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Die mexikanische Schauspielerin und Sängerin Pilar Montenegro zeigte sich 2011 nackt im «Playboy». Foto: Julio Ortega

Die mexikanische Schauspielerin und Sängerin Pilar Montenegro zeigte sich 2011 nackt im «Playboy». Foto: Julio Ortega

Gesellschaft

US-"Playboy" packt Models ein

Man könnte sagen, der "Playboy" hat die Nacktheit 1953 neu erfunden. Nun packt das Magazin im Heimatmarkt USA die Models ein - in Bikinis, Unterwäsche, Dessous. Rolf Eden klagt: "Nackte sind der Markenkern."

Berlin. Wer den amerikanischen "Playboy" immer nur wegen der angeblich hervorragend recherchierten Geschichten und der packenden Interviews gelesen hat, dürfte auf die Nachricht gelassen reagieren. Doch ein Großteil der Fans ist ziemlich entgeistert. Das bekannteste Herrenmagazin der Welt zeigt im Heimatmarkt USA keine Nackten mehr.

Jeder, der von März an den Mittelteil ausklappen wird, wird dort nicht mehr Playmates im Evakostüm sehen, sondern geschmackvolle Bilder von Bunnys in Bikinis, Unterwäsche und Dessous. Unter der Aufschrei-Überschrift "Der Playboy wird...bitte was?!?" rechtfertigt sich die amerikanische Redaktion am Dienstag für das Mehr an Textil. Die knappe Antwort auf das große Warum heiße: "Die Zeiten ändern sich." Das Heft soll jetzt jugendfrei werden wie die Webseite.

Soweit die Hiobsbotschaft aus Amerika. Die gute Nachricht für die hiesigen Freunde des Hüllenlosen lautet: In der deutschen Ausgabe bleibt alles beim Alten. "Auf die Ausrichtung und die Gestaltung des deutschen "Playboy" hat die Entscheidung der Amerikaner keinen Einfluss. Das heißt, wir halten an unserem erfolgreichen Konzept auch in Zukunft fest", sagt Florian Boitin, Chefredakteur Playboy Deutschland, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Und er wird prompt grundsätzlich: "In Europa hat man schon historisch bedingt ein viel entspannteres Verhältnis zum Thema Nacktheit."

Hugh Hefner (89) hatte den "Playboy" 1953 erstmals herausgebracht. Auf der Titelseite posierte damals keine Geringere als Marilyn Monroe. Für die Etablierung von Nacktheit im öffentlichen Raum hat Hefner mit seinem Heft vielleicht so viel geleistet wie vor ihm zuletzt Michelangelo mit seiner Statue des David 450 Jahre zuvor.

Schuld am Schwenk der Amerikaner ist wie so häufig das böse Internet. Die Zeiten hätten sich schlicht geändert, sagt "Playboy"-Chefmanager Scott Flanders. Den Kampf darum, unbekleidete Körper abbilden zu dürfen und Nacktheit gesellschaftsfähig zu machen, habe der "Playboy" unter Verleger Hefner schon lange gewonnen. "Heute reicht ein Mausklick, um sich jeden nur vorstellbaren sexuellen Akt im Internet herunterzuladen", schildert Flanders. Ist es nur Zufall, dass er den selben Nachnamen hat wie der frömmelnde Nachbar von Homer Simpson? Jedenfalls beteuert er: Nacktaufnahmen in Zeitschriften seien überholt. Zwar würden Frauen weiter in provokativen Posen gezeigt. Jedoch sollen sie nicht mehr völlig nackt abgebildet werden.

Die deutsche Playboy-Ikone, der Berliner Diskotheken-König Rolf Eden (85), hält das für falsch: "Der Playboy ohne Nackte ist kein Playboy. Nackte sind der Markenkern." In Deutschland stehen auf der langen - und in Zukunft noch weiter wachsenden - Liste der Stars mit "Playboy"-Erfahrung etwa Iris Berben, Eva Padberg, Simone Thomalla und - gleich zweimal - Katarina Witt.

Schon 2014 hatten die "Playboy"-Macher die US-Webseite jugendfreier gestaltet, um auch auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Twitter aktiv sein zu dürfen. Nun soll die Print-Ausgabe dem Beispiel folgen. Niemand soll sich am Arbeitsplatz mehr schämen, den "Playboy" zu lesen. "Der Zwölfjährige in mir ist sehr enttäuscht", sagt Redakteur Cory Jones, der Hefner die Idee zum Abschied vom Enthüllungsjournalismus unterbreitet hat, in der "New York Times". "Aber es ist die richtige Entscheidung."

dpa


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