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Mensch-Hannover Angelo Kelly: „Diese Zeit hat mich stark gemacht“
Menschen Mensch-Hannover Angelo Kelly: „Diese Zeit hat mich stark gemacht“
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15:17 05.07.2018
IMMER AUF TOUR: RTL drehte mit Angelo Kelly eine Folge der Doku-Soap „Goodbye Deutschland – Die Auswanderer“ über das Leben in Irland. Quelle: RTL
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Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Leo Will? Der Sängerin aus Linden, die Sie für RTL im „Undercover Boss“ entdeckt haben?

Ja, natürlich. Leo arbeitet doch an Ihrem ersten Album.

Für das Sie ihr 8000 Euro Startkapital zur Verfügung gestellt haben?

Das stimmt. Und das Geld stammte nicht von RTL, das habe ich privat bezahlt.

Was ist denn so besonders an Leo, dass Sie sie unterstützen wollten?

Alle drei Talente, mit denen ich für die Sendung zu tun hatte, waren auf ihre Art sehr reizvoll. Da war die Harfenistin Saja, die für uns beim Abschluss unseres Weihnachtsprogramms am 23. Dezember in Dortmund spielen wird.

Zu Ihrem Geburtstag.

Auch (lacht). Das zweite Talent, der Sänger Raoul Fabian, wird uns auf einigen der Konzerte unserer Sommertour begleiten und im Vorprogramm spielen. Und dann war da Leo: Sie unterscheidet sich in ihrer Musik sehr von unserer, darum hätte sie nicht zu unserem Programm gepasst. Aber ihr erstes Album, das war ihr Herzenswunsch. Und ich weiß, wie schwer es am Anfang sein kann. Leo ist stark, sie ist eine Kämpferin, aber um deine Musik qualitativ hochwertig aufzunehmen, brauchst du Geld. Also habe ich ihr geholfen.

Als Sie mit der Kelly Family in den 1990ern durchgestartet sind, waren Sie noch ein Kind. Das Album „Over the Hump“ hat in Deutschland viermal Platin bekommen hat. „Schwer“ klingt anders ...

Aber wir haben uns den Weg dorthin erst erarbeitet. Der große Erfolg war ja nicht von Beginn an da. Die Kelly Family hat auf der Straße angefangen, wir waren Straßenmusiker, das darf man nicht vergessen. Und vor allem hält solch ein Erfolg nicht ewig. Als es vorbei war mit der Kelly Family war ich Anfang 20, da wusste ich manchmal nicht, wie ich meine Familie ernähren sollte. Da habe ich als Papa manchmal nachts wach gelegen und mich darüber gesorgt, wie es weitergehen soll. Ich musste auch mal unsere Vermieterin in Bonn darum bitten, drei Wochen mit der Miete zu warten, weil ich sie einfach nicht bezahlen konnte.

Das ist schwer vorzustellen nach all dem Erfolg, den die Kelly Family hatte.

Na ja, wir hatten eine Riesenfirma, die brachte enorme Kosten mit sich. Und das war eine Zeit lang auch in Ordnung, als wir auf dem Höhepunkt unseres Erfolgs waren. Aber die meisten Musiker können eben nicht von ihrer Musik leben. Wer es kann, wird immer ein Auf und Ab erleben. Du bist einfach nicht immer mit dem Privatjet unterwegs. Wenn dann aber die Einnahmen nicht mehr so groß sind, du den Apparat rings um eine Band nicht rechtzeitig verkleinerst, dann sind die Reserven schnell aufgefressen. Es ist nicht so, als hätten wir das Geld verprasst. Wir waren nur wirklich sehr schlecht beraten damals.

Was haben Sie daraus gelernt?

Zumindest hatte ich das Glück, dass ich recht jung war, als mir das passierte. Und ich möchte die Zeit nicht missen, sie hat mich stark gemacht. Sie lässt mich den Erfolg, den wir aktuell haben, sehr viel bewusster wahrnehmen und genießen. Sowohl beim Comeback der Kelly Family, als auch bei den Konzerten, die wir mit unserer Familie geben.

Quelle: Bucanac

Sie touren mit Ihrer „Family“. War es schwer zu entscheiden, Ihre Kinder auf die Bühne zu bringen?

Wir sind von 2010 bis 2013 gemeinsam durch Europa getourt. In der Zeit habe ich uns durch Straßenmusik über Wasser gehalten. Wir wollten etwas von der Welt sehen, den Kindern ein Gefühl von Freiheit schenken, sie weltoffen aufwachsen lassen. Ihnen aber auch ein Gefühl von Zusammenhalt mitgeben, ein Verständnis davon, dass Zuhause immer da ist, wo die Familie ist. Und in dieser Zeit haben wir angefangen, als Familie gemeinsam im Wohnmobil zu musizieren.

Wie kam dann der nächste Schritt?

Als wir uns dann in Irland niedergelassen haben, habe ich eine Tour in 500 Theatern gespielt. Da sind meine Frau Kira und die Kinder immer für ein paar Lieder zu mir auf die Bühne gekommen. Es durfte dabei aber nicht fotografiert oder gefilmt werden, die Kinder sollten in einem geschützten Raum einen Eindruck davon bekommen, was der Job als Musiker bedeutet. Jeder konnte zu jeder Zeit aussteigen. Das war bei der Kelly Family damals anders. In unserer Familie haben sich alle dafür entschieden, dass wir das Ding gemeinsam durchziehen.

Ihre Mutter ist gestorben, als Sie ein Baby waren. Während der Schwangerschaft war Brustkrebs entdeckt worden, sie hat sich gegen eine Therapie entschieden, um Sie zu retten. Vermissen Sie sie?

Dafür war ich zu jung. Ich hatte immer den Eindruck, sie wäre bei mir, ich habe ihre Liebe gespürt. Meinen Vater habe ich aber tatsächlich manchmal vermisst. Bei ihm hätte ich mir manchmal gern einen Rat geholt. Es ist schön, wenn man einen Mentor hat. Nicht nur beruflich, sondern eben auch privat.

Sie haben doch Brüder!

Aber die sind nicht doppelt so alt wie ich, die haben nicht die Lebenserfahrung, nach der ich meinen Vater gern gefragt hätte. Außerdem hat keiner von ihnen so viele Kinder wie ich (lacht herzlich).

Sie haben Kindheitserinnerungen an Hannover, oder?

Wir haben ein Jahr lang in Hannover gelebt. Wir hatten dort mit unserem Hausboot angelegt, bevor wir nach Köln gezogen sind. Nachmittags nach der Schule sind immer zwei Mädchen ans Boot gekommen. Ich glaube, sie hießen Jessica und Franzi, sie haben immer mit meiner Schwester Maite und mir gespielt. Das war eine wirklich schöne Zeit in Hannover.

1. Dezember, 19 Uhr in der Swiss Life Hall. Tickets kosten 31,35 bis 50,05 Euro.

Von Verena Koll

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