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Sascha Hehn: "Wenn's nicht funktioniert, geh ich halt aufs Traumschiff"

Sascha Hehn (58) spielt Sascha Hehn - und das so gut, dass man sich nur wünschen kann, die Macher setzen die satirische Mini-Sitcom-Serie über einen abgehalfterten TV-Star fort.

"Lerchenberg" wird am 5. und 12. April, jeweils um 23.00 Uhr, im ZDF ausgestrahlt. In dem Vierteiler nimmt sich der Sender, der in diesen Tagen sein 50-jähriges Bestehen feiert, übrigens auch sehr unterhaltsam selbst auf die Schippe.

Der Inhalt: Eine Jungredakteurin muss auf Geheiß ihrer Vorgesetzten den aalglatten Schauspieler Sascha Hehn, bekannt durch seine Rollen als Jungarzt und Schiffssteward, im Programm unterbringen. Die Nachrichtenagentur spot on news hat versucht, dem Hauptdarsteller unter anderem zu entlocken, wie viel Sascha Hehn denn nun im "Lerchenberg"-Sascha-Hehn steckt.

Herr Hehn, Sie haben mal gesagt, dass die deutschen Schauspieler benutzt und dann ad acta gelegt werden. Haben Sie sich deswegen zurückgezogen?

Nein. Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich hab eigentlich auch keine großen Pausen gemacht, sondern war einfach mit anderen Dingen beschäftigt. Das wird immer falsch kolportiert. Durch "Traumschiff" und "Lerchenberg" wurde in letzter Zeit wieder mehr über mich geschrieben, aber es wird nicht lange dauern, dann ist wieder Ruhe eingekehrt und ich übe meinen Beruf wieder ganz normal aus wie immer. Das ist ja auch nichts Besonderes.

Warum nicht?

Weil's jeder kann. Bei den vielen Programmen von heute brauchen wir aber viele Schauspieler. Die Namen kann man sich dann natürlich nicht mehr merken. Bei den drei Programmen von früher konnten dagegen nur ausgewählte Leute eingesetzt werden. Wenn du dann zum Beispiel in einem "Derrick" mitgespielt hast und gut warst, konntest du sicher sein, am nächsten Tag klingelt das Telefon: "Wir möchten Sie für das, das und das!"

War es früher also besser?

Ja und anders.

Wie war es denn dieses Mal bei "Lerchenberg", hat da auch das Telefon geklingelt?

Nein, die Klingel an der Tür. Dann habe ich mir das kurz angehört, durchgelesen und nur gefragt: "Wollt ihr mich verarschen, so einen Unsympathen zu spielen? Das bin ich doch nicht!" Auch meine Lebensgefährtin hat gesagt: "Bist du verrückt, das machst du nicht!" Aber dann haben wir nochmal darüber nachgedacht...

Wie lange hat es gedauert bis Sie sich entschieden haben?

Einen Abend. Dann war klar, es ist eine geniale Herausforderung, sich selbst zu spielen. Wer hat das im deutschsprachigen Raum bisher schon gemacht?

Und wie werden Sie damit umgehen, dass alle hinterher glauben, Sie sind so ein "Unsympath"?

Das bin ich gewöhnt und finde es lustig.

Und wie viel Sascha Hehn steckt jetzt wirklich in der Rolle?

Finden Sie es selbst heraus, ich will es nicht erklären.

Gut, anders herum gefragt: Was ist nicht Sascha Hehn?

Sagen wir es so: Ich wusste nicht, dass ich so ehrgeizig sein kann... Spaß beiseite: Die Geschichte ist fiktiv, es ist Satire, in vielen Dingen ist es natürlich maßlos übertrieben. Es fängt ja schon damit an, dass er einen Gehbehinderten einparkt und einfach in den Sender geht. Ihm ist einfach alles egal. So bin ich natürlich nicht. Es war aber auch wichtig, dass die Rolle nicht nur ein Ekel ist, den alle hassen, eine gewisse Sympathie muss schon auch da sein. Vielleicht erkennt sich ja auch jemand wieder, schließlich macht er doch auch einfach nur sein Ding...

Glauben Sie, dass es Schauspieler gab oder gibt, die tatsächlich so sind oder waren?

Ja, davon bin ich überzeugt.

In der Serie wird ja ein Sendeplatz für Sie gesucht. Könnte es am Schluss die Rolle des Traumschiff-Kapitäns sein?

Eine Folge endet tatsächlich damit, dass ich sage: "Wenn das nicht funktioniert, geh ich halt wieder auf das Traumschiff." Als wir das gedreht haben, wussten wir allerdings nicht, dass das tatsächlich passieren würde.

"Lerchenberg" und "Traumschiff" - markieren diese beiden Serienhauptrollen eine Art Neustart für Sie?

Nein. Ich sehe das einfach als Lebensabschnitt. "Lerchenberg" ist eine schöne Herausforderung, auf die ich mich gefreut habe. Und dass sie jetzt vier Folgen hat, anstatt zwei, finde ich toll.

Sie haben mal gesagt, dass man diese Branche nur mit Humor ertragen kann.

Ja, sollte man auch, denn es ist Unterhaltung. Warum also nehmen wir sie so ernst? Wenn wir sie Ernst nehmen, dann sollten wir auch ernsthaft diskutieren: Darf es sowas wie das Dschungelcamp überhaupt geben? Ist das Grimme-Preis-Nominierungswürdig, wenn Leute dazu er gebracht werden, ihre Selbstachtung zu verlieren?

Warum wird "Lerchenberg" so spät gezeigt?

Das Format wurde ja in der Redaktion des Kleinen Fernsehspiels entwickelt. Da liegen die Sendeplätze normalerweise nach Mitternacht. Wir laufen also gar nicht so spät...

Und weil es eine Art TV-Experiment ist, bei dem sich der Sender auch ein bisschen auf die Schippe nimmt?

Genau. Es wird mit einem satirischen Augenzwinkern gezeigt, wie dieser Sascha Hehn um sein Comeback kämpft, was sicherlich auch eine Art Überlebenskampf in dieser harten Branche ist.

Wenn es so hart ist, was raten Sie dann Einsteigern?

Erlerne einen Beruf, dann kannst du den hier nebenbei machen. Und wenn der dann mal richtig funktioniert, kannst du sicherlich auch ein bisschen Geld damit machen. Aber reich werden wirst du in unserer Branche vermutlich nicht. Andererseits geht es ja auch nicht nur ums Geld. Ich habe gut gelebt als ich nicht einen Sou hatte. Ich hab gut gelebt, als es um Existenzängste ging. Das ist Einstellungssache. Es ist schön, wenn man gesund ist, zwei Beine hat, zwei Arme, wenn man überhaupt arbeiten kann. Es kommt auf die Ziele an, manche werden nie zufrieden sein. Treibende Kraft ist die Angst und mit diesem Gefühl werden Geschäfte gemacht.

(ili/spot)