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Michael Mendl: "Neid ist mir zu biblisch"

Im TV-Film "Krokodil" (Karfreitag, ZDF, 21.15 Uhr) spielt Michael Mendl den besten Freund von Mario Adorf. Als der sich in eine wesentlich jüngere Zufallsbekanntschaft verknallt, tickt Gabriel (Mendl) aus.

Über seine eigenen Männerfreundschaften hat der 68-Jährige mit spot on news gesprochen, aber auch über Eifersucht, Neid, Ehrgeiz und sein Osterfest 2013.

Herr Mendl, pflegen Sie Männerfreundschaften?

Ich habe zwei sehr wichtige Freunde. Mein richtig dicker Freund ist auch ein Schauspieler, er hat aber am Theater gespielt und ist mittlerweile pensioniert. Wir lernten uns am Theater in Darmstadt kennen. Dann ging ich nach Stuttgart, er nach Saarbrücken. Trotzdem hält diese Freundschaft jetzt seit 35 Jahren. Wir haben gerade wieder zusammen in Griechenland Urlaub gemacht.

Was verbindet Sie?

Auch das Berufliche, das uns künstlerisch verbindet, weil wir beide die gleichen Ambitionen haben, Dinge auszudrücken. Wir wählen auch nach ähnlichen Kriterien aus, was wir machen, was nicht. "Wo ist Gehalt drin?", lautet die zentrale Frage. Darüber müssen wir uns auch nicht lange unterhalten, wir haben einfach diese gemeinsame Ebene, die man auch haben muss, sonst funktioniert keine Freundschaft und der andere ist eher ein sehr guter Bekannter.

Und der andere wichtige Freund?

Das ist ein Schulfreund, mit dem ich die gesamte Zeit über befreundet war, als ich in Mannheim und Ludwigshafen aufwuchs. Er hat zwar mit mir noch Statisterie gemacht, ist dann aber Biologie-Professor geworden, hat einen Weinberg und führt ein vollkommen anderes Leben. Wir sehen uns so drei, vier Mal im Jahr. Entweder kommt er zu meinem Geburtstag nach Berlin oder ich zu seinem nach Heidelberg. Dann gehen wir auf seinen Weinberg und quatschen. Das ist auch eine ganz wunderbare Beziehung.

An einer Stelle im Film "Krokodil" beschimpfen Sie ihren Filmfreund ja ganz schön. Verträgt eine Männerfreundschaft so etwas?

Ja, weil beide ja im Grunde genommen wissen, dass es um etwas ganz anderes geht. Ich glaube, wenn Frauen so miteinander reden würden, wäre die Freundschaft sofort kaputt.

Wie ehrgeizig sind Sie?

Ich glaube nicht, dass ich ehrgeizig bin. Ich versuche, konstruktiv zu denken und meinen Standpunkt dann auch durchzusetzen. Das habe ich auch 25 Jahre lang am Theater so gemacht. Ich habe mich mit Intendanten gezofft, um für das Ensemble etwas durchzusetzen. Dabei ging es aber immer um etwas Konstruktives, nie darum, etwas kaputt zu machen oder für mich persönlich etwas aufzubauen. Ich bin kein Speichellecker oder Fußabtreter und schon gar kein Ellenbogenmensch. Allein das spricht schon mal gegen den Ehrgeiz.

Bis Sie sich vor vier Jahren getrennt haben, waren Sie ja 21 Jahre lang mit Carolin Fink zusammen, die auch Schauspielerin ist. Welche Rolle spielte das Thema Eifersucht?

Ich kann mich erinnern, als sie damals in ganz jungen Jahren "Heimat" gedreht hat, da gab es eine Szene mit Gruppensex, da war ich eifersüchtig. "Wie macht ihr das? Und ihr liegt da wirklich nackt aufeinander?", wollte ich wissen und wurde dabei sicher ganz bleich im Gesicht. Sie hat mich dann zwar beruhigt, aber die Vorstellung, sie springen da jetzt alle splitternackt herum und legen sich zu sechst ins Bett... Und ich bin bei Gott nicht prüde, aber irgendwie war ich da halt eifersüchtig.

Wie bekommt man das dann in den Griff?

Schwer. Als ich den Film hinterher gesehen habe, war es natürlich gar nicht so schlimm. Grundsätzlich kann man aber wohl nichts dagegen machen. Das musste ich halt schlucken.

Wie sieht's mit Neid aus?

Neid gab es bei Carolin und mir natürlich nie, weil sie ja eine Frau ist, ein ganz anderer Jahrgang und wir uns so natürlich nichts wegspielen konnten. Neidisch bin ich aber auch sonst nicht, wenn mir zum Beispiel ein Kollege eine Rolle wegspielt, vor allem dann nicht, wenn es ein guter Kollege ist. Weil das ja nicht absichtlich passiert, er wird halt dann von der Produktion oder vom Casting vorgeschlagen. Natürlich hab ich schon mal gedacht: "Hmm, da hätte man mich aber auch nehmen können." Aber grundsätzlich ist mir Neid ein zu heftiges Wort, zu biblisch.

Was halten Sie denn vom Papstrücktritt?

Ich glaube die ganze Geschichte nicht. Für sein Alter ist er körperlich und geistig so gut drauf. Da gab's vermutlich einfach Krach im Vatikan. Das haben wir ja alles nur so am Rande mitbekommen. Eine Tagesgeschichte und weg war das Thema. Das ist doch das beste Zeichen dafür, dass da etwas nicht stimmt. Eine Woche später tritt er zurück - Nachtigall, ick hör dir trapsen. Entweder wollte er etwas nicht decken oder er hat mehr gewusst. Da sind ja Orgien gefeiert worden, mit Alkohol und homosexuellen Partys und so.

Welche Rolle spielt die Religion in Ihrem Leben?

Ich bin ja der Sohn eines katholischen Priesters und habe dadurch natürlich eine sehr gespaltene Meinung über die Gesetze dieser Kirche. Anstatt meine damals schwangere Mutter zu unterstützen, hat die katholische Kirche sie verteufelt, so als ob sie den Priester verführt hätte. Das ist genauso ein Schwachsinn, wie wenn man sagt: "Wenn du einen Minirock anhast, musst du dich nicht wundern, wenn du vergewaltigt wirst". Das ist der falsche Denkansatz und das ist vor allem kein Benehmen.

Gegen die kirchlichen Gesetze haben Sie Bedenken, wie sieht's denn mit dem Glauben aus?

Ich mag die Katholiken etwas lieber, weil sie einfach unterhaltsamer sein können. Sie sind nicht so spartanisch wie die Evangelen. Es ist ja nicht so, dass ich mit der Kirche gebrochen hätte. Ich hab ja auch schon oft in einer Kirche gelesen. Man kann diese ganzen Geschichten aus der Bibel ja auch wirklich spannend erzählen. Und ich meine, das sollte man auch.

Während der Fastenzeit lesen Sie auch in einem Internetradio.

Ja, auf katholisch.de, da bin ich jeden Tag während der Fastenzeit zu hören. Quasi als Spende lese ich aus einem Buch, das ein befreundeter Pater geschrieben hat.

Das machen Sie bis Ostersonntag. Wie läuft das Osterfest sonst bei Ihnen ab?

Es ist, wenn es irgendwie geht, ein Familienfest. Ostern vor ein paar Jahren haben wir unseren jüngsten Sohn, Marlon, taufen lassen. Er war damals vier Jahre alt. Das war ein grandioses Fest mit Osterfeuer morgens um fünf Uhr. Der Pfarrer war wunderbar, er nahm den Kleinen an die Hand und ging mit ihm durch die ganze Kirche und sagte: "So, jetzt stelle ich dich der ganzen Gemeinde vor." Das war unheimlich berührend... Da ich ja nun allein in Berlin lebe, kommen mich beide Kinder vielleicht besuchen. Vor zwei Jahren war Marlon auch da.

Feiern Sie solche Feste wie Ostern oder Weihnachten inzwischen generell eher getrennt?

Nicht unbedingt, an Weihnachten bin ich zum Beispiel für zwei Tage in meine alte Familie zurückgekehrt.

Sie haben ja auch beim Doppeltatort "Wegwerfmädchen" und "Das goldene Band" mitgespielt. Das Thema "Reiche, mächtige oder wichtige Männer treffen sich in Villen und feiern Orgien mit viel zu jungen Mädchen" ist derzeit im TV sehr präsent. Wie real und weit verbreitet ist das denn?

Keine Ahnung, aber man hört und liest es ja ständig. Ich glaube auch, dass das Internet eine ganz furchtbare Plattform für diesen Mist ist, das die Leute aufgeilt und zu Fantasien verführt. Ich bin kein Moralprediger, aber ich verstehe das wirklich nicht.

Und das, obwohl Sie vom Sexualtriebtäter bis zum Papst alles gespielt haben, und sich entsprechend in diese Personen hineinversetzen mussten?

Ja. Trotzdem kann ich nicht kapieren, was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht. Natürlich haben Mädchenhandel und Prostitution auch etwas mit Armut und Kapitalismus zu tun. Dadurch werden Menschen unfrei und manchmal zu schrecklichen Dingen gezwungen. Insofern finde ich es sehr gut, dass das Thema gerade gehäuft am Bildschirm erscheint.

(ili/spot)