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Prominenter Filmstart

Mystery-Klassiker: Rachel Weisz ist „Meine Cousine Rachel“

Daphne du Mauriers obsessive Liebesgeschichte „Meine Cousine Rachel“ von 1951 hat „Notting Hill“-Regisseur Roger Michell fürs Kino entdeckt. Mit einer bildschönen Rachel Weisz in der Titelrolle. Und überhaupt sehr ästhetisch, aber eher unspektakulär erzählt.

Cornwall. Hamburg (dpa) – Dank ihrer romantischen, mysteriösen und abenteuerlichen, dabei stets sehr englischen Erzählungen war sie zu ihrer Zeit weltweit eine heißgeliebte Schriftstellerin. Und eine der am meisten verfilmten: Nach Büchern von Daphne du Maurier (1907-1989) schuf ihr Landsmann Alfred Hitchcock etwa in Hollywood seine Wahnsinnserfolge „Rebecca“ (1940) und „Die Vögel“ (1973). Und auch Nicolas Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ von 1973 mit Donald Sutherland und Julie Christie geriet zum Kultfilm.

Unvergessen bei älteren Filmfans ist außerdem Henry Kosters Romanadaption „Meine Cousine Rachel“ aus dem Jahr 1952 mit den damaligen Superstars Olivia de Havilland und Richard Burton. In den 80ern machte die BBC aus dem Stoff eine Mini-Fernsehserie. Bis heute scheint die Faszination der psychologisch abgründigen Lovestory der du Maurier – im wahren Leben Lady Browning mit drei Kindern und zu versteckenden bisexuellen Neigungen – nicht erloschen: Nach dem Skript und unter der Regie des „Notting Hill“-Machers Roger Michell kommt „Meine Cousine Rachel“ mit der verführerisch schönen Rachel Weisz („Ewige Jugend“) in der Titelrolle am Donnerstag (7. September) erneut in die Kinos.

Der Film ist ein ästhetisches Fest für die Freunde britischer historischer Literaturverfilmungen. Mit viel Geschmack und Feinsinn setzt Michell das Ambiente des Landlebens im frühen 19. Jahrhundert um. Mit prachtvollen Landhäusern und malerischer Landschaft, aber auch der harten Arbeit der Bevölkerung und einer Kargheit, die teils selbst auf noblen Herrensitzen herrschte. Die Geschichte lebt von den wendungsreichen Zweifeln, die der blutjunge Gutsbesitzer Philip (Sam Claflin, „Die Tribute von Panem“) an der von ihm angebeteten reiferen Verwandten Rachel hegt. Hat die Halbitalienerin etwa in Florenz seinen reichen Vormund Ambrose ermordet?

Ist sie Berechnung pur? Will sie sich nun auch an seinem Besitz vergreifen? Von solchen Fragen wird der unerfahrene Philip, der bei Claflin denn auch wie ein unbeschriebenes Blatt wirkt, immer wieder gequält. Er nimmt sich vor, die Frau zu hassen, als sie sich zum Besuch bei ihm in Cornwall ansagt. Stattdessen verfällt er der selbstbewussten und freizügigen Rachel immer wieder - und schenkt ihr Werte, die dem Unmündigen noch nicht einmal gehören. Sehr zum Kummer der hübschen Nachbarstochter Louise (Holliday Granger, „Cinderella“), die ihn liebt. Bis Philip eines Tages plötzlich und unerklärlich erkrankt.

Ganz anders als sein Vorgänger Koster prunkt der Regisseur bei alledem nicht mit Melodramatik. Michell erzählt seine Du-Maurier-Version eher nüchtern, fast modern. Statt emotionaler Paukenschläge erlebt der Kinobesucher eine Abfolge von Alltagsszenen und Begegnungen, die erotische Spannung sowie das aufgewühlte Innenleben Philips meist nur andeuten. So keimt der Verdacht, dass es vor allem am Betrachter und dessen Fantasie selbst liegen dürfte, ob er sich von dem zwielichtigen Geschehen denn packen lässt oder nicht.

Von Ulrike Cordes, dpa