Navigation:
Kino

Quentin Tarantino - auch mit 50 Kult!

Wohl kaum ein Regisseur hat sich in den letzten Jahrzehnten den Status Kult-Regisseur schneller verdient als Quentin Tarantino. Sein Werdegang ist mittlerweile unter Filmfans legendär.

Am 27. März 1963 in Knoxville geboren, wuchs er in Los Angeles auf und verbrachte seine Kindheit zum großen Teil in Kinos, die Martial-Arts- und B-Movies zeigten. Sein großes Filmwissen vergrößerte er dann als junger Erwachsener mit einem Job in einer Videothek. Nebenbei schrieb er Drehbücher.

Während sein kaum bekanntes Spielfilmdebüt "My Best Friend's Birthday" nie fertiggestellt wurde, landete er mit seinem ersten veröffentlichten Film gleich einen Hit: "Reservoir Dogs" (1992). Dank des Schauspielers Harvey Keitel, der von Tarantinos Drehbuch begeistert war, konnte der dialogstarke Gangsterfilm finanziert werden.

1994 schob Tarantino dann mit "Pulp Fiction" sein frühes Meisterwerk ab, mit dem er eine ganze Generation von Filmemachern beeinflusste. Der Film gilt als einer der besten Filme der 1990er Jahre und stellte das bis dahin übliche Erzählschema auf den Kopf. Die drei Episoden um zwei Profikiller, einen abgehalfterten Boxer und die Frau eines Unterwelt-Bosses erzählt Tarantino nicht chronologisch, sondern spielt mit der Zeit. So stirbt sein Hauptcharakter Vincent Vega kurz nach der Hälfte der Laufzeit, taucht aber kurze Zeit später wieder auf und spaziert am Ende in T-Shirt und kurzen Hosen aus einem Restaurant. Dank der geschickten Erzählweise konnten die Zuschauer jedoch dem Plot und der Story folgen. Die Dialoge, skurrile und schockierende Szenen, starke Schauspieler und eine ganze spezielle Atmosphäre machen "Pulp Fiction" zu einem Film, der auch nach fast 20 Jahren noch frisch wirkt.

Die zweite Regiearbeit bedeutete für Tarantino den Durchbruch in Hollywood, wo er neben "Reservoir Dogs" auch durch die Drehbücher für "True Romance" (1993) und "Natural Born Killers" (1994) auf sich aufmerksam gemacht hatte. Für "Pulp Fiction" gewann er 1995 seinen ersten Oscar, sein zweiter folgte in diesem Jahr ebenfalls in der Drehbuch-Kategorie für "Django Unchained".

Nach seinem Erfolg mit "Pulp Fiction" galt Tarantino als heißester Regisseur Hollywoods. Doch anstatt sich in die Blockbuster-Maschinerie der Traumfabrik einspannen zu lassen, zog der Regisseur sein Ding durch. 1997 bewies er mit dem lässigen Krimi "Jackie Brown", dass er keine Eintagsfliege ist. Mit den beiden "Kill Bill"-Filmen erwies er dem Asien- und Martial-Arts-Kino seine Huldigung. 2007 lieferte er mit "Death Proof" einen Film ab, den er selbst als nicht 100-prozentig gelungen ansieht. All diese Filme zeigen ein weiteres Markenzeichen von Tarantino: Er schreibt eine eigene Geschichte, lässt aber Elemente aus anderen Filmen und Genres einfließen. Das macht er so gut, dass es nicht wie eine plumpe Kopie wirkt, sondern wie eine geschickte Verschmelzung von Themen und Ideen.

Dass er schon immer auch ein kontroverser Filmemacher war und ist, beweisen auch seine beiden jüngsten Filme. Seine abgedrehte Nazi-Schlachtplatte "Inglourious Basterds" (2009) sorgte schon für viel Rummel in den Feuilletons, seine Huldigung an den Spaghetti-Western "Django Unchained" führte zu noch viel hitzigeren Diskussionen wegen der Sklaven-Thematik und der häufigen Verwendung des Wortes "Nigger". Dem Erfolg haben diese Kontroversen nicht geschadet: "Django Unchained" ist nach "Inglourious Basterds" der bisher umsatzstärkste Film des Regisseurs. Zudem beweist der Geschichtenerzähler Tarantino, dass er auch noch mit 50 Jahren ein frischer Filmemacher ist, der Werke abliefert, die das Publikum anregen und polarisieren.

(dos/spot)