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Andrea Nahles.

Andrea Nahles.
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Auszeichnung

Nahles löst Wanka als Kohlkönigin ab

Bundesministerin - das ist schon was. Bundesarbeitsministerin Nahles darf sich jetzt aber ein Jahr lang auch Oldenburger Grünkohlkönigin nennen. Das klingt doch gleich ganz anders. Dabei ist die SPD-Frau in Sachen Grünkohl eine Spätberufene.

Berlin. Andrea Nahles ist ihrem SPD-Parteifreund Frank-Walter Steinmeier einen wesentlichen Schritt voraus. Denn während Steinmeier erst am 19. März ins Schloss Bellevue einzieht und Bundespräsident wird, darf sich Nahles bereits seit Montagabend Staatsoberhaupt nennen. Als neue Oldenburger Grünkohlkönigin wurde sie oberste Repräsentantin der Freunde dieses Wintergemüses, die vor allem in Norddeutschland anzufinden sind. Und das, obwohl Nahles gestand: „Mir war Grünkohl lange suspekt.“ Und: „Bei mir in der Eifel halten die Menschen Grünkohl für eine Zierpflanze.“

 

Doch die SPD-Frau, die sich in Sachen Grünkohl einen „Konvertiten“ nennt, nahm den bereits zum 60. Mal vergebenen Titel „in großer Demut und Dankbarkeit“ an. Und sie versprach ihren Untertanen: „Ich werde Sie, das gelobe ich heute Abend, nicht enttäuschen.“

 

Damit bleibt der Posten in weiblicher Hand - und in den Reihen des Bundeskabinetts. Denn Nahles übernahm ihn beim „defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ (deftiges Oldenburger Grünkohlessen) in der Vertretung des Landes Niedersachsen in Berlin von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Sie musste nach einem Jahr turnusmäßig abdanken, was sie mit einem „Danke, es war mir eine Ehre“ tat.

 

Vor der Kür der neuen Kohlkönigin ließ Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) den rund 280 Gästen Deftiges auftischen: 200 Kilo Grünkohl, 95 Kilo Kasseler, 60 Kilo Fleischpinkel, 50 Kilo Kochmettwurst und 38 Kilo geräucherter Speck. Zur süßen Abrundung gab es rote Grütze mit Vanillesoße. Heruntergespült wurde alles mit herbem friesischem Bier. Schnaps sollte bei der Verdauung helfen.

 

Wie lobte doch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): Das Oldenburger Grünkohlessen sei unter den vielen Standortmarketing-Terminen in der Bundeshauptstadt etwas ganz Besonderes. „Hier gibt es kein Chichi. Hier ist ein robuster Magen gefragt. Und eine gesunde Leber. Denn die kriegt Arbeit.“

 

Seit 1956 nutzen die Oldenburger das Grünkohlessen, um für ihre Stadt und Region zu werben. Kanzler, Ministerpräsidenten, Landes- und Bundesminister, Partei- und Fraktionsvorsitzende sowie EU-Kommissare wurden seitdem auf den Grünkohlthron gesetzt. Nur 1962 bei der Hochwasserkatastrophe und 1991 im Golf-Krieg fiel das Essen aus.

 

Nicht fehlen durfte gerade im Bundestagswahljahr 2017 der Hinweis, dass Oldenburger Grünkohlkönige später oft beachtliche politische Karrieren hingelegt haben. Wobei die scheidende Amtsträgerin Wanka noch einen weiteren Vorzug offenbarte: „Politische Ämter muss man sich erkämpfen.“ Das sei nicht immer einfach. „Zur Grünkohlkönigin wird man einfach gekürt. Und das ist auch mal schön.“

 

Und wie kam nun Nachfolgerin Nahles auf den Geschmack? „Es waren tatsächlich die Oldenburger, die mich zu diesem Gemüse bekehrt haben“, berichtete sie nach ihrer Kür. Mit 25 Jahren sei sie als frisch gewählte Juso-Bundesvorsitzende in Oldenburg erstmals in den Genuss von Grünkohl gekommen. Das Ergebnis war offenbar überzeugend. Denn inzwischen sagt Nahles: „Ich bin heute überzeugter denn je: Ich will nur in einer Welt mit Grünkohl leben.“

Von Ulrich Steinkohl, dpa


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