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Nichts für Langschläfer: In den frühen Morgenstunden spielt eine Jazzband auf dem obersten Deck eines Schiffes auf dem Hudson River in New York.

Nichts für Langschläfer: In den frühen Morgenstunden spielt eine Jazzband auf dem obersten Deck eines Schiffes auf dem Hudson River in New York. © Verena Lingel)

Gesellschaft

New York tanzt morgens vor der Arbeit

Morgens um halb sieben auf einem Boot vor der Skyline von Manhattan. Während der graue Himmel immer heller wird klatschen Hunderte Menschen auf dem obersten Deck des bunt beleuchteten Schiffs begeistert im Takt.

New York. Dann setzt leichter Regen ein, die Menschen reißen die Arme in die Höhe, fangen die Tropfen auf und jubeln. Einige wirken noch verschlafen, andere geben sich schon mit vollem Körpereinsatz der Elektro-Musik hin. Stepptänzer, Akrobaten und eine Jazzband wandern von Deck zu Deck. Aus dem ablegenden Schiff brummt ein dumpfer Bass über den Hudson River.

"Tanzen ist der beste Weg, um in den Tag zu starten", sagt die 24-jährige Brittany Johnson. "Und heißer Kaffee", ergänzt ihr gleichaltriger Freund Colby Howard, der gerade den Blick auf die Freiheitsstatue genießt. Heißen Kaffee sucht er allerdings vergeblich, denn nach Angaben der Veranstalter wäre so etwas auf der Tanzfläche zu gefährlich. Anstelle dessen gibt es kalten Bio-Kaffee aus der Glasflasche, Energy- und Wellness-Drinks - und auf gar keinen Fall Alkohol.

Die meisten anderen Bewohner der Millionenmetropole dürften um diese Zeit noch schlafen, oder so langsam in den Tag starten. Aber Johnson, Howard und mit ihnen Hunderte andere in Anzügen, Sportkleidung oder extravagantem Federkopfschmuck sind schon auf der Tanzfläche.

Seit einigen Monaten gibt es die "Pre-Work-Partys" in New York, auch in Metropolen wie London und Berlin werden sie schon gefeiert. "Unsere Party soll Menschen zusammenbringen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden, die auch gerne nüchtern feiert und tanzt", sagt Radha Agrawal, die die New Yorker Partyreihe "Daybreaker" organisiert.

Einen Teil der Ticketkosten von je 35 Dollar (rund 31 Euro) spenden die Veranstalter diesmal für die Bedürftigen nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal Ende April und den anschließenden Nachbeben mit inzwischen mehr als 8600 Toten. Auch ein Freund der Veranstalter, der "Google"-Manager Dan Fredinburg, kam dabei ums Leben. Er hatte gerade versucht, den Mount Everest zu besteigen und wollte dabei Geld für Waisenhäuser in Nepal sammeln. Rund 6000 Dollar spenden die Partygänger in New York in seinem Gedenken.

"Dan hat das Leben gefeiert und diese Veranstaltung ist eine Hommage an seine außergewöhnliche Persönlichkeit", sagt Veranstalterin Radha. "Es geht darum, das Leben zu feiern - gerade wenn etwas Schreckliches passiert ist, sollte man positiv bleiben. Spenden sammeln ist ein guter Weg und sicherlich besser als traurig zu sein und nichts zu tun", sagt auch Teilnehmerin Natalia Mazzuchelli auf der Tanzfläche. Dann legt das Boot an, die 27-Jährige steigt aus und geht - noch leicht verschwitzt - zur Arbeit.

dpa


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