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Wie gewonnen, so zerronnen

Nun ist es also eingetreten, worüber sie in den politischen und gesellschaftlichen Zirkel der Bundeshauptstadt seit dem vergangenen Herbst diskutiert und gelästert haben.

Das junge Altbundespräsidentenpaar hat sich getrennt, Bettina und Christian Wulff gehen fortan jeder für sich eigene Wege. Er sei bereits aus dem gemeinsamen Haus in Großburgwedel ausgezogen und lebe nun in einer Mietwohnung in Hannover, berichtet "bild.de".

Ein lapidares, ja schnödes Ende einer Ehe, die viele als glamourös, einige jedoch als gekünstelt gesehen haben. Immerhin hatte sie nach dem klassischen Vorbild "Prinz heiratet Mädchen aus dem Volk" einen gewissen märchenhaft-romantischen Anfang genommen. So haben es zumindest die meisten Blätter beschrieben. Das war im März 2008, als der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff einen Monat nach der Scheidung von seiner Frau Christiane einen Schlussstrich unter seine erste Ehe gezogen hatte und mit seiner Freundin Bettina Körner die Ringe tauschte. Da wurde die Pressereferentin des Automobilzulieferers Continental über Nacht zur Landesmutter.

Zwei Jahre später stieg sie gar zur deutschen First Lady auf, zur ersten Dame im Staat. Man lebte und residierte im Berliner Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Höher hinauf geht's nimmer, und umso tragischer war der bodenlose Fall des Paares nach den Enthüllungen, die um die Finanzierung eines eher durchschnittlichen Eigenheims in Großburgwedel begonnen hatte.

Man hat Bettina Wulff häufig als zielorientiert beschrieben, bisweilen klang da auch unterschwellig die Diffamierung mit, bei ihr könne es sich um einen weiblichen "Golddigger" handeln, um jemanden, der zielgerichtet seine Zukunft mit den entsprechenden Lebenspartnern plant. Doch da tut man ihr sicher Unrecht. Bettina Wulff hat versucht, den eigenen Weg zu gehen: Hier der Anspruch, eine eigenständige, gegenüber sich selbst verantwortliche Frau zu sein, da die Gattin an der Seite eines hochrangigen Politikers, die stets in die Kameras zu lächeln hatte, egal wie die eigene Befindlichkeit gerade sein mag. Dieser Spagat ist gründlich misslungen.

Wenn man so will, hat Bettina Wulff das Ende ihrer Ehe mit der Veröffentlichung ihres Buches "Jenseits des Protokolls" im vergangenen Herbst vorweg genommen. Befremdet lasen Parteifreunde ihres Mannes, der nach seinem Rücktritt als Bundespräsident im Februar 2012 die schlimmste Krise seines Lebens zu durchstehen hatte, wie sich Bettina Wulff darüber beklagt, sie habe an seiner Seite seit Jahren die eigenen Bedürfnisse unterdrücken müssen, als gäbe es ein Grundrecht für First Ladys - ob nun in Hannover oder Berlin - die eigenen Bedürfnisse auszuleben. In einem Interview mit dem Frauenmagazin "Brigitte" legte sie nach: "Ich werfe ihm manchmal vor, dass er mich ein großes Stück weit auch in die Rolle gedrängt hat. Und wenn ich es im Nachhinein betrachte, rächt sich dies auch in der Beziehung."

Die Wochen und Monate vor dem Rücktritt und Auszug aus Schloss Bellevue seien für die Ehe ein Ausnahmezustand gewesen. "So etwas kann eine Beziehung nur eine bestimmte Zeit lang durchleben und ertragen, sonst wird zu viel in Mitleidenschaft gezogen", sagte sie im "Brigitte"-Gespräch. Und: Ihr Mann habe es nicht geschafft, sich auch noch um ihre Gefühle zu kümmern. "Wir haben professionelle therapeutische Hilfe geholt, weil man das allein gar nicht verarbeiten kann." Zudem kamen anonyme Unterstellungen im Internet, Bettina Wulff habe früher im Rotlichtmilieu gearbeitet, eine schmutzige Kampagne, die eindeutig die Schwelle zum Rufmord überschritten hatte.

Die freimütigen Lebensschilderungen der Bettina Wulff stehen so ganz im Gegensatz zur freundlichen aber verschlossenen Art, die Christian Wulff in der Öffentlichkeit zeigt, wobei man nicht unbedingt sagen kann, dass er immer hinter ihrer Spontanität hinterher hastete, obwohl sich dieser Eindruck durchaus einstellen konnte. Offen schildert sie in "Jenseits des Protokolls" die Anfänge ihrer Liebe: "Ich habe bei Männern kein festes Beuteschema." Sie schreibt von ihren früheren Liebschaften Tom und Achim, dann Torsten, dem Vater ihres Sohnes Leander (9), vom dem sie sich 2004, ein Jahr nach der Geburt, getrennt hatte: "Für mich lebte er in einem Chaos... Meine Wünsche und Forderungen setzten ihn nur noch mehr unter Druck."

2006 lernte sie Christian Wulff auf einer Reise nach Südafrika kennen. Restlos begeistert war sie noch nicht: "Irgendwie fehlten da noch ein paar Ecken und Kanten, etwas Besonderes und Eigenes." Da war sie 32 und er 46. Seine Brille passte ihr nicht so recht, die Frisur auch nicht. Dafür war Wulff Feuer und Flamme und das bekam dann auch ganz Deutschland mit. Er wechselte die Brille, seine Frisur wurde jungenhafter, und er tat kund, dass seien Ehe mit Christiane, die in Osnabrück mit der gemeinsamen Tochter lebte, bereits am Ende sei. Das waren dann die Kanten.

Gemeinsame Bilder aus der Ministerpräsidentenzeit in Hannover und als Staatsoberhaupt in Berlin zeigen ein glückstrahlendes Paar, sie elegant mit einer Spur Extravaganz, er ungewohnt lässig. Zum ersten Mal schien eine gute Portion Glamour ins Bellevue Einzug zu halten. Diese Wahrnehmungen müssen Trugschlüsse gewesen sein - und Bettina Wulff eine großartige Schauspielerin, denn in Wahrheit habe sie gelitten unter seinen Ämtern, unter der ständigen Repräsentanz. In ihrem Buch bekannte sie: "Plötzlich braucht man für alles eine Taktik... Selbst wenn ich den Müll hinausbrachte, schaute ich vorher kritisch in den Spiegel und überprüfte fix den Status meiner Vorzeigetauglichkeit... Es ist am Anfang nicht leicht, sich keinen Kopf darüber zu machen, ob man vielleicht gerade beim Essen, Kauen, Trinken, Runterschlucken eher unvorteilhaft aussieht."

Und im Schloss Bellevue habe selbst ihr Intimleben deutlich an Qualität verloren. Immer diese vielen Sicherheitsleute und Beamten! 24 Stunden am Tag. "Für manchen mag das vielleicht anregend sein, für mich war das nicht... Na, dann muss man ja verdammt leise sein, bei allem, was man so tut. Vielleicht sind die Wände ja doch nicht so dick." Das klingt schon ein bisschen nach Big Brother im Amtssitz des Staatsoberhaupts.

Christian Wulff hat alles verloren. Sein Amt, sein Renommee, seine Frau, seine Familie, sogar das Skandalhaus, das in Großburgwedel steht, jener Gemeinde, in der schon Bettina Körner aufgewachsen ist. Dort wohnt sie mit Leander und dem Sohn, den sie mit dem 53-Jährigen hat. Und falls er keine Gütertrennung hat, geht die Hälfte seines Ehrensolds als Altbundespräsident auch nach Großburgwedel. Die paar politischen Freunde, die er noch hat, seien traurig über die Entwicklung, heißt es bei "Bild". Seine Frau jedoch schaue nun nach vorn und sei entschlossen ein neues Leben aufzubauen. Es wird ihr ohne Zweifel gelingen.

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