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Armin Rohde

"Mich wird man nie betrunken erleben"

Über 70 Filme hat Armin Rohde in seiner Karriere bereits gedreht. Seit 2003 steht er als Kommissar Erichsen für die erfolgreiche Krimi-Reihe "Nachtschicht" vor der Kamera.

Am Montag zeigt das ZDF die elfte Folge der Reihe, "Nachtschicht - Geld regiert die Welt" (20.15 Uhr). Darin endet ein Kiez-Männerabend tödlich und Kommissar Erichsen steckt mittendrin...

Herr Rohde, im Film lassen Sie es auf einem Männerabend richtig krachen - wie sieht denn bei Ihnen privat so ein Männerabend aus?

Dafür habe ich gar keine Zeit, ehrlich gesagt. Mit dem Alkohol habe ich es sowieso nicht so, ich trinke schon mal gerne zum herzhaften Essen ein Glas Bier, vielleicht auch mal zwei. Ich trinke auch gern mal ein, zwei Gläser Wein. Man wird mich aber niemals betrunken erleben, und in der Öffentlichkeit schon gar nicht.

Die Zeiten, als Sie noch um die Häuser gezogen sind, sind vorbei?

Um die Häuser ziehen würde ich sehr als Vergangenheitsthema ansehen.

Anders als bei Kommissar Erichsen, der dem Alkohol immer mehr verfällt. Was macht Ihnen denn am meisten Spaß an dieser Rolle?

Die nichtvorhandene Selbstreflektion der Figur. Der denkt nicht über sich selbst nach, fragt nicht, kommt das gut an, was ich tue? Wie sehr mögen mich andere? Wie richtig oder wie falsch ist das, was ich tue - was sich ein normaler Mensch im Leben ja so fragt. Wie gehe ich mit anderen Menschen so um, dass ich kompatibel bin? Das fragt er sich alles nicht. Der macht sein Ding, der ist Bulle bis auf die Knochen. Obwohl er in dieser Folge etwas berufsmüde ist, den ganzen Kram und Krempel am liebsten hinschmeißen würde. Er ist wieder mehr als früher beim Alkohol gelandet, was ihm auch Probleme schafft. Und wenn man sich das am Ende mal anschaut und nachrechnet, dann kommt man darauf, dass er während der Spielhandlung mindestens 48 Stunden lang nicht geschlafen hat.

Erichsen legt es darauf an, gekündigt zu werden. Planen Sie etwa den Ausstieg aus der Reihe?

Nein, die Absicht besteht nicht. Es gibt auch keine Pläne, diese Reihe einzustellen.

"Geld regiert die Welt" ist bereits der 11. Film aus der "Nachtschicht"-Reihe - was macht ihren Erfolg aus?

Eigentlich bin ich der falsche Gesprächspartner, um darauf wirklich eine schlüssige Antwort zu geben. Da müsste man das Publikum oder auch die Kritiker befragen. Ich kann nur sagen, mir macht es einen Heidenspaß diese Rolle zu spielen. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen, welche Wundertüte Lars Becker mit seinem nächsten Drehbuch für uns öffnet. Ich habe allerdings auch ein bisschen Bammel vor diesen endlos langen Nächten, in denen wir drehen. Wir drehen ja fast in Echtzeit.

Sie drehen also fast nur nachts?

Zum Großteil ja. Die Tageszeit, die man im Film sieht, ist meistens auch die echte Tages- bzw. Nachtzeit.

Im Film ist auch Til Schweigers zukünftiger "Tatort"-Kollege Fahri Yardim zu sehen. Wann geben Sie Ihren Einstand als "Tatort"-Kommissar?

Na ja, es ist ja schon mehrfach versucht worden, mich zum "Tatort"-Kommissar zu machen. Der letzte Versuch liegt mittlerweile aber auch schon mindestens zehn Jahre zurück, wenn nicht noch länger. Ich sah darin nicht den richtigen Weg für mich. Aus zwei unterschiedlichen Gründen: Zum einen hatte ich Angst davor, dieses Prädikat "Tatort"-Kommissar zu tragen und den damit einhergehenden Bekanntheitsgrad. Dass man dann hauptsächlich als "Tatort"-Kommissar bekannt ist und vergessen wird, dass man auch noch alle möglichen anderen Rollen gespielt hat. Das wollte ich nicht. Und dann ist es auch so, "Tatort"-Kommissare drehen zwei bis drei "Tatorte" pro Jahr. Und auch das würde verhindern, oder mich zumindest stark einschränken in meinen Möglichkeiten, noch andere Rollen zu übernehmen. Beide Überlegungen haben mich dann wirklich in allerletzter Sekunde davon abgehalten, meine Unterschrift unter den "Tatort"-Vertrag zu setzen.

Was halten Sie von den "Event-Tatorten" mit Schweiger, Ulmen und Co.?

Ich bin mal gespannt darauf, was die da hinzaubern. Ich lasse mich gerne überraschen.

Sie sind Buddhist - wie spiegelt sich das in Ihrem Alltag wider?

Ich habe meine eigene Meditation, das ist aber mehr eine Qi-Gong-Meditation als eine pure buddhistische Meditation. Ich habe in meinem Haus auch diverse Buddha-Figuren aufgestellt, einfach weil ich das sympathisch finde. Dieser Mann mit Bauch, der so still vergnügt vor sich hin lächelt, gefällt mir einfach. Aber ich könnte Ihnen weder das große noch das kleine Rad des Buddhismus aufzählen. Ich glaube auch nicht daran, dass ich eines Tages als Krokodil oder Kaktus wiedergeboren werde. Das einzige wirklich Buddhistische an mir ist, dass ich auch in Extremsituationen versuche, Ruhe zu bewahren.

Meditieren Sie denn täglich?

Nein, ich bin oft schlampig damit. Ich mache verschiedene Übungen mit einem langen Stab aus Rosenholz. Erst mal sind die gut für den Rücken. Und dann sind sie auch einfach gut für die Seele. Und die kann man auch so machen, dass Umstehende das nicht einmal mitkriegen.

Seit Ihrer Heirat vor über 15 Jahren tragen Sie auch den Adelstitel Baron von Schilling, hat das Ihr Leben irgendwie verändert?

Das spielt im Alltag überhaupt keine Rolle. Das ist ein Namenszusatz, der steht in meinem Reisepass und im Ausweis. Das ist eher etwas, das im praktischen Leben manchmal sogar hinderlich sein kann. Als kleines Beispiel: Auf dem Einreise-Formular für die USA passt mein Name gar nicht rein. Ich habe mir einmal erlaubt, das "von" im Namen durch "v." abzukürzen und der Einwanderungsbeamte sagte, warum steht da "v." im Ausweis und nicht "von"? Und ich sagte, es ist eine Konvention in Deutschland, das abzukürzen. Darauf meinte er wiederum, kann ja sein, aber Sie sind hier in den Vereinigten Staaten. Man hat mich dann zwar trotzdem einreisen lassen, aber es hat eine halbe Stunde länger gedauert, als es hätte sein müssen.

Werden Sie denn noch oft auf ihre Durchbruchsrolle "Bierchen" in Sönke Wortmanns "Kleine Haie" angesprochen?

Ich staune manchmal immer noch, wenn mir jemand von der anderen Straßenseite zuruft: Hey, Bierchen! Das ist über zwanzig Jahre her, das ist ein bisschen so der Winnetou-Effekt. Einmal Winnetou, immer Winnetou, aber ich habe gelernt, damit zu leben.

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