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Musik

Wie Thatcher die Musikszene prägte

Als die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher am 8. April starb, waren die Reaktionen gelinde gesagt gemischt. Politische Weggefährten lobten die "Eiserne Lady", im Netz fand sich dagegen der ein oder andere Jubelschrei, gefolgt von der Überlegung, ob Thatcher jetzt auch die Hölle privatisieren würde.

London. Die Musik-Szene stand Thatcher immer kritisch gegenüber und hat ihr doch so viel zu verdanken. Schließlich war sie der Anlass für das Genre des "Anti-Thatcher-Songs".

Im Jahr 1982 veröffentlichte die britische Punk-Rock-Band Crass die Single "How does it feel to be the Mother of a Thousand Dead", mit dem sie heftige Kritik an Thatcher und dem Falkland-Krieg übte. Dort heißt es unter anderem: "Du lächelst dem Tod ins Gesicht, weil du so stolz und eingebildet bist", und "Es war deine Entscheidung, diese Jungs abschlachten zu lassen".

Die Ska-Gruppe The Specials hatte ebenfalls wenig Liebe für Thatcher übrig und coverte 1980 kurzerhand einen Bob-Dylan-Song von 1965. Bei "Maggie's Farm" musste man fast nichts ändern, lediglich der Ausdruck "National Guard" wurde durch "National Front" (rechtsradikale Partei in Großbritannien) ersetzt.

Auch Fans der elektronischen Musik hatten ihre Anti-Thatcher-Hymne. "(We Don't Need This) Fascist Groove Thing" von Heaven 17 erschien 1981 und wurde prompt von der britischen Rundfunkanstalt BBC auf den Index gesetzt, da das Stück harsche Kritik an Thatcher und dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan enthielt.

Die Liste lässt sich beliebig lange und in allen Qualitätskategorien fortsetzen. Der Anti-Thatcher-Song, der kurz nach ihrem Tod die Charts eroberte, ist dann aber eigentlich gar keiner: "Ding Dong! The Witch is Dead" stammt aus dem Film "Der Zauberer von Oz" von 1939 und bezieht sich auf die Figur der Bösen Hexe des Ostens. Die Verbindung zu Thatcher war schnell hergestellt und eine von Ella Fitzgerald gesungene Version stand auf einmal an der Spitze der britischen Charts.

(sch/spot)