Navigation:

Ranga Yogeshwar© spot-on

Interview

Yogeshwar setzt sich für Kinder ein

TV-Moderator Ranga Yogeshwar (53) hat mit "Die fabelhafte Entdeckung einer kleinen Weisheit von großer Bedeutung: Ein indisches Märchen" sein erstes Bilderbuch herausgebracht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät der vierfache Vater und studierte Physiker, was am Vorlesen so wichtig ist, was dem deutschen Bildungssystem fehlt und wie seine Zusammenarbeit mit Barbara Schöneberger lief.

Hamburg. Sie haben mit "Die fabelhafte Entdeckung einer kleinen Weisheit von großer Bedeutung" ein Kinderbuch geschrieben. Was hat Sie dazu bewogen?
Ich finde es sehr wichtig, Kinder an Bücher heranzuführen. In diesem Zusammenhang sind gemischte Bilder- und Textbücher ein wunderbarer Einstieg, das habe ich an meinen eigenen Kindern erfahren. Bei diesem Buch geht es mir aber auch darum, dass ich den Kindern eine Botschaft mit auf den Weg gebe und die lautet: Trau dich!

Viele Kinder verbringen ihre Zeit vor dem Computer oder dem Fernseher. Wie können Eltern ihre Kinder zum Lesen motivieren?
Wichtig ist, dass man diese Erfahrung mit den Kindern sehr früh übt. Das Vorlesen ist weit mehr als nur ein Informationstransfer. Das ist kuscheln, das ist Wärme, das ist gerade abends auch ein Entspannen. Das funktioniert aber nur dadurch, dass es Eltern auch machen.

Glaubt man der Hirnforschung sind die Kleinen im Kindergartenalter am aufnahmefähigsten. Lernen deutsche Kinder in diesem Alter zu wenig?
Es gibt heute eine Tendenz, Kinder sehr früh intellektuell zwangszuernähren. Das finde ich bedenklich. Kinder brauchen auch Freiräume, die müssen selber entdecken können. Dieser Prozess, dass Kinder bewusst aus einer Langeweile heraus aktiv etwas machen, ist sehr wichtig. Eltern stehen heute unter einem unglaublichen Druck: Im Kindergarten sollen schon mindestens Fremdsprachen geübt werden... Das ist für mich nicht der wünschenswerte Weg. Der beste Weg ist einer, bei dem es ein echtes Engagement gibt, aber nicht ein zwanghaftes.

Versagt dabei auch unser Bildungssystem?
Wir haben ein Problem mit unserem Bildungssystem, das darin besteht, dass wir viel über Bildung reden und wenig Bildung leben. Kultur ist so eine Art Luxus-Addon geworden, und daneben gibt es dann die wichtigen Themen. Das ist für mich die falsche Prioritätensetzung, auch sogar mit einer Konsequenz in wirtschaftlichen Dingen. Bildung ist der Schlüssel. Kulturen, in denen Bildung wichtig ist, sind auch Kulturen, in denen die Wirtschaft brummt. Kulturen, in denen wenig gelesen wird, sind Kulturen, die in anderen Bereichen Probleme haben.

Was muss sich in unseren Schulen ändern?
Wir haben uns eingeschossen auf zweckgebundenes Lernen: Ich lerne das, was ich später im Beruf brauche. Ein Goethe-Gedicht und Geschichte werden in der Prioritäten-Skala nach unten gesetzt mit dem Argument: Das braucht man ja nicht, wenn man später Produktionstechniker wird. Und das ist falsch. Aus meiner Sicht geht es darum, dass das die Persönlichkeitsentwicklung prägt. Kultur ist etwas, was ich später in ganz vielen Dingen des Lebens anwenden kann. Ohne dass ich diese Gruppe abstempeln will: Aber es gibt zum Beispiel eine deutliche Korrelation zwischen Bildungsstand und Adipositas (Fettleibigkeit - die Red.). Man könnte auch sagen: Bildung verlängert durchaus das Leben. In unserem gesamten Wertesystem in den letzten drei, vier Jahrzehnten haben wir uns auf die ökonomischen Aspekte fokussiert. Die Qualität des Lebens  orientiert sich aber in einem enormen Maße an nicht ökonomischen Werten. Wenn wir nur noch auf ökonomische Werte ausgerichtet sind, verliert unsere Gesellschaft einen ganz wichtigen Lebens-Aspekt.

Was halten Sie vom Betreuungsgeld?
Ich finde die Diskussion absurd, weil sie sehr dogmatisch geführt wird. Wir haben auf der einen Seite seltsam anachronistische Bilder vom Heimchen am Herd, also von einer klassischen Arbeitsteilung, die aber mit der Realität, in der wir leben, nichts zu tun hat. Diese Diskussion führt zu einem immensen Druck bei Familien, bei Frauen, bei Kindern, weil sie sich im Grunde genommen an etwas vorbeimogelt, das viel entscheidender ist: Wir brauchen einfach eine familienfreundliche Gesellschaft. Angefangen von einem Konsens, dass wir als Gesellschaft Kinder schützen müssen. Und die Integration von Kindern in den Arbeitsalltag. Wenn ein Familienvater heute um vier Uhr nachmittags zu seinem Arbeitgeber sagt: Ich muss mit meiner Tochter zum Zahnarzt, dann gibt es immer noch Betriebe, die dafür kein Verständnis haben. Das hat damit zu tun, dass wir eine Haltung haben, die viel zu stark die ökonomischen Aspekte betrachtet und viel zu wenig die, die wirklich das Leben prägen.

Sie haben eine Wissensshow mit Barbara Schöneberger gemacht. Wie ist Ihr Fazit?
Das Fazit ist, dass wir in einer doch sehr ungewöhnlichen Kombination eine gute Sendung gemacht haben. Das Feedback der Zuschauer war sehr positiv und was mir wichtig ist: dass auch durchaus viel Inhalt vermittelt wurde. Wenn alles gut geht, werden wir nächstes Jahr im Herbst  weitere Folgen drehen.

Was macht für Sie eine richtig gute TV-Sendung aus?
Ich bin ein Freund von guten Dokumentationen, und ich habe einen großen Spaß an bestimmten guten Kabarett-Sendungen. Ich schaue aber insgesamt gar nicht so viel fern.

spot-on