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Interview

Max Riemelt über seine Rolle: Nicht der klassische Böse

Im Thriller „Berlin Syndrom“ schlüpft Max Riemelt in die Rolle eines Mannes, der ein Doppelleben führt und eine junge Frau bei sich zuhause gefangen hält.

Berlin. Schauspieler Max Riemelt lebt in Berlin und spielt den Protagonisten im Thriller „Berlin Syndrom“, der auch in der Hauptstadt gedreht wurde. Ob sich seither sein Blick auf die Stadt verändert hat und was das Besondere an seiner Rolle war, erläuterte der 33-Jährige vor Kinostart im dpa-Interview.

Herr Riemelt, Szenen des Films spielen in Kreuzberg, wo sich viele Touristen tummeln. Und Sie leben selbst in Berlin. Gehen Sie seit dem Dreh mit anderen Augen durch die Stadt?

Mit anderen Augen in dem Sinne, dass ich mich an die Produktionszeit erinnere. Für mich ist das mit einer gewissen Lebenszeit verbunden, die man mit Schauspielern und Regisseur verbracht hat. Und man ist an Orte gegangen, die man sonst so nie sehen würde. Nach dem Drehen sehe ich die Stadt aber trotzdem noch als das an, was sie ist oder was sie mir bedeutet und ich denke nicht an den Charakter, den ich gespielt habe.

Funktioniert der Film gerade in Kreuzberg gut oder hätte er auch in anderen Stadtteilen gedreht werden können?

Clare ist in Kreuzberg unterwegs, weil dort noch am meisten von dem Berlin zu sehen ist, was viele Touristen sehen wollen mit den ganzen Ethnien und der Geschichte. Die Wohnung selber haben wir in Prenzlauer Berg gedreht, was auch viel über Berlin - speziell über den Osten - und die Teilung der Stadt aussagt. Nämlich was es bedeutet hat, in solch einer Gesellschaft zu leben oder unter solch einem Regime gefangen und eingesperrt zu sein und bestimmte Sachen improvisieren zu müssen, um zu überleben. Ich glaube, dass der Film in Zehlendorf keinen Sinn gemacht hätte.

Was hat Sie an Ihrer Rolle des Andi gereizt - also den Bösen im Film zu spielen?

Er ist nicht der klassische Böse, was superinteressant ist. Er ist kein Abziehbild, kein stereotyper Psychopath. Sondern er ist ein Mensch, der auch charmante und interessante Facetten hat, die den Kontrast viel härter machen. Man mag ihn einfach und wird dann umso härter enttäuscht, wenn man dann sieht, was dahinter steckt. Es gibt also nicht den ultimativen Bösen. Das Böse ist deswegen schwerer zu sehen, weil es so gut verpackt ist und der Mensch ambivalent ist.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Wir hatten eine intensive Probenzeit über zwei Wochen in Berlin, wo wir über die Figuren und unser eigenes Leben gesprochen haben, um gewisse Situationen in die Psychologie unserer Figuren einzubeziehen. Wir haben auch einen Choreographen für die körperlichen Szenen gehabt. Man setzt sich intensiv mit der Psychologie auseinander - das hat sich auch wie eine Therapie angefühlt. Teilweise war ich auch sehr mitgenommen oder verwirrt. Ich war an einem Punkt, an dem ich mir viele Gedanken gemacht habe.

Von Interview: Anna Ringle, dpa