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Udo Lindenberg, wie man ihn noch nie erlebt hat

Udo Lindenberg (66) ist ein Mythos. Ohne Sonnenbrille, Hut und dunklem Anzug hat man ihn schon lange nicht mehr gesehen. Es sind seine Markenzeichen und zugleich seine Maske.

Für das Männermagazin "Playboy" ließ er diese fallen und spricht ungewohnt offen über Alkohol, Liebe und seine Träume.

Udo und seine Songs

"Ich dachte mir: Ein deutscher Popstar, wie sieht der aus, was macht der? Dann hab ich mir den ausgedacht und wurde der. Er war ja bereits angelegt in mir, nur noch nicht so kultiviert." In Deutschland der 70er Jahre waren Schlager, das gängigste Musikgenre. Erst durch Lindenberg wurden die Deutschen "rockfähig": "Keiner war es gewesen, es gab viele traumatisierte Leute nach dem Weltkrieg, da war Deutsch tabu. In den 1950ern kamen dann Elvis und so. Aber in Sachen deutscher Rock 'n' Roll war nicht viel los."

Und so entstand der typische Udo-Sprech: "Das war Szenejargon. Wie Martin Luther, dem Volk aufs Maul geschaut. Graffiti-Sprüche, die in der Luft lagen in den qualmigen Kneipen. Und dann irgendwie breit auf den Bierdeckel, tataram, hier mal eine Zeile hingeschrieben, da noch 'n Spruch. Goethe wäre schwierig gewesen. Heine ging nicht, Adorno auch nicht. Da musste eine völlig neue Sprache her."

"Die erste Platte war dann noch auf Englisch, 1971, da habe ich gemeint, ich werde sofort Weltstar. Ein grausamer Flop, 700 Käufer, einschließlich meiner Oma. Aber nach der dritten Flasche Doppelkorn machte es irgendwann klickediklick, und ich dachte: Okay, Hoch im Norden, das ist das erste Ding, "und hinter den Deichen bin ich geboren" - Dichtung und Wahrheit", fügt Udo Lindenberg hinzu. 1973 schaffte er es dann mit "Alles klar auf der Andrea Doria" in die deutschen Charts.

Udo, der Alkohol und die Liebe

In den 90ern lief es dann aber nicht mehr so richtig rund für Lindenberg. Er machte "eine fiese, miese Krise" durch und griff öfters als sonst zum Alkohol. Dass er 2011 dann noch einmal so richtig durchstarten und 2012 auf Tournee gehen würde, daran hatte er damals nicht mehr gedacht. "Da saß ich oft am Tresen und versuchte, mich nach vorne zu trinken."

"Ich war absolut unsicher, als ich noch vor'n paar Jahren besoffen unterm Tisch lag in der Kneipe, in der 'Ritze' etwa. Und zwar tagelang, nächtelang. Tine hat mich da auch schon abgeholt unterm Tresen. Nee, ob das weitergehen würde oder ob ich da abkratze oder so, wusste ich echt nicht", gibt der Rockmusiker zu.

Seine Freundin Tine Acke war es, die es schaffte ihn aus seinem tiefen Loch, in dem er sich befand, hoch zu holen. "Ist es auch Liebe? Ja klar liebe ich Tine. Wir kennen uns schon ewig, und wir machen viele geile Sachen zusammen."

Udo und seine Tarnung

Udo Lindenberg liebt Tarnungen. Manchmal läuft er sogar als Elvis verkleidet herum, bestätigt seine Freundin Tine Acke. Darüber spaßt er: "Ich tarne mich manchmal mit Perücke, Ohrenklappen und all so was. Oder einer Burka mal. [...] Ja, irgendwelche Tücher. Ganz interessant. Aber die erkennen mich dann am Gang, an meinem raubtierartigen Schleichgang."

Udo und seine Vorbilder

"Ich folge meinen eigenen Gesetzen. Wobei, ich habe eigentlich nur Hermann Hesse ein bisschen übersetzt in meine Sprache, der die heilige Individualität - highlige geschrieben, die highlige Individualität - feiert und dazu ermuntert, keinen Lehrern zu folgen, sondern: 'Folge den Gesetzen, die dein Blut dir rauscht.' Das lebe ich radikal, aber ohne anderen wehzutun". Das ist Udo Lindenberg.

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