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AUF TOUR: Anastacia ist gern in Deutschland, am 27. April kommt sie ins Theater am Aegi.

Interview

Anastacia: „Ich komme gut aus mit den Deutschen“

Während in ihrer Heimat USA der Durchbruch nie kam, ist Anastacia (47) in Deutschland sehr beliebt und erfolgreich. Mit der NP sprach sie über ihre aktuelle Tour und ihre Krebserkrankung und erklärte, warum sie jahrelang ihr wahres Alter verheimlichte.

Sie sind auf Tour mit Ihrem Album „Ultimate Collection“. Wird das ein Best-of-Konzert?

Alle Songs des Albums sind in der Show, also hat es tatsächlich viel von einem Best-of. Fans, die schon seit vielen Jahren dabei sind, aber auch neue Fans werden viel Spaß haben, weil sie alles zu hören bekommen, was sie sich wünschen. Es gibt Tänzer, Überraschungen - dabei kann man sich amüsieren.

Haben Sie Erinnerungen an Hannover?

Deutschland ist ein riesiger Markt für mich. An Hannover habe ich keine schlechten Erinnerungen. Ich komme wirklich gut aus mit den Deutschen. Hier wurde ich seit Beginn meiner Karriere respektiert und geliebt und wertgeschätzt - ich fühle mich irgendwie wie ein ehrenamtliches „German-American Girl“ (lacht).

Haben Sie eine Erklärung, wa-rum ausgerechnet die Deutschen Sie so lieben?

Das wüsste ich auch gern! Ich hätte gern ein Rezept, das ich um die Welt verteilen könnte, weil mehr Leute wissen sollten, wie toll Deutschland ist. Echt! Ihr seid extrem spaßige Menschen, sehr technikorientiert, immer pünktlich und geschäftsmäßig, aber sehr spaßig. Ich glaube, viele Menschen nehmen das gar nicht wahr. Sie hören die deutsche Geschichte, und das ist alles, was sie kennen. Und das ist schade. Wenn jemand etwas Schlechtes über Deutsche sagt, fange ich immer an, sie zu verteidigen. (lacht)

Haben Sie Lieblingsorte in Deutschland?

Ich liebe München mit all den kleinen Cafés, wo die Leute rauchend an der Straße sitzen. Berlin ist ganz anders, die Clubs sind völlig verrückt. Und Köln ist wieder völlig anders. Hamburg ist schön mit dem Wasser, Hannover - ihr habt so viele verschiedene Orte in nur einem Land! Das ist ein bisschen wie in Amerika. Es gibt eine ziemliche Bandbreite - deutsche Kultur ist sehr abwechslungsreich, das gefällt mir.

Bis zu Ihrem 40. Geburtstag dachten alle, dass Sie viel jünger wären.

Ja, alle dachten, ich wäre 32. Das kam noch vom Anfang meiner Karriere, als ich in einer Fernsehsendung mitmachen wollte, für die man ein bestimmtes Alter brauchte. Da war ich gerade 30 geworden. Und die haben dann gesagt, du siehst so jung aus - wir machen dich jetzt 23 Jahre alt.

Und das war okay für Sie?

Damals dachte ich, dass ich sowieso nicht weiterkomme, darum hat es sich nicht nach einer Lüge angefühlt - ich wollte halt Spaß haben und bei der Sendung mitmachen! Und dann bekam ich plötzlich einen Plattenvertrag und traute mich nicht, etwas zu sagen, aus Angst, dass es meiner Karriere schaden könnte. Wenn ich dann in Interviews gefragt wurde, wie alt ich bin, machte ich Ausflüchte, weil ich nie genau wusste, wie alt ich jetzt gerade sein müsste. Es fühlte sich an wie eine Lüge, die immer größer wurde. Und dann hatte ich einfach das Gefühl, ich will das nicht mehr. Es fühlte sich so dämlich an! Es machte mich ja nicht zu einer besseren Sängerin, ich wusste nur nicht, wie ich da wieder rauskomme.

Und warum dann an Ihrem 40. Geburtstag?

Ich dachte, das ist die perfekte Gelegenheit, mit der Welt zu feiern und es alle wissen zu lassen. Das Alter ist nur eine Zahl, wen kümmerts. Und mittlerweile ist es völlig egal. Aber es war damals eine echt große Story! (lacht) Das war gar nicht meine Absicht.

Sie haben schon zweimal den Brustkrebs besiegt - geht es Ihnen jetzt gut?

Mir geht es fantastisch!

Sie können jetzt sicher sein, dass er nicht zurückkommt?

Ich kann völlig sicher sein, was Brustkrebs angeht - aber nicht bei anderen Krebsarten. Ich bin kein Wunderheiler, es gibt kein Heilmittel gegen Krebs. Bei mir wurde er beide Male sehr früh erkannt und war noch nicht in die Lymphknoten eingedrungen. Beim zweiten Krebs hatte ich dann die Wahl: Ich konnte meine Brüste behalten, Medikamente nehmen, eine Chemo machen und ihn danach ständig beobachten. Und ich habe gesagt: Ich kann das nicht nochmal durchmachen. Ich habe das zehn Jahre gemacht, und dann kam er wieder - ich will das nicht nochmal zehn Jahre machen. Was, wenn er wiederkommt und noch schlimmer ist?

Was war die Alternative?

Die Alternative war, sie zu entfernen und wirklich Lebewohl zu sagen zu all dem. Und darum habe ich mich so entschieden. Es war eine sehr endgültige Entscheidung, die nicht alle Frauen treffen möchten, aber ich bevorzuge das Leben. Und sie machen wirklich Fortschritte darin, dich wieder zu einer Frau aufzubauen, die sich feminin fühlt. Es braucht Zeit, und es ist kein leichter Weg. Ich habe seitdem vielen Frauen geholfen, ihn zu gehen, und das werde ich auch weiterhin machen.

Sie haben den Krebs mal als einen Segen bezeichnet - warum?

Der erste Krebs wurde entdeckt, als ich eigentlich eine Brustreduktion wollte - ich war üppiger gebaut, als ich wollte. Dadurch wurde er sehr früh festgestellt, Gott hat mich früh mit ihm gesegnet. Ich glaube, jetzt ist es meine Aufgabe als Person, sein Werk zu tun: mit Leuten zu reden, zu helfen. Nicht alle Menschen bekommen die Chance, nach der Sache noch am Leben zu sein. Also: Weil ich noch hier bin, helfe ich, auch in der Öffentlichkeit.

Hat der Krebs Sie religiöser gemacht?

Nein, gar nicht, ich war immer sehr spirituell, habe niemals meinen Glauben verloren. Der Krebs hat mich höchstens ein bisschen ausgebremst. Aber ich war immer optimistisch, meine Lieder waren noch immer voller Energie. Ich glaube, was mich eher verändert hat, war das Älterwerden als Frau, nicht so sehr der Krebs. Weil ich noch so jung war, bin ich mit der Krankheit gewachsen. Ich war schon durch einige unschöne Krankenhausaufenthalte herausgefordert worden, also war ich zwar nicht daran gewöhnt - ans Krankwerden kann man sich nicht gewöhnen. Aber ich glaube, es kam nicht ganz so überraschend, weil ich das Krankenhaus schon kannte. Für mich war das eben ein weiterer Hügel, den ich überqueren musste.

Am 27. April kommt Anastacia ins Theater am Aegi. Start ist um 20 Uhr, Karten kosten zwischen 72,65 und 95,65 Euro.

IHRE TOP-10-HITS

In den frühen 2000ern war Anastacia in Deutschland sehr erfolgreich. Sechs ihrer Songs schafften es in die deutschen Top 10:

I’m Outta Love, 1999.

Paid My Dues, 2001.

One Day in Your Life, 2002.

Left Outside Alone, 2004.

Sick & Tired, 2004.

I Belong To You, 2006

NPVISITENKARTE

Geboren am 17.9.1968 in Chicago als Anastacia Lyn Newkirk. Nach der Scheidung der Eltern wuchs sie in New York auf. Schon als Kind litt sie an der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn. Sie begann ihre Karriere als Tänzerin und Studiosängerin. 1998 kam sie bei der Casting-Show „The Cut“ ins Finale und bekam einen Plattenvertrag, 2000 erschien ihr erstes Album „Not that Kind“. 2003 wurde bei ihr ein Brustkrebs diagnostiziert, den sie besiegte. Weitere Alben waren weltweit erfolgreich, in ihrer Heimat USA kam jedoch nie der große Durchbruch. Nach ihrer erneuten Krebsdiagnose 2013 entschied sie sich zu einer beidseitigen Brustentfernung.


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