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Sean Penn.

Sean Penn. © Hans Punz

Kriminalität

Sean Penn interviewte Mexikos Drogenboss "El Chapo"

Mexikanische Soldaten haben den meistgesuchten Drogenboss der Welt gefasst. Auf spektakuläre Weise war er im vergangenen Juli aus einem Gefängnis getürmt. Während der Flucht traf "El Chapo" den Filmemacher Sean Penn zum Interview.

Mexiko-Stadt. Der nach einem spektakulären Gefängnisausbruch gefasste mexikanische Drogenboss "El Chapo" hat während seiner Flucht dem US-Filmstar Sean Penn ein Interview gegeben.

Das Magazin "Rolling Stone" veröffentlichte in der Nacht zum Sonntag online einen Bericht des Schauspielers. Womöglich wurde seine Eitelkeit dem 58-jährigen Joaquín Guzmán ("El Chapo" = der Kurze) zum Verhängnis. Generalstaatsanwältin Arely Gómez betonte nach der Festnahme, man sei ihm auf die Spur gekommen, nachdem er "Schauspielerinnen und Produzenten" kontaktiert habe, um einen Film über sein Leben drehen zu lassen. Nun droht ihm die Auslieferung an die USA.

Beleg für das Treffen von Penn und Guzmán im Oktober ist ein Foto, das beide beim Handschlag zeigt. "El Chapo" war im Juli durch einen Tunnel mit elektrischem Licht, Luftzufuhr und Schienen aus einem Hochsicherheitsgefängnis geflohen. Penn berichtet, der Chef des Sinaloa-Kartells habe seine Ingenieure für den Tunnel zu einer dreimonatigen Fortbildung nach Deutschland geschickt. Unklar blieben Details dazu.

"Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als jeder andere auf der Welt. Ich habe eine Flotte von U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Booten", sagte Guzmán laut Penn bei dem siebenstündigen Geheimtreffen. Später gab er in einem Video Antworten auf weitere Fragen von Penn.

Ein Topmitarbeiter von US-Präsident Barack Obama zeigte sich von den Äußerungen angewidert. "Ich war angeekelt von seiner Prahlerei (...) über eine Epidemie, die unser Land erfasst hat", sagte der Stabschef des Weißen Hauses, Denis McDonough, am Sonntag dem Sender ABC mit Blick auf die vielen Heroinsüchtigen in den USA. Zugleich nannte er es eine "sehr gute Nachricht", dass Guzmán nach seiner Flucht wieder gefasst wurde.

In ländlicher Umgebung erzählt Guzmán in einer vom "Rolling Stone" veröffentlichten, knapp dreiminütigen Videosequenz von seinem Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zu einem der mächtigsten Drogenbosse der Welt. Wenn er nicht mehr existiere, würde der Drogenhandel genauso weitergehen, meinte Guzmán.

Marine-Infanteristen fassten den Chef des Sinaloa-Kartells am Freitag in der Stadt Los Mochis im Westen Mexikos. Bei dem Einsatz kamen fünf mutmaßliche Bandenmitglieder ums Leben, sechs weitere wurden festgenommen. Nach einem Zugriffsversuch in einem Haus floh Guzmán laut Ermittlern zunächst durch die Kanalisation, wurde schließlich aber auf einer Landstraße gestellt und in ein Motel gebracht. Fotos zeigten ihn in schmutzigem Unterhemd in Handschellen auf einem Bett.

Mexikos Generalstaatsanwaltschaft will ihn nun an die USA ausliefern. Sie werde die Ausweisung vorantreiben, teilte die Behörde mit. In den Vereinigten Staaten liegen mehrere Haftbefehle gegen ihn vor.

Den Kontakt zwischen Penn und "El Chapo" stellte die mexikanische Schauspielerin Kate de Castillo her. Sie spielt in der Telenovela "La Reina del Sur" (Die Königin des Südens) eine Drogenhändlerin und stand mit Guzmán wegen eines Filmprojekts über sein Leben in Kontakt. Womöglich verfolgten die Ermittler die Kontakte und orteten Gespräche.

"Ich habe einen glaubwürdigen Hinweis erhalten, dass die (US-Antidrogenbehörde) DEA von unserer Reise nach Mexiko wusste", schreibt Penn. Der 55-Jährige berichtet von einer abenteuerlichen Reise zu dem Treffen. Penn berichtet, Guzmán habe Fragen zu seinem Aufstieg vom jugendlichen Orangenverkäufer zum Drogenbaron beantwortet, über sein "glückliches" Leben nach der Flucht aus dem Gefängnis gesprochen und die Frage verneint, ob er ein gewalttätiger Mensch sei.

Einem Medienbericht zufolge zeigte sich Penn in der Nacht zum Sonntag in Beverly Hills bei einer Gala für seine Haiti-Hilfsorganisation, verweigerte dort aber jeden Kommentar zu seinem Treffen mit "El Chapo". Gefragt danach, habe er lediglich "Ich kann nicht" gesagt und sei gegangen, berichtete die US-Filmzeitschrift "Variety".

dpa


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