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Ruhm und Geld sind Phoenix egal. Foto: Steven C. Mitchell

Ruhm und Geld sind Phoenix egal. Foto: Steven C. Mitchell

Musik

Phoenix: "Momente des Scheiterns sind interessanter"

Manche Musikkritiker zählen Phoenix schon länger zu den wichtigsten Vertretern des zeitgenössischen Pop. Bereits ihr Debüt "United" aus dem Jahr 2000 wurde in der Fachpresse gelobt.

Berlin. 2009 veröffentlichte die französische Band ihr bislang letztes Album "Wolfgang Amadeus Phoenix", wofür sie sogar einen Grammy bekam.

Nun melden sich die Jungs aus Versailles zurück. "Bankrupt!" heißt die neue Platte. Die erste Single-Auskopplung, das euphorische "Entertainment", gab bereits einen Vorgeschmack auf die insgesamt zehn Songs, von denen der ein oder andere erst beim mehrmaligen Hören seine volle Wirkung entfaltet. Das Album habe mehrere Schichten, erklärt die Band. "Je öfter du es auflegst, desto mehr hörst und verstehst du, was dort passiert."

Monatelang hatten sich die vier Musiker zurückgezogen, gemeinsam experimentiert und verschiedene Sachen ausprobiert. "Man geht immer an ein Album heran, als sei es das Allererste überhaupt", sagt Sänger Thomas Mars der Nachrichtenagentur dpa.

Die Anfangszeiten liegen bei Phoenix schon eine ganze Weile zurück. In den 90er Jahren trafen sich Deck D'Arcy (Bass) und Christian Mazzalai (Gitarre) mit Mars in der Garage der Eltern, um gemeinsam Musik zu machen. Später kam Mazzalais Bruder Laurent Brancowitz als weiterer Gitarrist dazu, und in den Folgejahren ging es konstant nach oben. Auch wenn sie - und den vier Franzosen nimmt man diese Standard-Aussage sogar ab - es nie auf Ruhm und viel Geld abgesehen hatten. "Wir gehen unseren Weg und mehr und mehr Leute folgen uns. Es ist ein sehr gesunder Erfolg - eben weil er sich recht langsam entwickelt hat", sagt Mazzalai.

Daneben scheint die Harmonie auch privat zu stimmen. Sänger Mars - Neffe des deutschen Literaturkritikers Hellmuth Karasek - wohnt mit der Regisseurin Sofia Coppola ("Lost in Translation") und den gemeinsamen Kindern hauptsächlich in New York. Die drei anderen Bandmitglieder leben in Paris. Auch nach den vielen gemeinsamen Jahren fühlen sich die vier noch immer sehr eng miteinander verbunden. "Das war schon ein langer Trip. Das funktioniert nur, wenn man gut befreundet und nicht auf Geld fixiert ist", sagen Mars und Mazzalai.

Vielen Musikfans ist der typische Sound von Phoenix zwar bekannt, ein Top-Ten-Album oder der große Hit blieben bislang aber aus. Eine Tatsache, die die Band allerdings überhaupt nicht stört. "Natürlich haben wir Songs, die die Leute kennen. Aber wir haben nicht den einen Riesenhit. Dafür sind wir dankbar", sagt Mars. Das nämlich ermögliche enorme Freiheiten, da man nicht darauf reduziert werde, und die Fans bei Konzerten nicht nur auf dieses eine Lied warteten. Ohnehin mache Erfolg einen Menschen nicht spannender: "In allen Biografien sind die Momente des Scheiterns interessanter."

Jetzt aber stehen die Chancen nicht schlecht, dass Phoenix mit "Bankrupt!" beim breiten Publikum der große Durchbruch gelingt. Im Juni treten die vier bei Rock am Ring und Rock im Park auf. Und das Fachblatt "Musikexpress" urteilte jüngst über die neue Platte: "Möglicherweise ist es das Album, das entscheiden wird, ob die Mittdreißiger demnächst Millionenseller und Stadionrocker werden - oder weiterhin die Kunststudenten und After-Hour-Mädchen beglücken."

dpa