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Unwort des Jahres: "Opfer-Abo" überrascht

"Opfer-Abo" ist das Unwort des Jahres 2012 - zur Überraschung vieler Experten. Das habe bei ihm zunächst nichts "klingeln" lassen, sagte Ludwig Eichinger, der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, der dapd.

Erst nach dem Lesen der Jury-Begründung verstehe er, was mit der Wahl kritisiert werde. "Aber bei aller Wichtigkeit des Gender-Diskurses, war dieses Detail nicht so präsent", fügte der Sprachwissenschaftler hinzu.

Der frühere Wettermoderator Jörg Kachelmann hatte in Interviews davon gesprochen, dass Frauen ein "Opfer-Abo" hätten, mit dem sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen, etwa Vergewaltigungen, gegenüber Männern durchsetzten. Nach Ansicht der Jury stellt das Wort Frauen in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden. Eichinger betonte, ihm wäre es lieber gewesen, die Jury hätte sich auf ein bekannteres und für das zurückliegende Jahr prägenderes Wort geeinigt.

Auf Platz zwei der Unwörter landete "Pleite-Griechen" vor dem Begriff "Lebensleistungsrente". Im vergangenen Jahr hatte sich die Formulierung "Döner-Morde" durchgesetzt. Zum Börsen-Unwort 2012 wurde "freiwilliger Schuldenschnitt" bestimmt. Die Zahl der Einsendungen für das Unwort des Jahres 2012 korrigierte die Jury noch einmal nach oben. Insgesamt waren bei der Aktion 2.241 Einsendungen mit 1.019 verschiedenen Vorschlägen eingegangen. Bei der Auswahl sei nicht die Häufigkeit der Nennung eines Wortes ausschlaggebend, sondern ihr Öffentlichkeitscharakter, erläuterte Jury-Sprecherin Nina Janich. Das Unwort des Jahres wird seit 1994 von einer unabhängigen und ehrenamtlichen Jury gewählt.

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