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© Verstaerker

Musik

Prinz Pi: "Ich glaube, ich kann gar nicht chillen"

Ein "Kompass ohne Norden" steht ab heute in den Regalen. Dabei handelt es sich nicht um ein defektes Wanderinstrument, sondern um das neueste Album des Berliner Musikers Prinz Pi alias Friedrich Kautz.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht der 33-Jährige über die Hintergründe der Arbeit an seiner neuen Scheibe, seine Definition von Glück und seinen ersten Roman.

Wo erwische ich Sie gerade?

Prinz Pi: Wir gehen gerade Kuchen kaufen. Die Frage ist: Käsekuchen mit Cherrys drauf, ohne Cherrys oder die neue Limonenvariante.

Wie sieht denn momentan Ihr Tagesablauf aus?

Prinz Pi: Ich wache morgens auf, mache mir den ersten Kaffee. Dann gehe ich mit dem Hund mein Auto suchen, weil ich vergessen habe, wo ich es geparkt habe. Anschließend fahre ich ins Büro, arbeite ein paar Sachen ab und gebe Interviews. Meistens sitze ich im Büro bis um neun Uhr abends. Dann parke ich mein Auto irgendwo und vergesse, wo es war.

Das klingt nach einer Menge Arbeit...

Prinz Pi: Für mich ist Arbeit mein Leben, mir macht das auch einfach wirklich viel Spaß.

Und dann kann man ja auch beim Käsekuchenholen mal entspannen. Oder sind Sie so ein Workaholic und brauchen zwischendrin keine Auszeit?

Prinz Pi: Ich habe diese Fähigkeit glaube ich gar nicht, zu chillen oder auszuruhen. Das entspannt mich dann gar nicht. Was mich entspannt, sind kleine überschaubare Arbeiten. Kochen entspannt mich sehr. Da hast du ein Projekt: Du kochst für deine Freunde und zwei Stunden später sind alle satt und glücklich. Dann hast du was geschafft und ein bisschen Ordnung in ein Chaos gebracht. Das ist auch Arbeit, aber abgeschlossene Arbeit. Das gibt mir Entspannung.

Ihre Musik ist dagegen niemals abgeschlossen?

Prinz Pi: Nein. Da ist es viel schwieriger, das Ende und den Anfang zu finden. Wenn du Songs schreibst, beginnt das Schreiben nicht in dem Moment, in dem du dich hinsetzt. Sondern in den Jahren zuvor, in denen du anfängst, eine Meinung oder Ideen zu bilden, die du abgibst.

Am heutigen Freitag startet das neue Album "Kompass ohne Norden". Ist da etwas Spezielles geplant?

Prinz Pi: Wir machen was besonders Schönes: Da es der erste Tag ist, an dem die Leute das Album im Laden kaufen können, machen wir eine Autogrammstunde in einem Elektronik-Kaufhaus. Da kann man die Fans mal treffen und sich gegenseitig beglückwünschen. Ich beglückwünsche sie dann für ihren guten Geschmack und sie mich, dass das Album endlich draußen und fertig ist. Das Schöne ist, dass man die Gesichter der Leute sieht, für die man die Musik macht.

Ihre Alben verfolgen immer ein Thema. Was ist der Grundgedanke bei "Kompass ohne Norden"?

Prinz Pi: Die großen Themen von "Kompass ohne Norden" sind Orientierungslosigkeit und Erwachsenwerden. Also, was gilt als erwachsen heutzutage, will unsere Gesellschaft erwachsen werden. Ist es nicht das Ideal unserer Gesellschaft, dass man für immer jung bleibt?

Ein Song auf Ihrem Album heißt "Glück". Was bedeutet Glück für Sie?

Prinz Pi: Wenn man jemanden gefunden hat, mit dem man alles teilen kann. Wenn man Sachen nicht nur alleine, sondern zu zweit oder mit Kindern erlebt. Die Geschichte in "Glück" ist ja meine eigene. Für mich ist dabei die Spiegelung das Besondere. Wenn man einen anderen Menschen hat, der einen spiegelt, dann sieht man erst, wie gut es einem geht. Das bemerkt man vielleicht gar nicht, wenn einem dieser Spiegel fehlt.

Welcher ist Ihr Lieblingssong auf "Kompass ohne Norden", welcher liegt Ihnen besonders am Herzen?

Prinz Pi: Das ist "Dumm" (Anm. d. Red.: Bonustrack auf der Premium Edition), weil er mein ganzes Weltbild am besten in einem Song zusammenfasst.

Was ist Ihr größtes Anliegen, wenn Sie Musik machen und Texte schreiben?

Prinz Pi: Für mich ist das größte Können, Texte zu schreiben, die einerseits eine ganz starke private und persönliche Komponente beinhalten und gleichzeitig für möglichst viele Leute sprechen.

Beeinflusst Sie dabei auch aktuelle Musik oder hauptsächlich ältere Sachen, die Sie früher geprägt haben, wie die Rolling Stones, die Beatles oder ältere Rap- und Hip-Hop-Platten?

Prinz Pi: Eine etwas aktuellere Scheibe, die mich extrem beeinflusst hat, ist von Father John Misty "Fear Fun". Das ist zwar relativ neu, klingt aber wie ein ganz altes Album.

Was landet dann am Ende in Ihren Liedern?

Prinz Pi: Meine Musik ist zwar nicht direkt ein Mash-Up meiner Lieblings-Songs. Aber ich schaue, ob ich Elemente, die mir darin gefallen, meinem persönlichen Potpourri beimischen kann.

Wenn sich Ihre Platten dann auch noch gut verkaufen - sehen Sie das als Zeichen der Wertschätzung oder freuen Sie sich, dass Sie ordentlich Geld damit verdienen?

Prinz Pi: Ich freue mich natürlich, wenn ich es mir leisten kann, jetzt und in der Zukunft Musik auf so einem Niveau zu machen. Ich brauche keine goldenen Armbanduhren. Bei dem Album haben wir uns große Mühe gegeben, einen speziellen Sound hinzubekommen. Dafür haben wir tolle Geräte selbst gebastelt, die natürlich auch ein wenig Geld gekostet haben. Das ist es dann, wofür ich mein Geld ausgebe.

Wie gehen Sie mit teils herber Kritik über soziale Medien um, wenn Leute sagen, Prinz Pi ist nicht mehr der alte?

Prinz Pi: Das darf man nicht so stark bewerten. Was die Leute über jemanden im Internet schreiben, ist ja entweder sehr schlecht oder sehr gut. Jay-Z hat mal etwas Passendes gesagt: "Men lie, women lie, numbers don't." Ich denke, wenn deine Konzerte immer voll sind und die neue CD sich besser verkauft als vorher, dann gibt es vermutlich auch relativ viele Leute, die deine Musik cool finden. Leute, denen etwas Neues nicht gefällt oder, denen nicht gefällt, wie man sich verändert hat, wird es immer geben.

Was steht bei Ihnen für die nahe Zukunft an, abgesehen vom Release des Albums und der Tour dieses Jahr?

Prinz Pi: Ich schreibe gerade an meinem ersten Roman: "Die drei Bücher Davids". Da bin ich gerade am Mittelteil - mit dem hatte ich lange Zeit Probleme. Aber ich habe gerade die Schlüsselszene, das Attentat auf den Präsidenten der USA, recht elegant gelöst. Ich arbeite schon eine ganze Weile daran, das ist eine Art Feierabendprojekt.

Dann hoffen wir, dass auch die Allgemeinheit daran teilhaben kann. Und welchen Kuchen holen Sie sich jetzt?

Prinz Pi: Wohl wieder den ohne Kirschen. Die kann ich mir noch nicht leisten, ich bin ja noch Underground.

(ami/spot)