeitkicker kam ich leider nicht hinaus, habe aber immer gerne und leidenschaftlich gespielt.

Mittlerweile ist aus der schönsten Nebensache der Welt teilweise eine ziemlich brutale geworden. Wie erklären Sie sich das?

Das ist unschön – aber keine Entwicklung, die nur die letzten paar Jahre abbildet. Ich kann mich da an die frühen 80er erinnern, da standen in den Fan-Kurven Nazi-Hools, die Nationalmannschaft war unattraktiv, Spieler hatten einen abgehobenen Habitus, die Stadien waren halb leer. Ich sehe es aber mit großer Sorge, was da in Hamburg passiert, seitdem es sportlich so den Bach runtergeht.

Und die ekelhaften Beleidigungen, die Ron-Robert Zieler neulich in Köln ertragen musste, waren auch alles andere als sportlich.

Darüber habe ich mich wahnsinnig geärgert, sowas geht gar nicht! Klar geht es auch mal ruppig und gehässig zu, aber hier wurden die Grenzen eindeutig überschritten. Viele Leute schaffen es nicht, da eine Trennlinie zu ziehen. Mir gelingt es doch auch, Dinge für mich zu verarbeiten, ohne wem anders brennendes Feuerwerk auf den Kopf zu werfen. Es muss doch möglich sein, dass jeder ins Stadion gehen kann, ohne Angst zu haben und ohne, dass ich in der Sprecherkabine sitze und achtmal „Hört endlich auf damit!“ sagen muss. Wie verroht muss man eigentlich sein, um für sich keinerlei Grenzen mehr zu respektieren und es deshalb okay zu finden, andere zu gefährden oder mit blankem Hass zu überziehen, weil sie das Trikot des Gegners tragen?

Was muss passieren, damit sich das wieder ändert?

Die Fanszene müsste sich selbst regulieren. Aber der Umgang miteinander ist kein generelles Fußballproblem, es ist ein gesellschaftliches. Man sieht es ja in den sozialen Netzwerken, selbst das banalste Thema sorgt schon dafür, dass in kürzester Zeit gegenseitig durchbeleidigt wird. Jeder kann jeden runtermachen und diffamieren, einfach nur, weil e s geht. Im Fußball ist es doch ein hohes Gut, sich zu respektieren. Der Sport hat eine soziale Funktion, die von allen Leuten mitgetragen werden sollte. Rassistische Hetze, Hass gegen schwule Fußballer und ähnliches hat da nichts verloren.

Was war das kurioseste Spiel, das Sie jemals moderiert haben?

Da muss ich gar nicht lange überlegen: Es war ein Saisonauftaktspiel 2004/2005, Bremen war gerade Deutscher Meister geworden und hatte Schalke zu Gast. Es war ein heißer Tag, selbst abends um acht waren es noch 32 Grad. Und dann fiel der Strom aus. Da saßen wir also in dem ausverkauften Stadion bei Notbeleuchtung.

Und dann?

Musste ich andauernd etwas sagen, konnte die Leute ja nicht sich selbst überlassen. Ich musste immer überlegen, welche Informationen ich weitertragen konnte, damit keine Panik aufkommt. Irgendwann wurden bei der Hitze auch noch die Getränke knapp. Es stellte sich heraus, das eine Muffe in der Nähe durchgebrannt war und repariert werden musste. Gut anderthalb Stunden mussten wir 40 000 Leute bei Laune halten.

Was von Ihrer wunderbaren Welt des Fußballs holen Sie zu uns nach Hannover?

Ich möchte mir mit den Besuchern Dinge anschauen, die zeigen, warum Fußball so einen Spaß macht. Es muss ja ein Geheimnis geben, warum Fußball so toll ist, obwohl er ja bei Licht betrachtet auch Woche für Woche Anlass zu Frust, Wut und Ärger liefert. Es ist eine tolle Gelegenheit, dass zu machen, was mir in der Sendung auch so einen großen Spaß bereitet.

Im Pavillon ist ja der Auftakt für Ihre Tournee. Sind bei uns irgendwelche Besonderheiten geplant, die Sie verraten können?

Ja, Dieter Schatzschneider ist hoffentlich mit dabei (lacht). Der hat viel erlebt und demnach viel zu erzählen, von seiner wilden Discozeit in Hannover zum Beispiel. Ich hoffe, das wird eine runde Sache.

Von Mirjana Cvjetkovic

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