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Musik-Hauptstadt

So viel cooler Beat steckt in Hannover

Lena ist der jüngste Spross der Pop-Stadt Hannover. Die erstaunlich viele große Namen aufzuweisen hat.

Von Matthias Halbig

Fehlt eigentlich nur noch, dass sie gute Songs schreiben kann. Lena, Hannovers Star für Oslo, hat viel mehr zu bieten als nur das Castingshow-übliche hübsche Gesicht zur hübschen Stimme. Eine Entertainerin. Wie die singt! Wie die sich bewegt! Originell, natürlich, kein Getue. Da ist die Haltbarkeit mal nicht programmiert, da könnte die abgedroschene Vokabel vom Superstar tatsächlich zu ihrer alten, strahlenden Bedeutung zurückfinden. Hier klopft jemand an die Big-Biz-Pforten, der das Zeug zu einer dauerhaften Karriere hat.

Und sie ist eine von uns, eine aus Hannover – Music-City. Stadt der Scorpions, der erfolgreichsten deutschen Rockband aller Zeiten. Die in den Beatles-Tagen starteten, von Anfang an die Welt erobern wollten und das auch schafften. Von L.A. bis Wladiwostok, von Lissabon bis Tokio wird derzeit auf Abschiedstour gerockt „like a Hurricane“. Immerhin bis Amerika drangen mit dem Album „Radio Orchid“ in den 1990ern auch Fury in the Slaughterhouse vor, inzwischen zu Soloprojekten zersplitterte, erfolgreichste deutsche Gitarrenrockband in den Schuhen von U2 und Simple Minds.

In ähnlichen Soundkategorien sind auch die wieder vereinten Jinxs und vor allem Terry Hoax erfolgreich, deren Sänger Oliver Perau auch noch unterm Pseudonym Juliano Rossi für das legendäre, extrem wählerische Blue-Note-Label swingt. Hannover jazzt auch in den Popcharts ganz oben. Unser Lutz Krajenski ist der Big-Band-Chef, Pianist und Arrangeur von Roger „Frau‘n regier‘n die Welt“ Cicero, des Eurovision-Song-Contest-Vertreters von 2007 (Platz 19, tja, leider!).

Die Pop-Welt ist vertreten durch die Sommerhit-Meister Marquess. Weitere Stars kommen zu Mousse T. In dessen Peppermint Park nehmen sie ihre Alben auf, der Großmeister des Remixens (für Jacko, Simply Red, Timbaland) schreibt auch tanzbare Hitnummern – für Tom Jones („Sex Bomb“) und Emma Lanford („Horny“, „Is it cos I‘m cool“). In die Disco bitten seit der Techno-Ära Scooter, deren Mitglieder ihre Hannover-Wurzeln indes nicht allzu sehr in den Vordergrund spielen.

Von der 1970er-Jahre-Krautrock-Gruppe Jane (erste hannoversche Band mit Plattenvertrag bei einem Majorlabel) agieren gegenwärtig drei Splitterformationen, einmalig sind dagegen Frank Bornemanns Eloy geblieben. Der Chef der Horus-Studios hat seine pinkfloydeske Band 2009 vom „ewigen Eis“ genommen, auf das er sie Ende der 1990er legte. Olle Kamellen? Nix da, die Kraut-Combos sind gefragt.

Und dann natürlich noch: Deutschrock deutscher Zunge. Der ist kaum ausgefeilter zu haben als von Hannovers Gespann Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig, die seit 2006 allerdings nur noch im Musical-Fach (Herrenhäuser „Sommernachtstraum“) zusammenarbeiten.

Und auch unsere eigene echte Ur-Punk-Legende haben wir mit den 1979 gegründeten Hans-A-Plast, Mitte der 1980er wurden die Spaßpunker Abstürzende Brieftauben zu „Bravo“-Helden. Die Neueste Deutsche Welle geht mit ihrer substantiellsten Band zumindest zu einem Viertel auf Hannovers Konto. Jens Eckhoff alias Jean Michel Tourette ist der Hauptsongwriter von Wir sind Helden. Deren viertes Album ist in Vorbereitung.