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Pola Kinski: "Ich habe lebenslänglich"

Pola Kinski (60), Tochter des berühmt-berüchtigten Schauspielers Klaus Kinski, hat in der Talkshow "Beckmann" erstmals über die schweren Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Vater gesprochen.

Klaus Kinski hatte Pola bereits als Fünfjährige missbraucht und sich weiter an ihr vergangen, bis sie 19 Jahre alt war und traute, sich ihm zu widersetzen.

In ihrem Fernsehinterview spricht die Schauspielerin erstmals öffentlich über das Martyrium. In der neuen Familie ihrer Mutter habe sie sich als Kind als störend und ungeliebt empfunden. Ihr Vater dagegen habe sie dreißig Mal am Tag angerufen und ihre Mutter beschworen, sie zu ihm zu geben. Diese Sehnsucht nach Liebe habe sie immer wieder zu ihm getrieben.

Die 60-Jährige erzählt: "Mein Vater gab mir zu verstehen, dass es wunderbar ist, dass ich auf der Welt bin, dass er eine unglaublich tiefe Liebe für mich empfindet - dieses Gefühl habe ich gebraucht. Deshalb bin ich immer wieder dahin gefahren. Das Unfassbare habe ich dann als das Nötige ertragen. Es war weniger schlimm als unsichtbar und störend zu sein wie in der anderen Familie."

Als Pola neun Jahre alt war, kam Kinski ihr erstmals massiv nahe. Sie sei aus dem Schwimmbad gekommen, sollte sich ein schönes Kleid anziehen - dann sei er mit ihr in ein Hotel gegangen. Das Kleid habe sie danach mit einer Nagelschere zerstört, die furchtbaren Gefühle "in meinem Inneren versenkt". Jahrelang habe ihr Vater ihr eingebläut: "Kein Mann dieser Welt darf das mit dir tun, nur ich!"

Als sie 19 war, beichtete sie ihrer Mutter den Missbrauch durch ihren Vater. Während deren Mann sich aufopfernd um die verstörte Stieftochter kümmerte, reagierte die Mutter kaum. Sie hätte es sich schon immer gedacht: "Du bist immer so verstört zurückgekommen." Nach einem Brief, in dem Pola ihrem Vater Klaus Kinski mitteilte, dass sie ab jetzt nur noch als Tochter mit ihm umgehen würde, hätte er sie mit Nicht-Beachtung gestraft. Kurz darauf versuchte Kinski jedoch wieder, sich seiner Tochter zu nähern.

Dass der Schauspieler in der Öffentlichkeit praktisch vergöttert wurde, war unerträglich für sie: "Sein Glorienschein wurde immer größer. Jedes Jahr noch ein Buch, noch ein Bildband, noch ein Gedichtband - nach seinem Tod mutierte er langsam zum zarten, hochsensiblen Künstler. Und dann hat es mir gereicht", erklärt Pola Kinski. "Ich habe es irgendwann nicht mehr ausgehalten, dass ich mich immer noch quäle. Ich sage immer, ich habe lebenslänglich."

Öffentlich über den Missbrauch zu sprechen, sei nun wie eine Befreiung für sie. Mit ihrem Buch will die 60-Jährige zeigen, welche Wunden Missbrauch in eine Seele reißen kann. Warum sie so lange wartete, bevor sie mit ihrem intimen Geständnis an die Öffentlichkeit ging? "Es war ein unglaublich langer Prozess." Lange hätten sie Ängste und Wahrnehmungsstörungen gequält, eine zehn Jahre lange Gesprächstherapie hätte ihr schließlich geholfen.

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