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MIT BLICK AUF DIE LIMMERSTRASSE:Heidi Aguilar genießt die „Fahrt“ im Kulissen-Waggon.© Behrens

Menschen

Aguilars wilde Fahrt im GOP-Silberpfeil

Nächster Halt: Georgstraße: Heidi Aguilar (57) zündet immer Ende des Jahres das „Feuerwerk der Turnkunst“, nun hat sie auch das Ticket für die GOP-Show „Metropolitan“ gelöst – Donnerstag ist Premiere. Die NP sprach mit ihr über Nervenstärke auf dem Schwebebalken, Zirkusgefühle und die Regeln des Varietés.

Es wird eine bunte Mischung, die bei der Premiere am 31. August im GOP zur Stadtrundfahrt aufbricht: Sechs Varieté-Profis gehören zur Show „Metropolitan“ – und elf junge Leute aus der Riege von Heidi Aguilar (57), die seit 30 Jahren das bundesweit berühmte „Feuerwerk der Turnkunst“ inszeniert. Zwei Welten, die aufeinandertreffen. Und die dafür sorgen, das Aguilars Arbeitstag in der Probephase erst um 19 Uhr beginnt. „Meine Leute sind berufstätig, noch in der Schule oder in der Ausbildung“, erzählt sie. Einer sei 30 Jahre alt, die anderen zwischen 18 und 22. Da sei sie nicht nur als Choreografie-Expertin gefragt, da würden auch Mutterinstinkte gefordert. „Manche kommen direkt vom Job und haben noch eine Stulle in der Hand...“

Nach „2Gether“ ist vor „Aura“: Das „Feuerwerk der Turnkunst“ ist ein ewiger Zyklus – „wenn ich mit der einen Show fertig bin, fange ich schon mit der nächsten an“, erzählt Aguilar. Dazwischen quetscht sie jetzt „Metropolitan“ – und tritt in der Show einen Schritt zurück. Die 57-Jährige, die beim „Feuerwerk“ für die gesamte Inszenierung zuständig ist, konzentriert sich bei der Show im GOP auf die Choreografie, arbeitet eng mit Regisseur Knut Gminder (51) zusammen. „Wir verstehen uns künstlerisch super“, sagt sie. Sieht aber auch ein: „Varieté hat andere Regeln.“

Die Dimensionen auf der Bühne mit dem längs aufgeschnittenen Silberpfeil-Waggon seien neu, statt vor 10 000 Leuten in der Tui-Arena, werde vor 300 Zuschauern gespielt. „Das ist alles sehr dicht.“ Aber spannend, reizvoll, verführerisch. Und zwar nicht nur für sie. „Metropolitan“ sei eine Herausforderung, von der sie jetzt schon die Konsequenzen ahne: „Mir werden wohl einige der Talente Richtung Varieté abspringen“, glaubt Aguilar, die mit ihrem Show-Team in einer eigenen Halle für das „Feuerwerk“ trainiert. Mit Tochter Felice (26) lief es ähnlich. Sie war einst das „Feuerwerk“-Küken, ist inzwischen eine feste GOP-Größe, tourt mit „Breakin Mozart“ durchs Land, hat immer wieder TV-Auftritte.

1987 stellte Aguilar die erste Show auf die Beine. „Eine Turnveranstaltung“, korrigiert sie und schmunzelt. Aber eine Turnveranstaltung in der Stadionsporthalle vor 4000 Zuschauern! „Ich wollte es kurzweilig machen“, sagt sie über die Reihe, die 30. Geburtstag feiert. „Es sollte eine Inspiration für Trainer und Übungsleiter sein. Ich habe Tanzen und Turnen vernetzt, neue Geräte, neue Kombinationen eingeführt. Artistik ist ja nichts anderes als Turnen ...“

Und das hat Aguilar von der Pike auf gelernt. Aufgewachsen in einer Sportlerfamilie, ein Talent am Schwebebalken. „Ich war immer nervenstark“, sagt sie über den Balanceakt auf dem anspruchsvollen Sportgerät. Beim TKH in Hannover trainiert sie mit Gruppen Rhythmische Sportgymnastik. „Aber ich hatte immer künstlerische Ambitionen“, merkt sie schon in jungen Jahren. 1979 landet sie bei Circus Roncalli, weil sie einen Artisten bei einer Choreografie unterstützte. Direktor Bernhard Paul (70) schickte die Turnerin selber in die Manege: „Du kannst das auch“, habe er gesagt. Das Resultat war eine Nummer am Reck. Bei der Erinnerung an die Zirkuszeit bekommen Heidi Aguilars Augen einen weichen Glanz. „Ich habe das geliebt. Das Leben im Zirkus fühlt sich ja nicht wie Arbeit an.“

Bis zur Premiere steckt noch viel Arbeit in „Metropolitan“. Am Wochenende gab es zwei Testdurchläufe auf der GOP-Probebühne in Brink-Hafen, jetzt wird die Bühne in 800 Einzelteilen im Varieté in der Georgstraße aufgebaut. „Die Leute fahren danach mit einem anderen Gefühl Bahn“, glaubt Aguilar. Regisseur Knut Gminder (lebt in der Nordstadt, „meine Stammlinie ist die 11“) hat  Artistik, Jonglage und Comedy in eine zauberhafte Geschichte gepackt, in der sich jeder Üstra-Nutzer erkennt. „Man denkt ja, in der Bahn ist es jeden Tag dasselbe. Und dann ist es doch jeden Tag anders“, weiß er über das Pendlerleben.

Das Ergebnis von Gminders Beobachtungen: Miniaturen mit einem Kontrolleur, einen Liebespaar, einem Taschendieb, einem Proll, der sich schlecht benimmt. „Ich gucke ja immer, was um mich herum so passiert“, sagt Gminder leichthin. Geschichten, die auf den Schienen liegen eben.

Die dreifache Jubiläumsshow

25 Jahre neues GOP, 125 Jahre Üstra, 30 Jahre Feuerwerk der Turnkunst: Die Show „Metropolitan“ verbindet drei runde Geburtstage. Das Ergebnis ist eine Show mit Dynamik und Tempo, die Kulisse bildet ein längs aufgeschnittener Silberpfeil-Waggon – inklusive Kartenstempler, Haltestangen, baumelnden Griffen. Auf einer gigantischen LED-Wand im Hintergrund rauscht Hannover vorbei, ein Kamerateam hat Szenen von Linden bis Herrenhausen eingefangen. Unter den Show-Profis sind neben Comedian Klaus Loch, Jongleurin Francesca Mari und den Togni Brothers auch   Felice Aguilar und das Duo Piti (Pierre Büchner und Timo Gödecke), die die Pro-7-Show „Got to Dance“ gewonnen haben – alle stammen aus der „Feuerwerk der Turnkunst“-Schmiede. Dazu kommen elf Hannover-Talente. Die Show läuft bis zum 29. Oktober im GOP (Georgstraße 36, Telefon 0511/30 18 67 10), NP-Leser bekommen mit Abo-Plus-Pass auf zwei Karten zehn Prozent Rabatt gutgeschrieben. Karten kosten 15 bis 44 Euro unter tickets.neuepresse.de

Von Andrea Tratner