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WAHLAMERIKANERIN: Ariane Sommer lebt mit ihrem Mann in Los Angeles.© Baumann

Interview

Ariane Sommer träumt von einer Farm Kunterbunt

Ariane Sommer (38) - bei diesem Namen denken viele an das It-Girl, das zu Beginn der 2000er mit heißen Partys und leichter Garderobe Schlagzeilen machte. Heute lebt Sommer in Los Angeles, engagiert sich im Tierschutz und schreibt Bücher.

Frau Sommer, es ist relativ still um Sie geworden. Sie leben schon lange in Los Angeles. Was haben Sie die letzten Jahre gemacht?

Es hat sich eigentlich alles ums Schreiben gedreht. Kürzlich ist mein Buch „Lieben lassen“ erschienen. Davor habe ich eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht. Für „Red Carpet“ schreibe ich eine Hollywoodkolumne. Und „Pflanzen essen“ für die „taz“ - das ist eine Kolumne über veganen Lifestyle.

Vegan ist momentan sehr hip, ein Trend, der auch unter dem Deckmantel von Schönheit und Schlanksein daherkommt. Warum haben Sie sich für diese Lebensweise entschieden?

In Kalifornien habe ich mich erstmals bewusst mit Ernährung auseinandergesetzt. Das ist dort ein großes Thema - nicht nur auf das Aussehen bezogen. Mir wurde klar, was Ernährung für weitreichende Folgen hat. Einerseits für die Gesundheit: Ich hatte Zipperlein von ständigen Blasenentzündungen bis zu leichten Depressionen. Das ist weg, seit ich vegan lebe. Andererseits die globalen Auswirkungen: Massentierhaltung, Genmaisproduktion und so weiter. Wo es Tieren schlecht geht, werden auch Menschen nicht besser behandelt. Und wenn ich sage, ich bin tierlieb, kann ich nicht Burger bei Mc Donald’s essen.

Sie haben auch eine Internet-Plattform zu dem Thema entwickelt, die bald online geht. Was ist Ihr Ziel?

Sie nennt sich „Go Avap“ - meine Wortkreation. Avap heißt „as vegan as possible“, also „so vegan wie möglich“. Nach diesem Credo lebe ich auch. Ich möchte mit der Plattform das Thema für die Menschen öffnen, Mut machen, Ängste nehmen und informieren. Ein Label wie „vegan“ löst bei vielen immer noch die Besorgnis aus, diese Lebensweise nicht umsetzen zu können.

Um die Jahrtausendwende repräsentierten sie als Berliner It-Girl einen komplett anderen Lebensstil. Wie bewerten Sie diese Zeit heute?

Ich kam aus einem behüteten Elternhaus. Mit 18 ging ich nach Berlin, das gerade im Wandel war. Da konnte ich meine Lebenskonzepte ausprobieren. Jeder, der jung ist, macht das. Bei mir fand dieses Erwachsenwerden in der Öffentlichkeit statt. Durch das Modeln und TV-Rollen wurde ich zu gesellschaftlichen Events eingeladen. Das gepaart mit meiner Freche-Göre-Attitüde passte perfekt. So wurde ich dann neben anderen Akteuren zu einem Archetyp des neuen Berlins gemacht. Es war bunt, wild, eine schöne Art und Weise, die Jugend in sich aufzusaugen (lacht). Ich habe das genossen und mit Sicherheit auch über die Stränge geschlagen.

Der Umzug nach London mit 25 Jahren und kurz darauf nach Los Angeles war ein neuer Abschnitt in Ihrer Entwicklung?

Die Ernährungsumstellung hat mir auch geholfen, zu reifen und zu mir zurückzufinden. Anfang zwanzig war es ein Leben im Hinblick auf die Impulse, die ich von außen bekam. Ich war eine Projektionsfläche, und wenn man sich nur darüber definiert, kann das ganz schnell auch schiefgehen. In Kalifornien habe ich das Aus-sich-selbst-heraus-Leben wieder gelernt.

Als Diplomatentochter haben Sie viel von der Welt gesehen. Ist das ständige Umziehen für ein Kind nicht auch schwierig?

Ich empfinde es als sehr positiv. Ich kann überall auf der Welt klarkommen. Ich habe gelernt, diese Herausforderung zu meistern und mich innerhalb dieses Gefüges zu etablieren. Den meisten Menschen bereitet es gerade heute mehr Bauchschmerzen als mir, mit anderen Lebensentwürfen konfrontiert zu werden. Das häufige Umziehen hat mir einfach die Sicht dafür geöffnet, dass jeder, der anders denkt, lebt oder sich gibt, nicht schlechter ist als ich.

Wenn Sie gefragt werden, was Ihre Heimat ist, was antworten Sie?

Das ist interessant. Dazu passt ein Zitat meiner Protagonistin aus dem neuen Buch. Sie ist ja eine Nomadin, sowohl geografisch als auch emotional, und sagt: „Heimat ist verschiebbar.“ Das empfinde ich nicht eins zu eins so, aber ähnlich. Meine Wurzeln liegen in Deutschland. Von der Kultur, von der Denkart, von dem, was ich in meinen Werten mitgenommen habe. Heimat hingegen verbinde ich mehr mit einem Gefühl. Ich kann beispielsweise sagen: „Mein Zuhause ist mein Mann.“ Heimat ist da, wo man sich selbst erkennt, aber auch dort, wo man erkannt wird.

Welches Leben würden Sie in 20 Jahren gern führen?

(lacht, überlegt eine Weile) Dann wäre ich 58. Ich hätte gerne eine Farm Kunterbunt, wo ich mit Mann und Familie in einer wunderschönen Umwelt leben und die dreibeinigen Ziegen, einäugigen Hunde und schwanzlosen Katzen unterbringen kann. Das ist eine schöne Fantasie.

Kennen Sie Hannover?

Noch nicht. Aber die Stadt ist auf meiner Liste. Ich bin jeden Sommer einen Monat mit meinem Mann in Europa. Und nächstes Jahr möchte ich gerne die Hälfte der Zeit durch Deutschland reisen. Dann besuchen wir auch die ganze Familie - und eine Cousine von mir wohnt in Hannover. Können Sie mir Tipps geben?

Die barocken Herrenhäuser Gärten sind sehr schön.

Ich liebe das Barockzeitalter. Das ist auch stark in die Figur Alex Mondo in „Lieben lassen“ eingeflossen. Die Pracht, aber der gleichzeitige Verfall - das war eines der Themen des Barock. Sehr spannend. Insofern würde ich mir die Herrenhäuser Gärten gerne ansehen.

NPVISITENKARTE

Am 9. März 1977 in Bonn. Ihr Vater ist Diplomat. Sie ist wenige Monate alt, als die Familie nach Sierra Leone zieht. Es folgen Stationen wie Neu-Delhi, Paris und Miami. Sommer spricht fließend Italienisch, Englisch, Französisch und Spanisch. Nach dem Abi am Elite-Internat Salem studiert sie Politikwissenschaft in Berlin, avanciert zum It-Girl und macht im Boulevard auf sich aufmerksam. Seit über zehn Jahren lebt Sommer in Los Angeles und arbeitet als Autorin und Kolumnistin. Ihr neuester Roman: „Lieben lassen“ (ars vivendi, 18,90 Euro). Sie engagiert sich für den Tierschutz und lebt überwiegend vegan. Mit Filmproduzent Clay Kahler (50) ist sie seit drei Jahren verheiratet.


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