Navigation:

© SpotOn

Lifestyle

Tier-Haut-Couture: Pelze zwischen Mode und Moral

In der Pelzmode gibt es keine Graustufen. Entweder man trägt ihn oder man trägt ihn nicht. Zweifelsohne polarisiert der Trend die Modebranche, dennoch stocken Millionen Frauen und Männer jährlich ihren Kleiderschrank mit Tierhäuten auf.

90 Millionen Felle werden laut der International Fur Trade Federation (IFTF) pro Jahr verarbeitet. Allein die Europäische Union hat mit dem Pelzgeschäft 2011 4,5 Milliarden Euro eingenommen.

Die Präsenz von Pelz zeigt sich besonders auf den Laufstegen der Welt. Dort, wo Fashion geboren wird. Echtfell wird nicht nur als Ganzes um den Hals geschlungen, sondern zeigt sich auch als Accessoire. Kapuzen, Kragen, Kopfbedeckungen, Stiefel und Taschen kommen ohne den pelzigen Zusatz kaum noch aus. Modelabel wie Fendi, Mulberry und Co. setzen schon seit Jahren auf den kuscheligen Modetrend. "Pelz ist Bestandteil der modischen Vielfalt. Fellkleidung verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Sie sieht gut aus und hält warm, deswegen wird es weiterhin in jeder Winterkollektion der angesagten Labels Pelzmäntel geben", schlussfolgert Ricarda Deutsch, Abteilungsleiterin in einem Geschäft einer berühmten skandinavischen Modekette. Doch warum hängt sich der Mensch so gerne tote Tiere um den Körper?

Pelz war im Grunde genommen das erste Modeprodukt. In der Steinzeit gab es allerdings noch keine Fashionistas, sondern nur Neandertaler, die nicht erfrieren wollten. Seit damals hat sich der Status des Pelzes stark gewandelt - nicht nur einmal. Bis ins 17. Jahrhundert unterteilte der Pelz die Menschen sogar in verschiedene Klassen. Pelz wurde zum Luxusgut und Statussymbol für die Bourgeoisie. Mit der Erfindung der Pelznähmaschine 1872 wurden Felle deutlich günstiger und somit auch für Bürger erschwinglich. Erst ab den 70ern ging es dem Pelz an den Kragen. Prominente wie Brigitte Bardot und Linda McCartney äußerten sich kritisch gegenüber dem Modetrend und sprachen Missstände in der Pelztierzucht an. Der Pelz wurde zum modischen enfant terrible gestempelt. Vor allem die Organisation Peta legte in den Jahren danach ihren schützenden Mantel über die pelzigen Tiere.

"Ich gehe lieber nackt als dass ich Pelz trage" lautet das Motto der Tierrechtsorganisation. Mit diesem die-nackte-Wahrheit-Charakter traf Peta den Nerv der Zeit. Doch aus dem Nerv der Zeit wurde bald der Nerz der Zeit - und Felle wieder in. Es scheint, als könne man den Pelz nicht so leicht aus der Modewelt verbannen. Zu dick ist sein Fell. Pelz ist ein Lebensstil.

Auch eine Umfrage in der Modezeitschrift Jolie zeigt, dass etwa die Hälfte der deutschen Bürger Pelz als Material für Kleidung offen gegenübersteht. Deutschland ist also wieder einmal gespalten. Gründe für und gegen den Pelz sind schnell gefunden. Nicht nur die Neandertaler wussten, dass Felle warm halten. Warum sich Pelze dann ausgerechnet in Dubai so gut verkaufen, hat dann wohl andere Gründe. Laut IFTF bieten über 300 Geschäfte in der Stadt am Persischen Golf die wärmende Pelzmode an. In einer Stadt, in der die Temperaturen selten unter 20 Grad wandern, scheint das Argument Wärme förmlich dahinzuschmelzen. Ein Gefühl für Luxus hingegen wird den Vereinigten Arabischen Emiraten oft nachgesagt.

Pelzkleidung steht oft im Kontrast zur Massenproduktion von Textilien. Nun müsste man definieren, welche Form ökologischer ist. Doch in Zeiten, in denen das Wort Nachhaltigkeit groß geschrieben wird, bekommt das Naturprodukt Pelz eine ganz andere Bedeutung - wäre da nicht die Frage nach Herkunft und Produktion von Pelzen. Nicht in allen Ländern gibt es Tierschutzgesetze. Vor allem in China, einem wichtigen Markt in der Pelzindustrie, sind die Haltungsvorschriften von Tieren kaum bis gar nicht vorhanden. Ein artgerechtes Leben von Nerzen, Füchsen etc. ist in den so genannten Pelzfarmen unmöglich. Weltweit sterben laut Peta jedes Jahr 100 Millionen Tiere für die Pelztierzucht.

Es gibt allerdings eine Alternative: das Kunstfell. Viele Designer machen bereits vom "Fake-Fell" Gebrauch. Es sieht genauso gut aus, ist allerdings nicht "kuschelecht". Auch hier gilt: Das Imitat ist selten so gut wie das Original. Auch die Kennzeichnung zwischen Echt- und Kunstfell ist nicht immer ausreichend. Mitunter weiß der modebewusste Mensch gar nicht, ob sich echte oder künstliche Tierhäute um seinen Körper schmiegen. Eines scheint in der haarigen Debatte aber sicher: Der Pelz als Modetrend wird wohl niemals vom Aussterben bedroht sein.

SpotOn