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Sechs Geheimnisse der Alice Schwarzer

Sie gilt als kompromisslose Feministin, Ikone der Frauenbewegung und einflussreiche Intellektuelle. Die einen finden sie penetrant einseitig, verkrampft und monoton.

Die anderen loben ihre Unerschrockenheit und Intelligenz, ihren Humor. Heute wird sie 70 Jahre alt. Laut Allensbach-Umfrage kennen 83 Prozent aller Deutschen Alice Schwarzer. Wer ist diese Frau, wo kommt sie her, was hat sie geleistet, wer sind ihre Gegner? Eine Aufstellung der Nachrichtenagentur spot on news.

Ihre Kindheit und Jugend

Alice Schwarzer wurde als uneheliches Kind in Wuppertal-Elberfeld geboren. Ihre Mutter war Verkäuferin, über den Vater ist nichts bekannt. Sie wuchs überwiegend bei den Großeltern auf. Den Opa beschreibt sie als "sehr mütterlichen Großvater", die Großmutter als politisch engagierte Frau mit einem hohen Gerechtigkeitssinn. Immer wieder hat Alice Schwarzer betont, dass der Widerstand ihrer Familie gegen die Nazis und eine tief empfundene Solidarität mit deren Opfer für sie prägend gewesen sei. Das Kind wuchs atheistisch auf, wurde mit zwölf Jahren evangelisch getauft und später auch konfirmiert. Sie selbst bezeichnet sich als "nicht im engeren Sinne gläubig".

Nach der Mittleren Reife besuchte sie die Handelsschule, eine kaufmännische Lehre wurde abgebrochen. Von 1964 studierte sie in Paris Sprachen, später in Vincennes Psychologie und Soziologie; dazwischen absolvierte sie bei den "Düsseldorfer Nachrichten" ein Redaktionsvolontariat. Neben ihrem Studium in Frankreich jobbte sie als Au-Pair-Girl und Fotomodell für Mode.

Ihre Erfolge

Ihre erste beachtenswerte Station als Journalistin hatte Alice Schwarzer bei der legendären Satirezeitschrift "Pardon", dann arbeitete sie als Reporterin für die "Moderne Frau". Von 1970 bis 74 schrieb sie als freie Korrespondentin in Paris für Presse, Hörfunk und das Fernsehen. 1971 war sie die Initiatorin der berühmten "Stern"-Kampagne "Ich habe abgetrieben". 1974 nahm Schwarzer einen Lehrauftrag am Soziologischen Institut der Universität Münster im Themenbereich Frauenemanzipation an. Später hatte sie die Mercator-Professur in Duisburger inne, war Dozentin an Universitäten in Berlin, Wien und Tübingen.

Ihr erstes Buch mit einem breiten Öffentlichkeitsecho trug den Titel "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen". Am bekanntesten wurde sie als Herausgeberin und Chefredakteurin der Frauenzeitschrift "Emma", die sie 1977 gründete. Daneben machte sie aber immer wieder Ausflüge in die Unterhaltungsbranche z.B. als Talkmasterin bei "Zeil um Zehn" im hessischen Fernsehen oder als Mitglied der Raterunde der TV-Sendung "Ja oder Nein" mit Blacky Fuchsberger. Großes Aufsehen erregte Alice Schwarzer als Initiatorin des parteiübergreifenden Frauenbündnisses gegen Pornografie und sexuelle Gewalt.

Alice Schwarzer wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet vom Bundesverdienstkreuz , der Goldenen Feder, dem Bambi und dem Ludwig Börne-Preis bis zur Auszeichnung "Journalist des Jahres". Außerdem ist sie Ritter der französischen Ehrenlegion.

Ihre Feinde

Mit einigen Menschen und Institutionen ist Alice Schwarzer mit herzlicher Feindschaft verbunden. Einer von ihnen ist der ehemalige Wettermoderator der ARD Jörg Kachelmann, der wegen Vergewaltigung vor Gericht stand und freigesprochen wurde. Schwarzer unterstellte Kachelnmann die Tat auch noch nach dem Urteil.

Der bekannte US-Fotograf Helmut Newton, er mit seinem Nacktfotos von Frauen weltberühmt wurde, warf sie vor, seine Bilder seien nicht nur "sexistisch und rassistisch, sondern auch faschistisch". Es kam sogar zu einem Prozess.

Als die argentinisch-deutsche Schriftstellerin Esther Villa Mitte der 70er-Jahre das Buch "Der dressierte Mann" veröffentlichte und darin die These aufstellte, dass nicht der Mann die Frau unterdrücke, sondern umgekehrt die Frau den Mann, sagte Schwarzer in einem Streitgespräch, Vilar sei eine zynische Verräterin am eigenen Geschlecht, "nicht nur Sexistin, sondern Faschistin". Ähnlich ging es Verona Pooth, die von Schwarzer wegen des Frauenbilds, das sie repräsentiert, hart angegangen wurde.

Die Psychologin und Autorin Miriam Gebhardt glaubt dagegen, dass die Frauenbewegung unter der Ägide von Alice Schwarzer zum Vampir geworden sei, der zu Staub zerfällt, "sobald der erste Sonnenschein darauf scheint."

Die Feministin Schwarzer gilt auch als resolute und unerschrockene Gegnerin des islamischen Kopftuchs im öffentlichen Leben. Es sei die "Flagge der islamistischen Kreuzzügler".

Ihre Lieben

Alice Schwarzer hatte in ihrer Jugend durchaus Beziehungen zu Männern. Ihr erster Freund war ein kaufmännischer Angestellter. Ihm folgte der französische Völkerkundler Bruno, den sie 1964 am Strand von Sainte Maxime an der Cte d'Azur kennengelernt hatte. Heute ist sie mit ihm eng befreundet. 1991 outete der Filmemacher Rosa von Praunheim Alice Schwarzer als lesbisch, was sie sehr verletzte. In ihrer 2011 erschienen Biographie "Lebenslauf" wird sie wie folgt zitiert: "Eine Liebesbeziehung wie die mit Bruno gehe ich erst elf Jahre später ein. Diesmal mit einer Frau... Wir sind ein offenes Paar, aber kein öffentliches. Und so wird es bleiben." Ihre Freundin soll Fotografin sein.

Ihre Vorlieben

Alice Schwarzer liebt Frankreich und lebt mit ihrer Katze in einem alten Fachwerkhaus im Bergischen Land. Ihre Vorbilder sind Simone de Beauvoir und Else Lasker-Schüler. Sie trägt meist Hosen, mag alte Filme wie "Casablanca" und das rheinische Essen im Kölner Traditionslokal "Haus Töller". Ihr Lieblingsschmuck ist ein handgeschmiedeter Armreif und ihre Lieblingsmusikerin Tina Turner.

Ihre Niederlagen

Eine Kämpferin wie Alice Schwarzer musste auch Niederlagen einstecken. 1988 verurteilte sie das Bonner Landgericht zur Zahlung von 10.000 DM Schmerzengeld an eine Kölner Nonne, die Schwarzer in einer Fotomontage ihrer Zeitschrift "Emma" als Werberin für Kondome zeigt. Dagegen wirkt das Bussgeld wegen Schwarzfahrens in der Kölner U-Bahn (2001) in Höhe von 60 DM banal.

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