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Fernsehen

"The Voice" startet stimmgewaltig

Es ist ein Mädchentraum für den Jenna Hoff (22) ihre Ausbildung geschmissen. Irgendwann einmal will sie auf der ganz großen Bühne stehen, die Scheinwerfer nur auf sie gerichtet -  und singen. "Berühmt sein", fasst sie zusammen. 

Berlin. Jetzt steht sie erst einmal auf der Bühne von ProSieben. Vor dem Fernseher ein Millionenpublikum, vor Jenna ein Mikro, vier Coaches und ein Buzzer. Hier soll sich in wenigen Minuten ihre Zukunft entscheiden. Und egal, ob sie es in die zweite Runde von „The Voice of Germany“ schaffen wird, heimlich hofft die junge Frau, dass nach ihrem Auftritt das Telefon nicht mehr still stehen wird und sie endlich Geld mit ihrer Stimme verdienen kann.
Ein Traum, den Jenna mit 150 Konkurrenten teilt. So viele Bewerber haben ProSieben und Sat.1 in diesem Jahr zu den sogenannten „Blind Auditions“ von „The Voice of Germany“ eingeladen. Donnerstag startet die zweite Staffel der Casting-Show, die im vergangenen Jahr den beiden Sendern durchschnittliche 24,3 Prozent Marktanteil in der Altersklasse der 14- bis 49-Jährigen sicherte.
Noch eine Casting-Show also. Doch auch wenn das Format derzeit eher das Auslaufmodell im deutschen Fernsehen ist, Popstars kommen und gehen  – ProSieben und Sat.1 hoffen auf eine ähnliche gute Einschaltquote wie im vergangenen Jahr. Zur Sicherheit hat man deshalb auch nichts am Konzept geändert. Zunächst werden die Kandidaten in den „Blind Auditions“ singen. Die Juroren, Nena, Xavier Naidoo, The Bosshoss und Rea Garvey, hören zu. Den Kandidaten bekommen sie nicht zu Gesicht. Nichts soll vom Talent ablenken, Äußerlichkeiten keine Rolle spielen. Erst wenn ein Juror den Buzzer drückt, darf er sich umdrehen und die Stimme bekommt ein Gesicht.
Als Jenna anfängt zu singen, dauert es keine Minute bis sich alle vier Coaches zu ihr umgedreht haben. Alle wollen die 22-jährige Berlinerin mit der kräftigen Rockstimme in ihrem Team. Andere müssen gehen, ohne die Chance auf einen zweiten Auftritt zu haben. Doch auch für die gibt es anerkennende Worte. Denn wer nicht wenigstens ein paar Töne treffen kann, der wird erst gar nicht in eingeladen. Schließlich wollen nicht nur die Kandidaten gewinnen, sondern auch die Juroren. „Die wetzen in diesem Jahr richtig die Messer“, sagt ProSieben-Sprecher Frank Wolkenhauer. Im letzten Jahr siegten The Bosshoss mit ihrer Kandidatin Ivy Quainoo. Die anschließend produzierte Single schaffte zwar nicht Platz eins in den Charts, landete aber immerhin in den Top 10. Ebenso wie die schnell auf den Markt geworfenen Alben ihrer Konkurrenten. Kein Wunder, dass auch die Plattenfirma, in diesem Fall Universal, bei der Vorauswahl der Bewerber mitredet. "The Voice" hat Potential, auch weil im Vorfeld ordentlich ausgesiebt wird.
Das unterscheidet die Sendung von Formaten wie „Deutschland sucht den Superstar“, wo auch mal talentfreie Bewerber von Bohlen und Co. der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Eine Bewerbung bei „DSDS“ wäre für Jenna auch deshalb nie in Frage gekommen. „Da geht es doch schon lange nicht mehr um die Musik“, sagt sie. Worum es bei „The Voice“ allerdings auch geht, sind Schicksale. Die gehören mittlerweile zu jeder Casting-Show. Auch wenn die Geschichten rund um die Kandidaten weniger aufdringlich verkauft werden. Dennoch lernt man in den Einspielern, dass der Weg zum Popstar auch schon mal über das harte Leben als Straßenmusiker in Rumänien führt.
Nach den „Blind Auditions“ geht es in die sogenannte „Battle Round“. Die Mitglieder der Teams treten mit Duetten gegeneinander an. Und auch hier darf das Publikum immer noch nicht zum Telefonhörer greifen, sondern der jeweilige Coach entscheidet über Sieg oder Niederlage seiner Teammitglieder. Dann erst beginnen die Liveshows, in denen sowohl das Publikum als auch die Juroren die Kandidaten bewerten dürfen. Wer am Ende die Stimme Deutschlands wird, liegt im Finale dann alleine bei den Zuschauern. Die zweite Staffel von „The Voice“ startet am 18. Oktober auf ProSieben und wird jeweils Donnerstags und Freitags ab 20.15 Uhr im Wechsel von Sat.1 und ProSieben ausgestrahlt.

Nora Lysk