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Mensch-Hannover Feyzi Ekinci baut sein Aresto um
Menschen Mensch-Hannover Feyzi Ekinci baut sein Aresto um
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17:25 15.05.2018
ALLES WIRD NEU: Feyzi Ekinci hat das Aresto entkernen lassen und verschönert das Lokal mit Jugendstilglas und Kronleuchtern. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

 Der Estrich und die Zwischendecke sind rausgerissen, die Wand zu einem ehemaligen Lager wurde durchbrochen. Nun haben Handwerker eine Fußbodenheizung und Holzdielen verlegt, Kronleuchter aufgehängt, Fliesen in den Boden eingearbeitet. Man könnte meinen, Feyzi Ekinci (53) baut das Aresto am Hohen Ufer neu. Seit 1990 betreibt der Türke das Restaurant mit griechisch-mediterraner Küche und einer beeindruckendes Auswahl an deutschen Weinen. Fast eine halbe Million Euro hat der Gastronom in den Umbau des Lokals gesteckt. „Nach 28 Jahren musste das mal sein“, findet Ekinci, der hofft, das Aresto noch im Mai wiedereröffnen zu können.

„Wir wollen hier einen neuen Stil schaffen, den es in Hannover noch nicht gibt“, sagt der 53-Jährige. In Belgien und Holland ging er auf Einkaufstour, erstand einen Apothekenschrank aus den 20er-Jahren, alte Fliesen und Kronleuchter, Vitrinen, Glasfenster im Jugendstil. Den Stuck für die Decke des Restaurants ließ Feyzi Ekinci in Polen gießen. Durch den Lagerraum, den zuvor das benachbarte Restaurant Bei Mario benutzte, wächst das Aresto um 32 Quadratmeter, „dadurch können wir auch endlich die Theke verlängern.“ Küche und Weinkeller sind von dem Umbruch nicht betroffen, „ein erfolgreiches Konzept muss man nicht ändern.“ Zumal das Fachmagazin „Vinum“ das Aresto und seine Weinauswahl aktuell mit dem ersten Platz in der Kategorie „Weltküche“ ausgezeichnet hat.

Auch das italienische Nachbarrestaurant wird inzwischen von Ekinci und seinem Bruder Cemal Can (50) betrieben (NP berichtete). Dagmar Sorentino (66), Witwe des Gründers Mario, wollte sich zur Ruhe setzen. Bis zum Jahresende läuft der Aresto-Betrieb beim Italiener normal weiter – erst im Januar geht es in die nächste Renovierungsphase. „Das Lokal werden wir sicher drei Monate lang umbauen“, schätzt Ekinci. Eine Mischung aus Trattoria und Restaurant mit Charme, „aber nicht zu schick“, mit zeitgemäßer italienischer Küche für jedermann soll dann am Hohen Ufer entstehen: „Wir wollen als Gast den Manager genauso wie den Flohmarktverkäufer.“ Aus dem neuen Namen macht Ekinci noch ein Geheimnis, nur so viel verrät er: „Er soll italienisch klingen und thematisch etwas mit der Umgebung zu tun haben.“ Beide Lokale sollen dann die gleiche anthrazite Front und lange Bodenfenster bekommen – aber getrennte Restaurants bleiben.

Auf 260 Plätze draußen am Fluss und 210 Innenplätze wird Feyzi Ekinci dann am Hohen Ufer kommen. „Das ist gewaltig“, sagt der Gastroexperte, „aber wir schaffen das.“ Auch sein Sohn Erdal (33) ist als Geschäftsführer eingestiegen, der Klostergang liegt also in Familienhand. „Wir haben hier ein Filetstück von Hannover“, findet der Wirt und hofft, dass sich am Fluss weitere Gastronomien ansiedeln und auch das Langzeitprojekt „Stadtmauer“ bald eröffnet. „Bewegung ist wichtig. Das Hohe Ufer sollte eine richtige Flaniermeile werden.“

Sich selbst sieht Feyzi Ekinci inzwischen mehr als Berater anstatt als Betreiber der Restaurants. „Ich werde mich in ein paar Jahren mehr zurückziehen – und nun nach und nach Verantwortung abgeben“, plant der 53-Jährige, der Spanien liebt und gerne ein paar Monate im Jahr dort verbringen würde. Noch sei er „jeden Morgen der Erste und jeden Abend der Letzte“ – übrigens auch beim Maschseefest, auf dem das Aresto wie stets am Nordufer vertreten sein wird. „Ich freue mich auf die Zeit am See. Nach Feierabend kommen immer viele Kollegen auf ein Glas Wein zu uns.“

Dass er bald also kürzer treten wird, mag man dem Urgestein der hannoverschen Gastroszene kaum glauben. Und vermutlich gäbe es nur eine Person in Hannover, die den Rückzug des Aresto-Gründers feiern würde – seine Frau Hediye (53). „Sie sieht mich wirklich nicht oft“, gibt Ekinci lachend zu.

Von Julia Braun

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