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Willem von Holland - der Kumpelkönig

Am 30. April ist es soweit: Königin Beatrix der Niederlande (75) verzichtet auf den Thron, unterschreibt ihre Abdankung - und ihr ältester Sohn Willem-Alexander (45) wird der neue König.

Der Thronwechsel wird von den Holländern mit einem gigantischen, landesweiten Fest in "Oranje", der Nationalfarbe, gefeiert werden. Millionen von Untertanen werden für ihren neuen Monarchen orangefarbene Fahnen schwenken und dabei orange T-Shirts tragen. Sie stoßen auf Willem mit orange eingefärbtem Bier an und genießen dazu orange Törtchen. Und aus Millionen Kehlen klingt das Volkslied "Oranje boven" - Orange ist top. Die folgende Zeile "Lang lebe die Königin" wird vermutlich umgeändert in "Lang lebe der König - und Máxima."

Was hat das Volk der Niederlande vom neuen König zu erwarten? Wie wird sich der neue König geben?

In einem Doppelinterview mit Willem-Alexander und seiner Frau Máxima (41) mit den holländischen TV-Sendern NOS und RTL verriet der Thronfolger, dass der Plan des Thronwechsels schon vor über einem Jahr beschlossen wurde. Seine Mutter habe mit ihm und Máxima gesprochen und beide zu eisernem Schweigen verdonnert. "Es war nicht leicht, das Wissen für sich zu behalten. Wir haben uns alle drei manchmal versprochen, aber gemerkt habe keiner was", sagt Prinz Willem.

Er wird als König ein Mann des Volkes sein, ein richtiger Kumpelkönig. Schon als junger lebensfroher Kronprinz zeigte er unverblümt seine Volksnähe, wenn er mit seinen Freunden auf Kneipentour war. Damals bezeichneten ihn die Holländer wenig respektvoll als "Prins Pilsje" - Prinz Pils. Das hat sich geändert. Mittlerweile genießt der Nachfolger von Beatrix großes Ansehen. Das hat er auch seiner Frau Máxima zu verdanken. Die Niederländer lieben die gebürtige Argentinierin und künftige Königin, die der Monarchie die drei bezaubernden Prinzessinnen Amalia (9), Alexia (7) und Ariane (5) geschenkt hat. Damit steht, dass dereinst wieder eine Königin auf dem Thron sitzen wird, wie es in den Niederlanden von Königin Juliane und Beatrix schon Tradition ist.

Kronprinzessin Amalia verstehe schon sehr gut, "dass sie als nächste an der Reihe ist", sagte der Vater der Neunjährigen. Sie habe ihn gefragt, wie lange er König bleiben wolle. "Dann kann sie das schon in ihrem Kalender ankreuzen, wenn es soweit ist", witzelte Willem-Alexander im TV-Interview. Ihr Familienleben mit den drei Mädchen solle so normal wie möglich weitergehen, sagte das künftige Königspaar. Auch Amalia solle ohne Trubel und so abgeschirmt wie möglich aufwachsen, damit sie mit ihren Schwestern und Freundinnen spielen könne.

Im Gegensatz zur britischen Monarchie, die mit aristokratischer Distanz zum Volk ihre Aufgaben wahrnimmt, gilt das holländische Königshaus traditionell als bürgernah. Das will auch Willem-Alexander so beibehalten und wenn möglich noch verstärken. Mit einer Krone wird man ihn nur bei sehr seltenen Anlässen sehen. Und auf die Anrede "Majestät" möchte er auch verzichten.

"Ich bin kein Protokollfetischist", sagte Willem-Alexander. Und seine Frau ergänzte, dass sie auf den Titel Königin keinen großen Wert lege: "Jeder nennt mich Máxima." Dazu wolle sie ihre internationalen Aufgaben als Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Mikrokredite in armen Ländern weiterführen.

Willem-Alexander kündigte an, die Monarchie modernisieren und das Königshaus dem 21. Jahrhundert anpassen zu wollen: "Die Monarchie wird sich mit der Gesellschaft verändern... Ich möchte die Menschen ermutigen und miteinander verbinden."

(ln/spot)