Navigation:
NEUE TECHNIK, NEUE MÖGLICHKEITEN: Mit dem Digicopter sindMartin Rinderknecht (links) und Nikolaj Georgiew viel für Film und Fernsehenunterwegs.

NEUE TECHNIK, NEUE MÖGLICHKEITEN: Mit dem Digicopter sind Martin Rinderknecht (links) und Nikolaj Georgiew viel für Film und Fernsehen unterwegs.© Frank Wilde

|
Film

Abgehoben: Georgiew will nach Hollywood

Die Erde ist nicht genug: Regisseur Nikolaj Georgiew, der vor allem als Musikclip-Produzent bekannt ist, erobert mit seiner fliegenden Kamera den Himmel. Mit seiner Spezialanfertigung nimmt er Kurs auf Film- und Fernsehproduktionen. Einen Jahresvertrag mit der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ hat er bereits sicher, nun will er nach Amerika.

Hannover. VON MAREN WEITZ

Martin Rinderknecht wird nervös. Hektisch suchen seine Augen den Himmel ab. Nichts zu sehen. Dann plötzlich fliegt er heran, kommt zwischen den Baumwipfeln hoch: der Digicopter. Eine fliegende Kamera mit acht Armen, elf Kilo schwer. „Das war gerade echt kritisch. Nur weil Nikolaj wollte, dass ich hinter den Bäumen langfliege“, sagt Rinderknecht, glücklich, den Digicopter wieder im Blickfeld zu haben.

Fotograf und Regisseur Nikolaj Georgiew, der unter anderem Musikvideos mit Peter Maffay, Melanie C. und Paul Young gedreht hat, macht gemeinsam mit Rinderknecht Luftaufnahmen von Schloss Marienburg. Die sollen später in der deutsch-australischen Jugendserie „In Your Dreams“ zu sehen sein. Ein ruhiger Job, verglichen mit den beiden Drehtagen zuvor. „Wir kommen gerade vom Set von Alarm für ,Cobra 11’. Wir haben da eine Verfolgungsjagd auf der Autobahn samt Crash und Explosion aufgenommen“, erzählt Georgiew. Natürlich alles aus der Luft. Während Rinderknecht das Flugobjekt lenkt, steuert Georgiew die integrierte Kamera. „Ohne sein Auge läuft nichts“, sagt Rinderknecht anerkennend.

Angefangen hat das Duo mit seinen Luftaufnahmen vor drei Jahren. Für den Regionsfilm haben sie Bilder aus der Vogelperspektive geliefert. „Der Digicopter war damals noch ein Mordsgerät. Der hätte jemanden töten können“, sagt Rinderknecht. Der gelernte Feinmechaniker hat den Flieger selber entwickelt. „Nikolaj sagt was er braucht und ich versuche es umzusetzen.“ Das Besondere: Durch die acht Arme bleiben die bewegten Bilder ruhig, auch bei Wind verwackelt nichts. „Außerdem ist die Kamera immer in Richtung Norden ausgerichtet. Ich kann sie steuern wie bei einem Kran“, sagt Georgiew. Nur dass dessen Aufbau wesentlich komplizierter wäre. Es folgte eine Kleinproduktion in Berlin und plötzlich war das Duo mit der fliegenden Kamera überall gefragt. „So eine Kettenreaktion habe ich selten erlebt“, sagt Georgiew - immer noch beeindruckt von dem Erfolg.

Neben Nationalspieler Ilkay Gündogan hatten die beiden Hannoveraner auch schon Simone Thomalla, Ben Becker, Axel Stein, Armin Rohde und Ingo Naujoks vor ihrer Spezialanfertigung. Mit „Alarm für Cobra 11“ haben sie einen Jahresvertrag, als nächstes steht eine Produktion in Indien an. „Mit dem Digicopter habe ich auf einmal ganz andere Kunden. Spielfilme wollte ich als Kameramann schon immer machen - und vielleicht klopft ja bald auch Hollywood mal an“, hofft Georgiew.

Also kehrt einer der erfolgreichsten Musikclip-Produzenten Deutschlands seinem Fach den Rücken? „Allem und jedem wird ein Stempel aufgedrückt. Ich bin nicht Spezialist für Musikvideos, sondern für schöne Bilder“, sagt Georgiew. Immer mehr Geld sei bei der Produktion von Videoclips eingespart, alles nur noch billig produziert worden. „Das hat mich gestört. Mit dem Flieger habe ich ein Tool gefunden, um Qualität wieder herzustellen.“ Und die wird gerne in Anspruch genommen: Pro Drehtag bekommt das Team zwei neue Anfragen für Aufträge. „Sicher, es gibt viele auf dem Markt. Aber wir sind die Besten“, sagt Georgiew mit einem Lachen. Die zwei haben Humor. Aber auch bei ihnen läuft es nicht immer perfekt, wie sie offen zugeben. „Einmal ist ein Digicopter im Pool gelandet, weil der Akku nicht gereicht hat“, sagt Rinderknecht. Vielleicht die Anregung für eine schwimmende Unterwasserkamera? „Jetzt erobern wir erst mal den Himmel“, sagt Georgiew und macht die fliegende Kamera für den nächsten Einsatz bereit.