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Veronika Fischer und Suche nach Glück

Am 11. März 2013 veröffentlichte Veronika Fischer ihre Autobiographie. "Das Lügenlied vom Glück" erzählt über ihr Leben zwischen Ost und West, dem Kalten Krieg und vor allem ihrer einzigartigen Musikkarriere.

Mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach die 61-Jährige über ihr Buch, die Reaktionen darauf und ein Stück deutscher Gesichte.

2001 erschien ein Porträt über Sie. Was hat Sie dazu bewegt, Ihr Leben in einem Buch noch einmal so zu veröffentlichen?

Die Autorin des Porträts, Frau Steinecke, hatte über mich geschrieben. Es gab ein paar Geschichten aus meinem Leben, aber es war nicht vollständig. Viele Geschichten fehlten und vieles war auch nicht so ausführlich beschrieben, wie es jetzt in der Autobiographie der Fall ist. Deshalb musste ich das Buch schreiben.

Sie schreiben die Autobiographie zusammen mit Manfred Maurenbrecher, wie kam es dazu?

Anfangs wusste ich noch nicht, dass ich das Buch selbst schreiben würde. Künstler lassen sehr oft schreiben. Dann hatte ich die Idee mit Manfred Maurenbrecher. Ich brauchte jemanden, der mich versteht und auch versteht, wie ich Musik in Worte fasse. Mein Leben war immer eng mit der Musik verbunden und deswegen habe ich mir überlegt, ihn zu fragen. Er hat für mich Texte geschrieben und ich wusste, dass er auch ein guter Schriftsteller ist. Er hat mich dann aber doch motiviert viel selbst zu schreiben.

Wie lange haben Sie gebraucht "Das Lügenlied vom Glück" zu schreiben?

Ja, das hat relativ lange gedauert. Es waren circa zwei Jahre. 2011 habe ich die Kindheit geschrieben, und das war eigentlich die Grundlage, es dann auch selbst zu schreiben.

Was war das für ein Gefühl das fertige Buch zum ersten Mal in den Händen zu halten?

Das war natürlich toll. Es ist aufregend, weil es doch ein Wust an Arbeit war. Ich habe damals ganz viele Reisen in die sozialistischen Länder gemacht. Ich bin international aufgetreten und das alles wieder zu recherchieren und zusammen zu bekommen, dass war wirklich eine Aufgabe.

Haben Sie die Recherchen zu Ihrem Buch emotional sehr mitgenommen?

Ja. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Stasi einen Ermittlungsbericht über mich verfasst hatte, war aufwühlend. Es war in meinem Fall ein Leben zwischen den Welten, ein Leben im Kalten Krieg. Das ist ein Stück Musikgeschichte aus Deutschland, das war ein bisschen mehr Arbeit und dazu brauchte ich auch einen Partner wie Manfred, der auch ein politisches Verständnis für diese Zeiten hat. Es war ein glücklicher Moment das fertige Buch in den Händen zu halten. Es sind sehr viele Gefühle und auch traurige Momente noch einmal hochgekommen. Ich war sehr erstaunt, wie tief man noch einmal in diese Gefühle eintauchen kann.

Sie waren viel in der Welt unterwegs. Konnten Sie sich auch irgendwo Zuhause fühlen?

In gewisser Weise war die Musik mein Zuhause. Ich war dort daheim, wo ich mich wohlgefühlt habe. Wenn man in der Welt herumreist, bedeutet Heimat die Menschen, die einem lieb und wichtig waren. Ich habe mich dann aber auch in Berlin Zuhause gefühlt. Ich habe teilweise in Ost- und Westberlin gelebt, und dort lebe ich jetzt noch. Da fühle ich mich mittlerweile Zuhause.

Sie widmen das Buch Ihrem Sohn, was hat er dazu gesagt?

Ich glaube, er hat sich gefreut. Er hat es zwar nicht nochmal ausführlich kommentiert, aber ich glaube er hat sich gefreut und mein Buch auch teilweise schon gelesen. Er hat noch nicht alles geschafft und ich denke es wird ihn auch noch ein wenig aufwühlen. Für ihn ist vieles noch neu.

In Berlin soll gerade ein Teil der East Side Gallery entfernt werden, was halten Sie davon?

Für mich ist das unfassbar. Dieses Stück Geschichte für ein paar schöne Wohnungen niederzureisen finde ich einfach unglaublich. Ich bin definitiv gegen diesen Abriss.

(ip/spot)