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Sterne-Koch Frank Rosin startet auf Kabel1 durch.

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Interview

TV-Koch Frank Rosin über Küche, Kultur und Integration

Frank Rosin ist einer der besten Köche Deutschlands, der Restaurantführer Guide Michelin bestätigte erst kürzlich seine zwei Sterne. Am 3. Januar startet auf Kabel die vierte Staffel von „Rosins Restaurants - Ein Sternekoch räumt auf“, erstmals mit zweistündigen Folgen. Ein Gespräch über Fernsehcoaching, Esskultur und die Bedeutung von Ernährung für Integration.

Herzlichen Glückwunsch. Ihre Sendung wurde von ein auf zwei Stunden verlängert
Das benötigt so ein Format auch. Wir wischen ja nicht einmal feucht durch und zeigen kurz, wie Rühreier gehen und sagen „Auf Wiedersehen“. So nach dem Motto „Es läuft also nicht, dann seid ihr ab morgen ein Pfannkuchenhaus und es wird schon laufen“. Wir kümmern uns ums Essen, um das Restaurant, die Finanzen, die Authentizität und das Personal. Das haben wir bisher immer getan, aber jetzt können die Zuschauer es auch sehen.

Und das funktioniert dann für die Restaurants auch, wenn das Team weg ist?
Sie haben alle Erfolg. Die aktuelle Staffel wurde noch gar nicht ausgestrahlt, aber ich höre von allen Chefs, dass es gut läuft. Ich bleibe da ja dran, weil ich das dann auch als Herzenssache sehe und wissen will, ob mein Coaching auch erfolgreich war.

Viele Leute schauen solche Formate, weil sie darauf hoffen, sich zu amüsieren über unfähige Menschen, die meinen, sie wären jetzt mal Gastronom. Stimmt der Spruch „Wer nichts wird, wird Wirt“ noch?
Nein, tut er nicht. Man kann es versuchen, es klappt aber nicht. Es ist nicht mehr so, dass der Mann sich in die Küche und die Frau hinter die Bar stellt und fertig ist das Restaurant. Gastronomie ist mittelständisches Unternehmertum, man muss an Marketing, PR, menschliche Ressourcen denken, sich fragen, wie man sich aufstellt. Mache ich Catering, Lieferservice, Events wie Weihnachtsmärkte und so weiter. Natürlich ist die Gastronomie immer noch eine Branche, in der sich jeder selbstständig machen kann. Ob Schuster oder Busfahrer – jeder kann von heute auf morgen ein Restaurant eröffnen, weil sich jeder Koch oder Kellner nennen kann. Das ist ein Problem: Der Fliesenleger braucht einen Meister, um sich selbstständig zu machen. Gastronom kann sich jeder nennen, der eine Kaffeemaschine aufstellt und Nudelwasser aufsetzt.

Wie hart ist ein Leben als Sternekoch, als Angestellter im Sternerestaurant?
Antwort: Der Job hat sich geändert. Die Branche hat einen schlechten Ruf, weil angeblich nur geschrien und alles im Exerzierton dargestellt wird. Nach 20 Jahren ist man dann ein Wrack. Stimmt aber alles nicht. Wer mit Leistung brillieren will, muss als erstes mit Menschen ordentlich umgehen, die modernen Kommunikationsgepflogenheiten einhalten. Außerdem muss man gute bis sehr gute Löhne zahlen, motivieren, Freiheiten lassen. Mir gelingt das ganz gut, meine Mitarbeiter sind teilweise seit 15 Jahren bei mir und Teamgeist ist die Basis dafür.

Was ist anstrengender? Der TV- oder der Küchenjob?
Der TV-Job. Ich kümmere mich nicht nur um den Betrieb. Ich bin Psychologe, Unternehmensberater, Kumpel. Nach sechs Tagen wird man wie ein Familienmitglied behandelt, das kann schon mal anstrengend sein. Aber ich würde es nicht tun, wenn es mir nicht so viel bedeuten würde.

Tauschen Sie sich mit Kollegen wie Christian Rach über Ihre Formate aus?
Ich kenne die Kollegen von außerhalb, Christian Rach, Ralf Zacherl, Frank Oehler. Ich kenne sie seit den Neunzigern. Christian Rach ist ein wundervoller Kollege und Mensch, Ralf Zacherl auch, mit Oehler habe ich erst neulich telefoniert, aber privat, Fernsehen ist da kein Thema. Da ist das Menschliche bei uns wichtiger. Außerdem bin ich ja einer der Besten (lacht) - da muss ich keinen fragen.

Seit einigen Jahren laufen Kochsendungen jeder Art erfolgreich. Wie hat sich das auf die Gesellschaft ausgewirkt?
Als Ernährungsberater kümmere ich mich um die Ernährung junger Menschen, besonders von Kindern im Kita-Alter. Ohne vernünftige Ernährung keine Integration, keine Bildung, nur ein gut ernährtes Kind ist ein aufgewecktes Kind. Das wird in den kommenden Jahren zunehmend ein Schlüsselthema werden. Das gute ist, wenn die Coaches im Fernsehen authentisch sind. Wenn ich mich da hinstelle und gutes Essen predige, muss ich das auch leben.

Sind die Ansprüche aufgrund der ständigen Kochsendungen gestiegen?
Vielleicht zehn Prozent lassen sich davon leiten, ansonsten wird die Ernährungskultur immer schlechter, Convenience Food, also Fertiggerichte und ähnliches, ist ein Markt, der wächst und wächst. Auch, weil Familie keine emotionale gesellschaftliche Einrichtung mehr ist. Kinder erleben oft nicht mehr, dass da jemand kocht und ein Haushalt geführt wird. Kinder, die so etwas zuhause nicht erleben, müssen es in der Kita tun, das ist eine soziale Verantwortung des Staates.

Sehen Sie sich in der Verantwortung, aus Ihren zwei Sternen irgendwann drei zu machen?
Kein Stück. Ich habe noch nie nach Sternen gekocht und immer getan, was ich für richtig halte. Natürlich ist es klasse, sich mit den Leuten von Guide Michelin und Gault Millau zu unterhalten, weil die ein kosmopolites Feedback geben. Aber ich mache zu erst einmal, was mir gefällt.

Und? Ab und zu auch mal Fast Food?
Natürlich. Ich bin quasi in der Pommesbude geboren. Meine Mutter hatte eine, die steht unter Denkmalschutz. Mein Vater war der erste, der in Deutschland das Produkt Pommes frites verkaufte. Ich liebe eine gute Currywurst und muss ab und an auch mal eine haben. Ist auch eine Situationsfrage. Im Stadion braucht keiner Lachsschnittchen oder Kaviar, da braucht man eine Wurst.


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