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Boulevard Von Bosbach bis Gosling: ein Rückblick auf besondere Fernsehmomente
Menschen Boulevard Von Bosbach bis Gosling: ein Rückblick auf besondere Fernsehmomente
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12:40 21.12.2017
Mit Ryan Gosling-Double Ludwig Lehner landeten die Comedians Joko und Klaas Anfang des Jahres einen echten Coup. Quelle: dpa
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Zwischen Comedy und Krimi, neuen Serien und neuen Staffeln, Quotenrennern und Dutzendware gab es 2017 etliche bemerkenswerte Fernsehereignisse, die in Erinnerung bleiben und vielleicht nicht so bald wieder kommen. Das eine oder andere hoffentlich nie wieder. Eine kleine Auswahl.

Die Oscar-Verleihung ist immer auch ein Fernseh-Event. Aber 2017 galt das vor allem wegen einer peinlichen Panne: Als der wichtigste Filmpreis der Welt Ende Februar verliehen wurde, in Deutschland live übertragen bei ProSieben, kam es zu einer folgenreichen Verwechslung. Die Schauspieler Warren Beatty und Faye Dunaway hatten einen falschen Umschlag bekommen und verkündeten deshalb das Musical „La La Land“ als Gewinner in der Königskategorie bester Film. Aber der sollte es gar nicht sein, sondern das Film-Drama „Moonlight“. Moderator Jimmy Kimmel war nicht der einzige, der sich für den groben Schnitzer entschuldigen musste. Der falsche Umschlag der 89. Oscar-Verleihung hat jedenfalls Fernsehgeschichte geschrieben.

Pannen wirken manchmal inspirierend. In diesem Fall auf Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Die beiden TV-Komiker legten nur rund eine Woche später Steven Gätjen rein - und nicht nur den. Gätjen moderierte Anfang März die Gala zur Verleihung der Goldenen Kamera in Hamburg. Einen Preis für den besten internationalen Film sollte dort „La La Land“-Hauptdarsteller Ryan Gosling bekommen. Tatsächlich erschien ein Mann im Smoking auf der Bühne, der ein bisschen wie Gosling aussah. Er sagte auf Englisch: „Ich bin Ryan Gosling. Und ich widme diesen Preis Joko und Klaas.“ Viele Zuschauer waren verwirrt, Steven Gätjen auch. Joko und Klaas lachten sich ins Fäustchen - und das gleich noch einmal, als sie in ihrer nächsten Sendung „Circus HalliGalli“ erklärten, wie sie das Gosling-Double in die Gala geschmuggelt haben.

Dass falsche Stars bei TV-Galas Aufmerksamkeit erregen, liegt nahe, dass eine Arte-Dokumentation tagelang Gesprächsstoff wird, kommt nicht so oft vor. Aber bei „Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa“ im Juni war das so. Und das zunächst vor allem, weil der Film nicht gezeigt werden sollte. Arte hatte sich unter anderem gegen die Ausstrahlung entschieden, weil sich die beiden Autoren zu wenig an die Vorgabe, über Antisemitismus in Europa zu filmen, gehalten hätten. Dann zeigte zunächst „Bild.de“ die Doku für 24 Stunden und machte sie so öffentlich, anschließend entschied sich auch das Erste, sie zu später Stunde ins Programm zu nehmen. Dabei schalteten dann allerdings nur 1,19 Millionen Zuschauer ein.

Ein Thema prägte 2017 auch das Fernsehprogramm unübersehbar: das Wahljahr. Vor allem im Bundestagswahlkampf galt das auch für viele Talksendungen. Einer, der schon in vielen davon gesessen hat, ist Wolfgang Bosbach. Aber Mitte Juli hatte er einfach genug. Bosbach, damals noch für die CDU Mitglied des Bundestages, diskutierte bei „Maischberger“ im Ersten über die Krawalle beim Hamburger G20-Treffen. Und dann platzte ihm der Kragen. Nach einer hitzigen Diskussion mit der früheren Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth stand er wütend auf und ging - mit dem Kommentar „Das muss ich nicht mitmachen.“ Ditfurth bezeichnete ihn daraufhin als „kleine Mimose“. Der Politiker warf ihr vor, die Krawalle zu verharmlosen. „Bis jetzt bin ich mehr als einmal tapfer gewesen bis zum Ende“, sagte er am Tag darauf. „Ich hatte schon einen Imam, der geredet hat wie ein Wasserfall, ich hatte schon eine vollverschleierte Muslima, die Werbung für den Dschihad gemacht hat. Jetzt bei dem Auftritt von Frau Ditfurth ist bei mir das Fass übergelaufen.“

Ob Alice Weidel, die AfD-Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl, sich davon hat beeindrucken lassen? Jedenfalls machte sie es Bosbach nach: Anfang September verließ sie die ZDF-Wahlsendung „Wie geht's, Deutschland?“ vorzeitig. Auslöser war die Forderung von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, sie solle sich vom Co-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und dem Thüringer AfD-Landesvorsitzenden und Rechtsausleger Björn Höcke distanzieren. Weidel ging daraufhin wortlos, unter Beifall und Johlen des Publikums. Moderatorin Marietta Slomka war sichtlich irritiert: „Gehen Sie jetzt?“, fragte sie - und erntete von Weidel nur ein kurzes Nicken.

Zu den wichtigsten Fernseh-Events des Jahres gehörte das einzige TV-Duell zwischen SPD-Herausforderer Martin Schulz und Kanzlerin Angela Merkel am ersten Septembersonntag. Der SPD-Vorsitzende gab sich angriffslustig und warf der Kanzlerin unter anderem schwere Fehler in der Flüchtlingskrise vor. Merkel verteidigte ihre Entscheidung von vor zwei Jahren, in Ungarn festsitzenden Migranten und Flüchtlingen den Weg nach Deutschland zu ebnen. Rund 16,23 Millionen Zuschauer verfolgten den Austausch der Argumente - immerhin mit Abstand die höchste Zahl des Jahres.

Ende November machte dann noch einmal eine Dokumentation von sich reden: Der WDR verzichtete auf die Ausstrahlung einer Doku „Menschen hautnah: Thomas Middelhoff – Absturz eines Topmanagers“. Als Grund nannte der Sender „eine bestehende vertragliche Vereinbarung zwischen Thomas Middelhoff und dem Produzenten“. Deren konkreten Inhalt habe die Redaktion erst kurz vor der Ausstrahlung erfahren. Diese vertragliche Vereinbarung habe Middelhoff das Recht auf Mitsprache beim Drehbuch eingeräumt und darauf, den fertigen Film vor Ausstrahlung zu sehen. „Vereinbarungen wie diese widersprechen den journalistischen Grundregeln des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sind für den WDR nicht akzeptabel.“ Middelhoff war 2014 wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Mitte November 2017 wurde er aus der Haft entlassen.

Ende November ging bei RTL eine Ära zu Ende: Niki Lauda gab überraschend vor laufender Kamera seinen Abschied als Rennsport-Experte im Fernsehen bekannt. „Ich habe eine persönliche Entscheidung getroffen“, sagte der inzwischen 68-jährige frühere Formel-1-Weltmeister. „Nämlich, dass ich nächstes Jahr nicht mehr RTL-Experte sein werde.“ Und das nach 21 Jahren. Lauda lüpfte seine Baseballkappe, bedankte sich bei den Zuschauern und bekräftigte, sich darin nicht noch einmal umstimmen lassen zu wollen.

Von Andreas Heimann, dpa

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