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19.7.2015 , Dr. Horke MHH Kinderarzt : FOTO : Florian Petrow :

Bei Konzerten wie in der MHH-Mensa steht Alexander Horke am Mikro. © Florian Petrow

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Porträt

Alexander Horke: Sein Chirurgenherz schlägt für Rock

Ob mit Skalpell oder am Mikro: Alexander Horke ist mit Leidenschaft dabei. Heute steht der Leiter der MHH-Kinderherzchirurgie auf dem Maschseefest auf der Bühne. Mit MHH-Kollegen tritt er in der Temple Bar auf. EMMA H’art rockt ab 16 Uhr.

Hannover. Auf dem Operationstisch liegt ein sechs Monate alter Junge, als Alexander Horke (51) an diesem Morgen um 9.53 Uhr den ersten Schnitt am Brustkorb des Babys setzt. „Zwei Löcher in der Herzscheidewand, das ist einer der häufigsten angeborenen Herzfehler“, erzählt er der NP später in seinem Büro. Jedes 100. Kind sei davon betroffen, operiert werden müsse spätestens ein halbes Jahr nach der Geburt, da sonst andere Organe geschädigt werden. Angeborene Herzfehler sind das Gebiet des Chirurgen, der auch Erwachsene zu seinen Patienten zählt: „Manchmal wird so ein Defekt eben erst spät entdeckt.“ Ex-96Fußball-Profi Gerald Asamoah (36) sei so ein Beispiel.

Meist operiert Horke aber Kinder. Erst neulich einen nur 2400 Gramm schweren Säugling, manchmal in 14-stündigen Marathonoperationen, manche Eingriffe haben eine 30-prozentige Sterbequote. Denn in der MHH landen die schwersten Fälle. „In kleinen Herzen muss man sich zurechtfinden, das ist eine Kunst“, sagt Horke, der schon mit 13 Jahren wusste, dass er Chirurg werden wollte, „man sieht sofort, was man macht. Man hat es in der Hand.“

Seit drei Jahren leitet er in der MHH die Kinderherzchirurgie, zuvor hatte er in Stuttgart die Sana-Herzchirurgie mit aufgebaut, studiert hat der gebürtige Erlangener in seiner Heimatstadt. Die NP begleitet den Chirurgen an diesem Tag zurück in den OP, mit einem Echo wird geprüft, ob die „Patches“ auf den Löchern in der Herzscheidewand des sechs Monate alten Jungen halten. Ein Routineeingriff, eigentlich. Zehn Leute in OP-Kitteln stehen um den Tisch und verfolgen die Anzeigen auf den Displays, eine Schwester reicht mit routinierten Griffen Instrumente, der Kardiotechniker beobachtet die Herz-Lungen-Maschine mit den vielen Schläuchen. „Are you happy?“, fragt Horke in die Runde, erst als Kardiologe und Anästhesist nicken, ist auch Horke zufrieden. „Sein Standardspruch“, erklärt OP-Schwester Birgit Homann (46) mit einem Schmunzeln. Kurz nach 15 Uhr ist Horkes Aufgabe beendet. „Eine der kürzeren OPs“, so der Mediziner, der abends noch Bandprobe hat.

EMMA H’art heißt die achtköpfige Kombo, die heute ab 16 Uhr die Bühne der Temple Bar am Südanleger rockt. Ist Horke der Chef der Band? „Nee!“, winkt er fast empört ab. „Höchstens der Manager“, gesteht er mit einem Grinsen. Er organisiert fünf bis zehn Gigs im Jahr, zuletzt wurden für Auftritte auf dem Lister-Meile-Fest und in der MHH-Mensa die Instrumente in den knallgelben Tour-Benz (Jahrgang 1986) geladen.

Geprobt wird einmal die Woche, „aber nie in voller Besetzung“. Wenn Anästhesist Kai Fiedler (46) Nachtdienst hat, dann fällt eine der Gitarren aus, wenn Kinderärztin Katharina Ehrenberg (36) nicht dabei sein kann, steht eine Sängerin weniger am Mikro. „Alex ist unsere Rampensau“, sagt sie über den Kinderherzchirurgen, der im Operationssaal aber keine Musik hören will. „Da sind Konzentration und Kommunikation wichtig“, betont der 51-Jährige.

Wichtig ist ihm auch die Band, in der er Billy Idol s (59) „Rebel Yell“ röhrt, oder „Are you Gonna Go my Way?“ von Lenny Kravitz (51). „Wer nur arbeitet, der verliert sich“, sinniert der Arzt. Es gehe darum, Verantwortung zu übernehmen, Engagement zu zeigen - aber auch Ruhepausen einzuhalten, „Mensch zu bleiben“.

Menschlich geht es auch in der Kinderklinik der MHH zu. Mit den Musikkollegen wird auf dem Flur gescherzt, Horke schaut kurz bei Bassist Christoph Happel im hochmodernen Herzkatheterlabor vorbei, bei EMMA H’art mischen aber auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Ärzte im praktischen Jahr mit. „Wir arbeiten alle eng zusammen, verstehen uns gut“, versichert Horke. Aber es gelte der Grundsatz „Bei Bandproben reden wir nicht über die Arbeit“.

Wie erklärt sich der seltsame Bandname? „Emma wird die MHH genannt, Herz, Kunst, harte Musik. Da steckt alles drin!“, zählt Horke auf. Stimmt!


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