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Waldemar Hartmann

"Mein Rentenantrag ist ausgefüllt"

Sportreporter-Legende Waldemar Hartmann (65) rekapituliert in seinen Memoiren "Dritte Halbzeit - Eine Bilanz" ohne Blatt vor dem Mund aber immer sehr unterhaltsam seine Karriere.

Dabei begeht er auch das eine oder andere "taktische Foul", wie er es nennt. Die Nachrichtenagentur spot on news hat sich mit "Weißbier-Waldi" über sein Buch, die Reaktionen darauf, und natürlich den Sport unterhalten.

Herr Hartmann, in Ihrem Buch bekennen Sie sich ja leidenschaftlich zum gesprochenen Wort, immer lieber mit dem Mikrofon unterwegs als hinterm Schreibtisch. Wie kommt es, dass Sie sich in den letzten Jahren noch aufs Bücher schreiben verlegt haben?

Na ja, das ist für einen Journalisten ja nicht ganz so ungewöhnlich. Die "Dritte Halbzeit" ist eine Bilanz meiner 35 Jahre bei der ARD, die ich als Jungrentner jetzt gezogen habe. Vorher habe ich "Born to be Waldi" als Begleitbuch für mein gleichnamiges Bühnenprogramm verfasst. Die Schreibtischarbeit als Redaktionsleiter beim BR war ja meist administratives und organisatorisches Arbeiten. Das war eher nicht mein Wetter.

In so gut wie jedem Kapitel merkt man, dass Sie noch mehr zu erzählen hätten. Sind weitere Bücher geplant?

Das kann gut sein. Jedenfalls hat der Heyne-Verlag schon mal angeklopft.

Sie waren ja kürzlich auf der Leipziger Buchmesse, wo auch andere Promis ihre Memoiren vorgestellt haben, wie etwa Heiner Lauterbach. Werden da Tipps und Erfahrungen ausgetauscht?

Ich habe dort niemand getroffen. Heiner Lauterbach kenne ich auch ohne Buch schon lange. Aber über unsere Schreibergüsse haben wir uns noch nicht ausgetauscht.

Eine große Frage bleibt ohnehin offen: Warum musste eigentlich Ihr auch fast schon legendärer Schnauzbart weichen?

Das war ein "Rasierunfall" vor 14 Jahren. Schon interessant, dass das heute noch eine Frage wert ist.

Der Begriff "Dritte Halbzeit" wird ja auch oft mit dem Hooligan(un)wesen in Verbindung gebracht. War die Assoziation einkalkuliert? Ein bisschen auf Krawall gebürstet ist Ihr Buch ja schon manchmal...

Überhaupt nicht. Das ist im Sinne wie "Loch 19" beim Golf oder "Runde 13" beim Boxen gedacht. Und auf Krawall habe ich im Buch auch nicht gemacht. Vielleicht ein paar taktische Fouls. Aber nur gelb-, nicht rotwürdig. Oder?

Ihre "Bilanz" fällt durchaus schonungslos aus. Gab es schon Rückmeldungen von im Buch genannten Personen? Was sagt zum Beispiel der "freudlose" Berti Vogts?

Bisher habe ich wirklich nur positive Reaktionen. Berti hat sich noch nicht gemeldet. Er ist auch viel lockerer geworden als damals als Bundestrainer.

Sie beichten ja auch ein paar ganz schöne Flunkereien, bis hin zu gefälschten Liveberichten und Reportagen, für die Sie nie das Haus verlassen haben. Warum sollen wir eigentlich jetzt alles glauben, was im Buch steht?

Das liegt ganz bei Ihnen, was Sie glauben. Ich jedenfalls hab es so aufgeschrieben, wie ich es erlebt habe.

Was ist denn jetzt eigentlich Ihre große sportliche Liebe? Das Boxen, oder doch der Fußball?

Da ist die Liebe gleich verteilt. Aber ein richtig guter Boxkampf hat schon was.

Und mit welcher Sportart können Sie am wenigsten anfangen?

Mit Gehen.

Irgendwie fällt es trotz allem schwer zu glauben, dass es das jetzt gewesen sein soll mit Ihnen und dem Fernsehen. Gibt es wirklich kein Zurück?

Also, ich habe gerade meinen Rentenantrag ausgefüllt, da wollen Sie mich schon wieder zum Arbeiten schicken. Ich bin nicht süchtig danach.

(kd/spot)