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Julia Koschitz.

Julia Koschitz.
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Fernsehen

Schauspielerin Julia Koschitz: „Darf man Geheimnisse haben?“

Der Fernsehfilm „Zweimal lebenslänglich“ handelt von einem Paar, das in eine existenzielle Lebenskrise gerät. Julia Koschitz spielt darin die Hauptrolle.

Hamburg/Berlin - . Julia Koschitz (42) ist mittlerweile ein bekanntes TV-Gesicht. Sie spielt viel zu selten in komischen oder gar geheimnisvollen Geschichten mit wie „Harzer Brocken“ (ARD), dafür aber gerne in dramatischen oder schweren Filmen wie jetzt in „Zweimal lebenslänglich“ (Montag, 13.3.) im ZDF. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erzählt sie, warum das Thema Vertrauen für sie ein ganz besonderes ist.

 

Wie sehen Sie die Figur der Franziska?

Sie ist eine Frau mit einem sehr schlechten Selbstwertgefühl. Sie macht sich emotional leicht abhängig und ist weit entfernt von einem selbstbestimmten Leben. Als erwachsene Frau hat sie nach wie vor kein gleichberechtigtes Verhältnis zu ihren Eltern, sucht immer noch vergeblich nach Bestätigung von ihnen. Ein Wunsch, der in ihrem Alter obsolet sein sollte. Dazu kommt, dass sie ein eher naiver Mensch ist. Sie steht in dieser Welt auf wackeligen Beinen. Und so hat sie jemanden gesucht, der all diese Defizite vermeintlich ausgleicht und ihr die gewünschte Anerkennung gibt - ihren Freund Sebastian.

Ihr Freund kommt ins Gefängnis. Was macht das mit ihr?

Es zieht ihr den Boden unter den Füßen weg. Sebastian ist das Zentrum in ihrem Leben. Deshalb mobilisiert sie eine unheimliche Kraft, ihn tatkräftig und mental zu unterstützen. Sie bewegt seinen Anwalt dazu, das Urteil anzufechten und macht Sebastian einen Heiratsantrag im Gefängnis - ein klares Bekenntnis zu ihm. Sie kämpft dabei von Anfang an gegen die Skepsis ihrer Umwelt, ganz allmählich wird es aber auch ein Kampf gegen ihre eigenen zunehmenden Zweifel. Darüber verliert sie so sehr den Halt, dass sie fast manische Züge Annimmt.

Es beginnt im Grunde ein Schrecken ohne Ende.

Es stimmt, sie wurde belogen und betrogen, als sie mit ihrem Freund noch vermeintlich gute Zeiten hatte. Als sie von seinem Betrug viel später erfährt, tritt sie dennoch an mit dem Anspruch, ihm zu verzeihen. Doch dann mehren sich die Lügen, und sie bekommt zunehmend Angst vor ihm, die sich dann beim Langzeitbesuch im Gefängnis manifestiert. So verstörend das klingen mag: Erst dadurch lernt sie, für sich einzustehen. Auf der einen Seite wird sie traumarisiert, auf der anderen Seite geht sie durch einen Emanzipationsprozeß, der sie künftig ganz anders in der Welt stehen lässt.

Also geht es um Vertrauen - auch und vor allem zu sich selbst.

Das ist genau das, was mich bei dieser Geschichte am meisten gereizt hat: Wie gut kenne ich den Menschen, mit dem ich mein Leben teile? Wieviel projiziere ich in ihn hinein? Muss ich wirklich alles von ihm wissen? Darf man Geheimnisse haben? Losgelöst von einem Krimi, finde ich diese Frage - Wem vertraue ich da und warum? - wirklich spannend. Diese Frage nach Vertrauen - und auch nach Verantwortung in sich und für sich selbst - können wir uns ja alle stellen: Was passiert mit uns, was macht das mit uns, wenn wir plötzlich in einen vergleichbaren Zwiespalt geraten würden? Insofern passt auch der Titel ganz gut - das Gefangensein gilt ja für beide.

Genug der Schwere - wann dürfen wir mal mit Ihnen lachen?

Schon bald. Da kommt der Film „Happy Burnout“ mit Wotan Wilke Möhring in der Hauptrolle ins Kino. Da spiele ich eine vierfache Mutter mit einem ausgeprägten Hang zum Perfektionismus, die völlig überfordert ist mit ihrem Leben und in einer Burnout-Klinik landet. Dort muss sie sich, wie alle anderen auch, ihrer Verantwortung für sich selbst stellen - da haben wir das Thema wieder. In dem Fall gibt's aber mehr zu lachen. Ich bin im letzten Jahr wieder mehr auf die komödiantische Seite gewandert - so auch mit meiner Rolle als gar nicht so strenge Physiklehrerin in „Hanni und Nanni - mehr als beste Freunde“. Und dann habe ich mit dem Regisseur Stephan Wagner die Tragikomödie „Am Ruder“ gedreht, nach der Kurzgeschichte „Das Innere“ von Jakob Arjouni, in der ich eine Bankräuberin spiele - wieder mit Wotan als meinem Partner.

Auf der Bühne stehen Sie auch noch.

Ja, mit der Komödie „Ganzkörpereinsatz“ an den Hamburger Kammerspielen. Darin geht es um zwei Hollywoodstars, ein Mann und eine Frau, die auf dem absteigenden Ast ihrer Karriere sitzen. Nun sollen sie einen Film miteinander drehen, in dem eine sehr realistische Sexszene vorgesehen ist. Diese prekäre Situation begreifen beide als Chance und wollen sich nun von ihren jeweiligen Partnern die Absolution holen, um das auch besten Gewissens drehen zu dürfen. Dieser gemeinsame Abend zu viert artet natürlich aus, und im weitesten Sinne geht es auch hier wieder um Verantwortung und Vertrauen. Das Thema lässt mich also nicht los.

 

ZUR PERSON: Julia Koschitz (42) wurde 1974 in Brüssel geboren. In der Fernsehserie „München 7“ (BR) ist sie seit der ersten Staffel 2004 als Polizistin zu sehen. In der Comedyserie „Allein unter Bauern“ (Sat.1) spielte sie eine Dorfärztin. Von 2008 bis 2011 war sie in der Fernsehserie „Doctor's Diary“ (RTL) dabei. Im Drama „Der letzte schöne Tag“ (ARD), das 2013 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, trat sie als Mutter und Ärztin auf, deren Suizid ihre Familie schockiert. Zuletzt sah man sie in den TV-Filmen wie „Schweigeminute“ und „Das Sacher“ (beide ZDF). Julia Koschitz lebt in München.

Von Klaus Bräuer, dpa


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