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© NFP Georges Pauly

Kino

Wotan Wilke Möhring: "Der Blick in den Spiegel ist wichtiger als die Reflektion anderer"

Seit seinem Filmdebüt 1997 in der "Bubi-Scholz-Story" an der Seite von Benno Fürmann und Götz George ist Wotan Wilke Möhring aus der deutschen TV- und Kino-Landschaft nicht mehr wegzudenken.

Gerade wurde er als bester Schauspieler für seine Rolle in dem TV-Film "Der letzte schöne Tag" ausgezeichnet. Am 28. April ist er als neuer Tatort-Ermittler in Norddeutschland im Einsatz. Auch auf der Leinwand ist der 45-Jährige ab heute wieder zu sehen.

In der Romanverfilmung "Das Leben ist nichts für Feiglinge" spielt Möhring den Witwer Markus, der nach dem Tod seiner Frau wie paralysiert ist. Tochter Kim (Helen Woigk) fühlt sich in ihrer Trauer allein gelassen und brennt mit ihrem Schwarm durch. Gemeinsam mit seiner Mutter Gerlinde (Christine Schorn) macht er sich auf die Suche nach ihr. Über seinen neuen Film, das Thema Trauer und seine Qualitäten als Vater sprach Möhring im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Herr Möhring, warum liegt Ihnen der Film "Das Leben ist nichts für Feiglinge" so sehr am Herzen?

Wotan Wilke Möhring: Der Film erzählt vom Leben. Der Tod gehört dazu. Ich habe selten einen lebensbejahenderen Film gemacht. Der Titel ist Programm: Das Leben ist nichts für Feiglinge und das erfahren alle in diesem Film. Genau deshalb ist er mir so wichtig.

Im Film müssen Sie gemeinsam mit Ihrer Tochter Kim, den Tod Ihrer Frau verarbeiten. Doch Sie finden keinen Zugang zu ihr. Inwieweit hat Sie der Film als Vater angesprochen?

Möhring: Es ist einer der ersten Filme, die ich als Vater gemacht habe. Man denkt natürlich darüber nach, wie dieses Band zwischen Vater und Tochter einfach zerreißen konnte. Meine Kinder sind zwar zu klein, um Parallelen zu ziehen, aber bevor ich Vater war, habe ich mehr abstrahiert.

Haben Sie aus dem Film etwas für den Umgang mit Ihren Kindern gelernt?

Möhring: Man muss aufpassen, dass diese Grundsituation des Entfremdens gar nicht erst entstehen kann.

Was ist das Wichtigste, was Sie Ihren Kindern mitgeben wollen?

Möhring: Die freie Entscheidung zur Verantwortung. Freiheit ist wichtig, aber auch die damit verbundene Verantwortung. Und, dass man trotz Trauer weiß, was man am Leben und an den Menschen um sich herum hat. Die Botschaft des Films ist: Es lohnt sich, jeden Tag aufzustehen.

Wie war es, mit der noch unerfahrenen Helen Woigk zu drehen?

Möhring: Das war schön. Wir haben viel gelacht, unser Humor ist ähnlich. Es ist toll zu sehen, wie Menschen, die zum ersten Mal dabei sind, voller Spannung damit umgehen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen sich und Markus?

Möhring: Oh ja. Die zurückgezogene Trauerverarbeitung und dieses Stoische ist nicht mein Element.

Was ist ähnlich?

Möhring: Die schwierige Situation, plötzlich Vater und Mutter gleichzeitig sein zu müssen, finde ich nachvollziehbar. Wie soll man trauern und gleichzeitig ein vorbildhafter Vater sein? Diese Doppelrolle auszufüllen, ist wichtig: Man will als Mensch nicht auf der Strecke bleiben, aber auch seine Vaterrolle nicht vermurksen.

Sie haben in der Vergangenheit schon oft Figuren gespielt, die mit dem Thema Tod konfrontiert werden. Warum?

Möhring: Der Tod ist ein Teil des Lebens, genauso wie die Geburt. Ihn zu akzeptieren, ihn zu integrieren und positiv damit umzugehen, ist die Herausforderung für uns alle.

Fällt es bei solchen Filmen nicht schwer, nach Feierabend abzuschalten?

Möhring: Natürlich macht das was mit einem. Genau deshalb sagt mir ein solches Projekt auch zu: Weil es etwas in einem anstimmt.

Wie lenken Sie sich ab, wenn Sie nach Hause kommen?

Möhring: Wenn ich zu Hause ankomme und es schreien drei Kinder um die Wette, kann ich nicht groß überlegen, was ich jetzt mache. Da handelt man einfach. Weg von meinen Filmen bin ich jedes Mal, wenn ich zu Hause bin. Da interessiert es keinen, was ich gerade gemacht habe.

Im Film sind Konventionen sehr wichtig. Machen wir uns zu viele Gedanken über die Meinung anderer Leute?

Möhring: Ich habe mir das nie gemacht. Ich kenne mich als jugendlicher Punker und Rebellierender gut aus, und was andere von einem halten, darf nicht die erste Messlatte sein. Es macht uns nicht glücklich. Der Blick in den Spiegel ist wichtiger als die Reflektion von anderen.

(nat/spot)