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Die italienische Rockröhre Gianna Nannini. Foto: Britta Pedersen

Die italienische Rockröhre Gianna Nannini. Foto: Britta Pedersen

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"O sole mio" - Nannini interpretiert Italo-Hits neu

Die italienische Sängerin und Songschreiberin Gianna Nannini hat erstmals nicht ihre eigenen Songs aufgenommen. In ihrem jüngsten Album "HItalia", das im Dezember auf den Markt gekommen ist, singt die 58-Jährige bekannte italienische Hits unter anderem der 1960er bis 1980er Jahre, die sie mit rockigen Rhythmen und der typisch rauchiger Stimme neu interpretiert.

München. t. Auch der Klassiker schlechthin, "O sole mio", aus dem 19. Jahrhundert ist dabei.

Auf der "Rock meets Classic"-Tournee mit anderen Rockgrößen will sie einige dieser Hits auch in Deutschland präsentieren. "Ich wollte ihnen einen neuen Klang, ein neues Kleid, einen neuen Rhythmus geben - einen rockigen Rhythmus", sagt sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München.

Frage: Welches Ziel haben Sie mit diesem Projekt ?

Antwort: Die meisten Lieder sind heute nicht über die Grenzen Italiens hinaus populär - das finde ich schade. Zum Beispiel italienische Opern sind immer auch im Ausland aufgeführt worden. Die italienischen Hits im Original hingegen mehr oder weniger in den Grenzen Italiens geblieben. Sie waren hier vielleicht noch etwas für Touristen, aber sie sind im Ausland, wenn je, dann in englischen Coverversionen bekanntgeworden. Ich will ihnen jetzt international einen neuen Schub geben. Es ist eine Wiederentdeckung - für die Zukunft. Ich habe dieses Album nicht für mich gemacht, sondern auch für Italien.

Frage: Welche Themen sind Ihnen heute besonders wichtig?

Antwort: Wichtig ist auf jeden Fall das Thema von "Dio è morto" (Francesco Guccini, 1967). Das Lied greift die großen Probleme in unserer Gesellschaft auf. Es geht um den Hass, der immer neu geschürt wird, den neuen Rassismus. Dieses Lied vermittelt große Hoffnung. Ich wollte damit zeigen, dass es andere Möglichkeiten gibt, positiv zu denken.

Frage: Was ist Ihr nächstes Projekt?

Antwort: Zuerst kommt die Tour "Rock meets Classic". Das ist sehr speziell, weil ein großes klassisches Orchester mit Chor und Rockband dabei ist. Ich habe das immer gewollt, eine Begegnung: Rock trifft Klassik. Im Mai 2015 starte ich dann mit den neuen Songs meine eigene Tournee "Hitalia.Rocks".

Frage: Haben Sie schon ein nächstes Album in Arbeit?

Antwort: Ich bin dabei. Es gibt schon komplett fertige Songs. Aber ich muss sie noch aufnehmen.

Frage: Sie haben sich immer für Emanzipation, für Gleichberechtigung eingesetzt - wie steht es darum heute?

Antwort: Die Zeiten haben sich geändert. Befreiung bedeutet, sich nicht Rollen unterzuordnen - oder das Dummchen zu machen. Es hat sich viel verändert. Es ist nicht mehr so wichtig, ob man ein Mann oder Frau ist. Es sitzen Frauen in Regierung, leiten Krankenhäuser - in Deutschland haben Sie ja eine Regierungschefin. Die Frauen sind viel stärker geworden. Man darf aber nicht vergessen: Sie waren das eigentlich immer, aber jetzt haben sie den Mut, es auch zu zeigen.

Frage: Wie geht es Ihrer Tochter Penelope - ist sie in München?

Antwort: Nein, sie ist nicht dabei. Sie ist zu Hause geblieben. Sie hat Husten. Ich habe sie ja schon mit zu Konzerten genommen als sie ein Jahr alt war. Da hatte sie eine Wiege mit der Aufschrift "Rock". Jetzt sagt sie immer: Nein, ich hab keine Lust, auf Konzerte mitzugehen. Denn alle wollen mich fotografieren. Das nervt mich.

Frage: Sie haben immer gefordert, dass man Frauen keine Vorschriften machen kann, wann sie ihre Kinder bekommen. Sind sie nicht irgendwann zu alt?

Antwort: Nein, das ist schon im Evangelium enthalten. Es hängt vom eigenen Stand ab, wie jung oder alt man ist. Der beste Moment ein Kind zu bekommen, wann man reif dafür ist, kann jederzeit sein. Auch mit 50 oder 60.

ZUR PERSON: Gianna Nannini (58) gehört heute zu den bekanntesten Rockstars Italiens. Vor allem zu Beginn ihrer Karriere galt sie als Ultra-Feministin. Ende der 1970er Jahre löste sie in Italien einen Skandal aus, weil das Cover ihres Albums "California" die Freiheitsstatue mit einem in den Himmel gereckten Vibrator zeigte. Im Jahr 2010 machte Nannini Schlagzeilen ganz anderer Art, als sie im Alter von 54 Jahren ihre Tochter Penelope zur Welt brachte.

dpa