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NP-Interview

Westernhagen über die Faszination Lena

Er hat als Castingshow-Juror den Wirbel um Lena Meyer-Landrut (18) vorausgesehen: Marius Müller Westernhagen (61). Die NP befragte ihn dazu.

Von Verena Koll

Sie hatten Lena Meyer-Landrut am 2. Februar in der ersten Folge von ‚Unser Star für Oslo‘ gesagt: ‚Du hast Star-Appeal, Menschen werden dich lieben.‘ Sie hatten Recht. Woran liegt Lenas Reiz?

Sie vergessen einen Zusatz, den ich auch gesagt habe: Sie sollte gleich wieder vergessen, was ich ihr sage. Denn die Naivität, die Lena ausstrahlt, ist ein Teil ihrer Faszination. Die Naivität darf sie in dem Rummel um ihre Person nicht verlieren, das wäre sehr schade.

Aber das ist nicht alles, was Lena besonders macht, oder?

Nein. Manchmal erlebt man Menschen, die anders sind. Die betreten eine Bühne, und die Energie verändert sich im Saal total. Das war bei Lena so. Da waren vielleicht Kandidaten mit größerem Stimmpotenzial im Feld. Aber Lena hat eine Signature-Voice, wie es die Amerikaner nennen, sie hat einen hohen Wiedererkennungswert. Das kann man nicht lernen, das hat man oder man hat es nicht. Und sie strahlt eine ungeheure Authentizität aus.

Warum ist die wichtig?

Wenn man als Künstler bereit ist, seine Seele zu zeigen, die Menschen dadurch sehr nah an sich heranzulassen, macht dich das selbst verletzbar; und das ist, was fürchterlich anstrengend ist an diesem Job. Aber es lässt die Menschen dich lieben. Du kannst entweder Las Vegas machen: Die Leute zwei Stunden lang gut unterhalten, sie gehen wieder raus aus der Show und haben dich nach fünf Minuten wieder vergessen. Du kannst ihnen aber auch etwas Besonderes bieten, Lena macht das bisher. Und ich hoffe, sie bleibt auf diesem Weg.

Sie sollen Lena, als die Shows noch liefen, zwischendurch mal angerufen und gratuliert haben.

Das stimmt. Wenn ich ein großes Talent sehe, und Lena halte ich für ein sehr großes Talent, dann berührt mich das. Es freut mich wahnsinnig, wenn ich Menschen erlebe, die das Bedürfnis haben, nicht sich selbst darzustellen, sondern einfach ihre Leidenschaft für die Musik auszuleben. Popmusik hat einen Kulturauftrag, der hat nichts mit Darstellen zu tun, sondern mit der Liebe zur Musik, und die vermittelt Lena.

Wird das in Oslo ankommen?

Oh, das kann ich nicht einschätzen. Ich habe nie gelernt, was kommerziell ankommt und was nicht. Danach habe ich mich nie gerichtet, ich habe immer nur gemacht, was mir gefällt. Aber Lenas Song ‚Satellite‘ hat einen ganz guten Ruck im Sound, das ist ihr Ding. Und im Vergleich zu dem, was andere Länder ins Rennen schicken, könnte das gut ankommen, denke ich.