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Petra Schmidt-Schaller: "Man sollte die Trauerbinde wieder einführen"

"Ein fliehendes Pferd" (2007), "Balkan Traffic - Übermorgen Nirgendwo" (2008), "Tatort: Bluthochzeit" (2009), "Das geteilte Glück" (2010), "Sommer in Orange" (2011) - wenn Petra Schmidt-Schaller mitspielt, fällt sie auf.

Auch im TV-Film "Der Tote im Watt", den das ZDF heute Abend um 20.15 Uhr ausstrahlt, ist sie wieder der Hingucker. Die Nachrichtenagentur spot on news sprach mit der Schauspielerin über den spannenden Film, die 32-Jährige verriet aber auch, warum sie die Trauerbinde wieder einführen würde und wie es damals war in Berlin, bei ihrem ersten Kuss.

Frau Schmidt-Schaller, spielen Sie Cello?

Nein. Für die Szenen musste ich viel trainieren. Am Set haben wir den Bogen dann gut eingeölt und die Musik ganz laut gestellt, damit der Katzenjammer bloß nicht zu hören ist. Inzwischen habe ich aber ein Gefühl für das Instrument bekommen, trotzdem würde ich lieber Klavier lernen.

"Der Tote im Watt" ist ein Krimi, aber endlich mal nicht aus der Kommissar-Perspektive.

Genremäßig will der Film nicht nur ein Krimi sein, er ist auch ein Familiendrama und entwickelt sich sogar zu einem leichten Thriller.

Wie unheimlich ist es, in so einem Krimi oder Thriller mitzuspielen?

Eigentlich gar nicht. Solche Filme entstehen hauptsächlich über den Schnitt. Unheimlich wird es nur, wenn man Stunts selber machen oder irgendwo nachts in einem Gewässer sein muss. Das ist gar nicht mein Ding. Und ansonsten muss man ja jede Einstellung oft wiederholen und sehr konzentriert sein, da kann die Angst gar nicht so richtig aufkommen.

Wie ängstlich sind Sie sonst?

Was das Gruseln betrifft, da geht bei mir das Kopfkino ganz schnell an: Schließlich kann jemand in die Wohnung kommen, selbst wenn Fenster und Türen geschlossen sind, vielleicht durch einen Tunnel oder eine unbekannte Luke...

Der Film spielt im Wattenmeer. Welches ist Ihr liebster Landschaftstyp?

Bei mir ist es schon das Meer, deshalb waren die Dreharbeiten auch so schön. Aber eigentlich zieht es mich eher an ein Meer, in dem es nicht so viel Ebbe und Flut gibt. Wattwanderungen sind zwar schön, aber irgendwie finde ich das Fehlen des Meeres immer ein bisschen traurig.

Im Film gibt es viele spannende Beziehungsthemen. Eines ist zum Beispiel die Adoption. Wann sollte man das dem Kind sagen?

Ich glaube, man sollte von Anfang an so ehrlich wie möglich halten. Eine Freundin von mir ist zwar nicht adoptiert worden, aber bei ihrer Mutter und ihrem nicht leiblichen Vater aufgewachsen. Sie ist damit groß geworden, dass der zuhause ihr Papa ist und der andere ihr Erzeuger. So sieht sie das auch heute noch. Und dann habe ich noch zwei Freunde, die ein Kind adoptiert haben. Die beiden kommunizieren das auch ganz klar: Sie sind zwar Mama und Papa, aber es gibt auch noch die Menschen, von denen sie abstammt.

Von klein auf?

Ja, die Kleine ist jetzt drei und wird damit groß. Ich denke auch, dass man Kindern da viel zu wenig zumutet. Die können das viel besser einsortieren als wir meinen. Und wenn sie von Anfang an in dieser Welt groß werden, dann gibt es gar nichts anderes.

Eifersucht unter Geschwistern. Kennen Sie das?

Ich hab zwar Geschwister, aber das sind zwei Brüder und dann sind wir auch noch wahnsinnig weit auseinander. Mein großer Bruder ist 13 Jahre von mir entfernt und mein kleiner 16, da ist das eher nicht so. Bei meinem Freund beobachte ich das aber schon.

Gibt sich das irgendwann?

Also, meiner Meinung nach nicht. Im Gegenteil, es verstärkt sich eher. Und wenn man dann nicht offen darüber spricht, kann es echt ein Problem werden. Diese ständigen Vergleiche, da kann man als nicht Betroffene manchmal richtig staunen. Vielleicht ist es aber auch eine ganz normale Entwicklung, dass man seine Position immer wieder neu definieren muss, wenn sich in einer Familie etwas ändert: Wenn einer auszieht, müssen sie sich neu finden, oder wenn einer Vater wird.

Das Verhältnis Schwiegermutter-Schwiegertochter kann ja auch schwierig sein.

Ich habe eine ganz tolle Schwiegermutter, da habe ich wohl das große Los gezogen.

Gibt es ein Rezept dafür, behandeln Sie sich besonders?

Nicht unbedingt. Ich glaube aber auch, dass so ein Problem hauptsächlich auf der Seite der Schwiegermutter entsteht, wenn sie die Frau an der Seite des Sohnes nicht als würdig empfindet. Warum sonst sollte man mit der Mutter des Mannes konkurrieren? Dass sie immer ein wichtiger Teil von ihm ist, ist klar. Allerdings gibt es natürlich auch den Fall, dass die Schwiegermutter ausgegrenzt wird. Grundsätzlich trifft da halt Frau auf Frau und die mischen sich einfach mehr ein als Männer.

Ein anderes Thema ist der Umgang mit Trauer. Muss man bei einer Beerdigung weinen?

Ich hatte mal ein einschneidendes Erlebnis als meine Oma gestorben ist. Mein Bruder saß damals neben mir und hat mich mit dem Satz getröstet: "Du musst doch nicht weinen, das hätte Oma nicht gewollt!" Er hat deswegen nicht geweint. Ich konnte damit aber überhaupt nichts anfangen und hab nur noch mehr geweint. So unterschiedlich sind wir damit umgegangen. Das allerschlimmste wäre, Verhaltensregeln für so eine Extremsituation zu erfinden, weil das Thema in unserer Gesellschaft ja eh so schwierig ist. Mit einem Knigge würde es einen wahrscheinlich emotional komplett aus der Bahn werfen.

Sollte der Tod in unserer Gesellschaft mehr Platz haben?

Ja. Es ist doch ein ganz großes Gut, wenn man versteht, dass es ein Ende zu diesem Leben gibt. Und dass es auch schön ist, wenn man jemanden begleiten und verabschieden kann. Außerdem fände ich es gut, wenn man wieder so eine Art Trauerbinde tragen könnte wie früher. Auf diese Weise wüssten die Gegenüber ohne vieler Worte: "Tut mir leid, dass ich mich zur Zeit nicht so verhalten kann, wie ich es vielleicht normalerweise tun würde. Ich trage gerade Trauer, mir ist gerade das Herz gebrochen."

Affären brechen einem auch das Herz. Viele Ehepartner bleiben trotzdem zusammen, Ihre Filmmutter ja sogar ein ganzes Leben lang. Wie lange könnten Sie sowas aushalten?

Wenn man sich mit dem Partner nicht auf eine offene Beziehung einigt, und eine Affäre herauskommt, zerbricht etwas zwischen zwei Menschen. Meine Filmmutter hat eine Entscheidung getroffen für die ganzen äußeren Umstände, das Haus, ihre Rolle in der Gesellschaft, für den Schein. Aber für das Sein hat sie sich komplett abgeschnitten. Die Beziehung von den beiden ist auch dadurch kaputtgegangen. Ich glaube also nicht, dass man Affären aushalten muss. Wenn das herauskommt, sollte man das schnellstens klären oder sich trennen, jedenfalls handeln.

Letzte Frage, wie war Ihr erster Kuss?

Das war im Sommer in einem Berliner Park an einem ganz kleinen See unter einem Baum, umgeben von vielen Sträuchern. Ich war 13 und hab mich danach ganz erwachsen gefühlt. Es war sehr schön, wie in einem Liebesfilm, und für mich ein Meilenstein in der Geschichte.

(ili/spot)