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Die Villagers stoßen die Tür weit auf.

Die Villagers stoßen die Tür weit auf. © Domino

Musik

Villagers, Grizzly Bear und die Zukunft des Folkrock

Für Berlins Hipster-Szene war es das Top-Konzert dieses Herbstes: der Auftritt von Villagers (Irland) und Grizzly Bear (USA) im Astra. Neben viel Begeisterung weckten beide Bands auch Beschützerinstinkte - zumindest beim ziemlich entzückten weiblichen Teil des Publikums.

Berlin. Gutaussehend, glattgesichtig, etwas schüchtern und sehr jung - so der erste Eindruck von den Musikern, die im proppevollen Kulturhaus auf die Bühne stiegen. Und dann sangen diese sympathischen Bürschchen auch noch so arg schön - wie bei einem Gipfeltreffen von Indiepop-Boybands.

Mit derlei Oberflächlichkeiten kam man allerdings schon bei den Villagers nicht weit. Immerhin brachte das Quintett um Frontmann Conor O'Brien das Kunststück fertig, mit seinem ambitionierten Debüt "Becoming A Jackal" (2010) eine düstere Schauergeschichte zu erzählen und Platz 1 der irischen Charts zu erreichen.

Als Gast im Vorprogramm von Grizzly Bear ließ die Band ihre Qualitäten mehr als nur aufblitzen. Neben älteren Songs präsentierten die Villagers erstmals Lieder aus ihrem im Januar 2013 erscheinenden zweiten Album "Awayland". Und auch die klangen fantastisch.

Der Folk-Anteil wurde darauf zurückgefahren - stattdessen mehr Elektronik, mehr orchestrale Passagen, mehr Experimente und noch bessere Melodien. Die rasante Entwicklung dieser jungen Iren-Truppe - auch als Live-Act - ist schon erstaunlich. Und wenn der Eindruck vom Berliner Konzert nicht täuscht, dann steuern die Villagers im nächsten Jahr auf den großen Durchbruch zu.

Nach dem Triumph ihrer Vorband mussten die vier Folk-Psychedeliker Grizzly Bear aus dem angesagten New Yorker Stadtteil Brooklyn schon einiges abrufen. Und das taten sie mit der Souveränität einer Band, die sich trotz ihrer relativen Jugend schon seit Jahren erfolgreich in der US-Alternative-Szene tummelt und stets weiterentwickelt.

Das kürzlich erschienene Neo-Progrock-Album "Shields" markiert den vorläufigen Höhepunkt dieses Aufstiegs, es bildete auch das Rückgrat des gut 90-minütigen Auftritts im Astra. Mit gleich drei hervorragenden Sängern (Ed Droste, Chris Taylor und Daniel Rossen) können Grizzly Bear aus dem Vollen schöpfen - und das taten sie auch bei der Live-Präsentation ihrer komplexen Harmonien und Rhythmen.

Villagers und Grizzly Bear auf einem Ticket - diese Kombination zweier zu Recht gehypter, hochtalentierter Bands ließ erahnen, wie sich die Zukunft des Folkrock anhört.

dpa