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Knapp am Sieg vorbei:Alexander Jahnke sang im „DSDS“-Finale „Geboren um zu leben“ von Unheilig. Für den Sieg hat es nicht ganz gereicht.

Knapp am Sieg vorbei:Alexander Jahnke sang im „DSDS“-Finale „Geboren um zu leben“ von Unheilig. Für den Sieg hat es nicht ganz gereicht. © RTL

Deutschland sucht den Superstar

Alexander Jahnke wird Zweiter: „Das ist alles mega!“

Er ist Zweiter geworden am Sonnabend beim RTL-Casting „Deutschland sucht den Superstar“: Alex Jahnke (30) aus Sehnde. 3,47 Millionen Menschen haben am TV zugeschaut, die NP war beim Finale in Köln dabei.

Hannover. Ein silberfarbenes Stückchen Glitzer hängt ihm noch im Ausschnitt, als Alexander Jahnke (30) am sehr frühen Sonntagmorgen zum Interview kommt. Der Groß- und Außenhandelskaufmann aus Sehnde hat gerade den zweiten Platz im Finale des RTL-Sänger-Castings „Deutschland sucht den Superstar“ belegt. Das anderthalb mal fünfeinhalb Zentimeter große Stückchen Glitzerpapier gehörte zum Konfettiregen, der im Studio auf Gewinner Alphonso Williams (54) von der Studiodecke he­runter­prasselte; und auf die 1500 Gäste.

Jahnke lehnt am Stehtisch und nippt an einer Flasche Früh-Kölsch. Ob er enttäuscht ist über den zweiten Platz? „Nee“, wehrt er ab, „gar nicht. Damit hätte ich nie gerechnet. Das ist mega.“ In jeder einzelnen der Motto-Shows aus den Vorwochen hat er den zweiten Platz belegt. „Ich hab Alphonso aber von Anfang an gesagt: Du bist mein Favorit, du machst das Ding. Und ich hatte recht.“

Im Zug hatten die Konkurrenten sich kennengelernt. „Wir wollten zum Re-Call in Dubai“, erzählt Alexander, der zweiten Runde der besten 33 Bewerber, „ich hab damals noch in Delmenhorst gearbeitet, Alphonso kommt aus Wiefelstede bei Oldenburg, da haben wir von Bremen an zusammen im Zug gesessen auf dem Weg zum Abflug in Köln.“ Und sie haben sich prompt verstanden. Sogar so gut, dass sie sich zuletzt im Kandidaten-Hotel am Neumarkt in der Kölner Innenstadt ein Zimmer geteilt haben. „Das war gar nicht mehr nötig“, weiß Alex, „es waren schon so viele Kandidaten ausgeschieden, wir hätten alle Einzelzimmer haben können. Aber wir haben uns so gut verstanden.“

In einer der Vorrunden hatte sich noch Kandidat Armando Sarowny (26) ein Zimmer mit Alex geteilt. Das Finale schaut er sich selbst im Studio an. „Die legen wirklich tolle Auftritte hin, die vier, vor allem Alex“, findet der gebürtige Ukrainer. Und überhaupt sei Alex „ein toller Typ, der hat eine sehr gute Persönlichkeit“, sagt Armando. „Und er ist immer relaxt. Der einzige Kandidat, der so eine Gelassenheit ausstrahlt.“

Wo die herkommt? Alex grinst und nippt am Kölsch. „Die habe ich seit den Live-Shows“, erzählt er, „seit ich nicht mehr für die Jury singe, sondern fürs Publikum. Seit ich das tue, was ich schon immer tun will: die Menschen mit meiner Musik begeistern. Und besonders im Finale war’s toll, weil wir da unsere eigenen Songs singen durften.“ Seiner heißt: „Halt alle Uhren an“, geschrieben vom Komponisten-Trio Felix Mannherz, David Pfeffer und Simon Konrad. „Ein bisschen Revolverheld“, kommentiert Chef-Juror Dieter Bohlen (63) hinterher, „das war rund.“

Und was Alex an seinem Lied am besten gefällt: Es ist im Verkauf: „Davon habe ich immer geträumt. Und jetzt gibt es meinen Song zum Download.“ Gestern Mittag belegte Alex damit Platz vier der iTunes-Charts und Platz eins der Amazon-Download-Charts.

Genauso entspannt wie der Sohn wirkt auch Papa Burkhard Jahnke (62), als er mit Ehefrau Diana (58) und 43 weiteren Alexander-Fans aus Hannover im Kölner Coloneum in Block C sitzt. „Ich bin so stolz auf Alex“, schwärmt der Vater, „ich bin ergriffen von einem wahnsinnigen Zufriedenheitsgefühl, weil ich weiß, dass mein Sohn das gefunden hat, was ihn glücklich macht.“

Als Alex vier Jahre alt war, schickten die Eltern ihn zur musikalischen Früherziehung, in der Schulband der KGS Sehnde hat er Bass gespielt und gesungen, später seine erste eigene Band Call Me Names gegründet und Punk gespielt. („Ob­gleich ich ihm immer zu Schlager geraten habe“, so Papa Burkhard, „ich dachte, da hat er auf den Schützenfesten gute Chancen.“)

Dann ließ sich Alex ausbilden zum Groß- und Außenhandelskaufmann, nahm eine Stelle in Delmenhorst an, wurde aber nicht glücklich im Job. Er trennte sich auch noch von seiner Freundin. „Eine miese Zeit“, sagt er. Er war sich nicht sicher, wie es weitergehen würde für ihn – und bewarb sich bei „Deutschland sucht den Superstar“: „Meinen Eltern habe ich aber erst mal nichts erzählt.“ Vater Burkhard: „Kann ich aber verstehen, dass er das nicht gleich erzählt hat.“

Aber jetzt feiern sie erst mal miteinander. Am Sonntagmorgen auf der After-Show-Party im Coloneum: Da feiern sie den zweiten Platz, den Alex mit 30,91 Prozent der Zuschauerstimmen belegt hat; 40,54 Prozent entfielen auf Sieger Alphonso. Sie feiern aber auch, dass Alex seine Stimme mit den Gesangslehrern hinter den Kulissen der Show neu kennengelernt hat: „Vorher habe ich sehr hoch gesungen, im Finale konnte ich auf einmal mit Unheilig auftreten.“ Der Bass-Ballade „Geboren um zu leben“. Alex schüttelt den braunen Wuschelkopf: „Vor der Show hätte ich mich nie getraut, so tief zu singen. Ich habe mich hier neu kennengelernt.“

Von Verena koll