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Boulevard „Tatort“-Mimin Delia Mayer: „Wünsche mir stärkere Frauenfiguren“
Menschen Boulevard „Tatort“-Mimin Delia Mayer: „Wünsche mir stärkere Frauenfiguren“
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09:37 02.03.2017
Delia Mayer im Luzern-“Tatort“.  Quelle: dpa
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Berlin 

 Das Schweizer „Tatort“-Team bekommt es an diesem Sonntag mit den späten Folgen des Tschetschenien-Konflikts zu tun. Hauptdarstellerin Delia Mayer fasziniert das Thema. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur blickt die Schauspielerin und Sängerin zurück auf die vergangenen fünf Jahre als Kommissarin in der ARD-Kultreihe, verrät ihre Lieblings-Ermittler und spricht über das immer wiederkehrende Thema Synchronisation der Schweizer Ausgabe.

 

In der aktuellen „Tatort“-Folge geht es auch um Tschetschenien und damit um einen fast schon vergessenen Konflikt. Wie kommt es zu so etwas?

 

Themen, die nicht konstant durch die Medien präsent gemacht werden, geraten sehr schnell in Vergessenheit. Ein typisches Beispiel ist doch Fukushima, das in der Öffentlichkeit kaum noch eine Rolle spielt. So eine Entwicklung hat mit politischen Interessen zu tun, aber auch mit einer Übersättigung der Medienkonsumenten, die davon nichts mehr hören wollen. Informationen müssen frisch sein - wie Brötchen.

 

Haben Sie persönlich eigene Berührungspunkte mit dem Konflikt?

 

Überhaupt nicht. Aber ich funktioniere so, dass ich mich wahnsinnig schnell identifiziere mit solchen Geschichten. Das liegt an meiner eigenen Familiengeschichte, die eine Einwanderergeschichte ist. Von Tirol über Deutschland, nach Chile, dann wieder nach Berlin und zuletzt in die Schweiz. Und das über einen Zeitraum von 150 Jahren. Von daher identifiziere ich mich mit Themen wie Ruhelosigkeit, Bewegungen, Anders- oder Fremdsein, Ungerechtigkeit und Konflikten.

 

Seit fünf Jahren spielen Sie Liz Ritschard - Zeit für ein kleines Fazit: Hatten Sie Bammel am Anfang?

 

Bammel hatte ich persönlich nicht. Natürlich gab es solche Fragen: Mag man unseren „Tatort“? Oder: Interessieren sich Deutschland und Österreich für Schweizer Themen? Und: Was sind eigentlich Schweizer Themen? In der Zeit wurde ich stark damit konfrontiert zu fragen, was es bedeutet, Schweizerin zu sein.

 

Der Schweizer „Tatort“ wird fürs deutsche Publikum synchronisiert, was immer mal wieder ein Thema ist - für Sie und das Team auch?

 

In der Schweiz wird der „Tatort“ ja im Dialekt ausgestrahlt. Würde man diese Fassung in Deutschland senden, müsste man ihn untertiteln. Angesichts des Sendeplatzes am Sonntagabend ist Untertiteln aber keine Option. Manche denken, die Schweiz ist nebenan, das ist doch kein Problem, aber das ist ein Missverständnis. Es klingt doch sehr anders. Im Endeffekt schauen wir so viele synchronisierte Filme aus aller Welt und es stört niemanden. Ich finde die Diskussion inzwischen langweilig.

 

Liz Ritschard, Ihre „Tatort“-Figur, hat in einer Folge eine Liebesnacht mit einer Frau. Der Umgang mit Homosexualität im Fernsehen hat sich ja im Laufe der Zeit stark entkrampft. Braucht es mehr homosexuelle Figuren im „Tatort“?

 

Wir waren bis vor kurzem die Einzigen. Generell finde ich, die Sexualität eines Menschen ist Privatsache, egal ob es eine Figur oder eine wirkliche Person ist. Was ich mir wünschen würde, sind stärkere Frauenfiguren, die aus sich selber heraus und eigenständig handeln. Und zwar sowohl auf der Ermittler- als auch auf der Täter-Seite im „Tatort“.

 

Schauen Sie eigentlich, was andere „Tatort“-Teams so machen?

 

Ich habe lange nicht geschaut, weil ich mich freihalten wollte davon, zu sehen, wie andere Teams das machen. Mittlerweile bin ich total neugierig und schaue durchaus.

 

Und Ihr Lieblings-Ermittlerteam ist...

 

Das ist in Deutschland vielleicht ein Affront, aber ich mag die Wiener sehr gern. Denn ich habe dort studiert und auch gelebt. Die beiden haben so etwas Gebrochenes, haben Macken und man spürt, wer sie sind.

 

Was können die Zuschauer in der nächsten Zeit von Ihnen erwarten, was sind Ihre nächsten Projekte?

 

Ich habe gerade einen Kinofilm mit dem Regisseur von „Die Schweizermacher“, Rolf Lyssy, gedreht, „Die letzte Pointe“. Ich spiele die Tochter einer demenzkranken Frau, die selbstbestimmt sterben will. Meine Figur war erst als Hebamme angelegt, aber Rolf Lyssy wusste, dass ich auch Musikerin bin und hat gesagt: „Das wird jetzt eine Sängerin, und ich möchte, dass du singst und deine Musik spielst.“ Premiere also für meine Songs in einem Kinofilm. Herrlich.

 

ZUR PERSON: Die Schauspielerin und Sängerin Delia Mayer wurde 1967 in Hongkong geboren, wuchs in der Nähe von Zürich auf und studierte Gesang, Musik und Schauspiel in Zürich und Wien. Es folgten etliche Theater- und Musicalproduktionen. Seit 2012 ist sie als Kommissarin Liz Ritschard mit ihrem Ermittlerkollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) im „Tatort“ Luzern zu sehen. TV-Zuschauern ist sie unter anderem auch aus der RTL-Serie „Die Cleveren“ bekannt.

Von Interview: Daniel Rademacher, dpa

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