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Mario Adorf: "Flirten ist das Einzige, was einem bleibt"

Ein Autounfall verändert das Leben des Schriftstellers und Junggesellen Richard, gespielt von Mario Adorf. Plötzlich muss er sich mit einer alleinerziehenden Mutter (Alwares Höfels) und deren Sohn auseinandersetzen.

Mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach der Filmstar über die großen Gefühle im TV-Film "Krokodil" (Karfreitag, ZDF, 21.15 Uhr). Der 82-Jährige verriet aber auch, wie er über Frauen als Freunde denkt, warum es mit Romy Schneider immer spannend war und warum er immer noch gerne flirtet.

Herr Adorf, kann man als Mann mit Frauen befreundet sein?

In meinem Leben waren die besseren Freunde Freundinnen. Frauen können besser und geduldiger zuhören, Männer reden häufig nur von sich, von ihrem Beruf, von ihrem Erfolg, vom Fußball. Auch Frauen, mit denen ich mal zusammen war, sind Freundinnen geblieben.

Welche Eigenschaften schätzen Sie generell an Menschen?

Mit Menschen, die sprunghaft sind, unstet, unzuverlässig, mit denen kann ich nichts anfangen. Wenn jemand launisch ist und ich nie weiß, in welcher Laune ich ihn gerade antreffe, dann ist eine Freundschaft für mich kaum vorstellbar. Romy Schneider habe ich zum Beispiel gut gekannt, aber sie gehörte zu diesem Typ Mensch, bei dem man eben nicht wusste, wie ist sie heute drauf? Ignoriert sie dich oder fällt sie dir um den Hals? Ich mag Menschen, die mit sich identisch sind, die ich immer wiedererkenne.

Der Mann, den Sie im Film spielen, ist rasend eifersüchtig. Wie eifersüchtig sind Sie?

Eifersucht hat nur in meiner Jugend eine Rolle gespielt. Ich finde es eine ganz schreckliche Eigenschaft, eine schlimme Krankheit, die ich auch immer bekämpft habe. Ich wollte mich darauf nicht einlassen, weil es so quälend selbstzerstörerisch ist. Ich kann natürlich nicht sagen, dass ich ohne Eifersucht war, aber ich habe sie nicht gehegt. Ich habe ihr nicht nachgegeben, im Sinne von krankhaften Verdächtigungen oder Kontrollieren oder alles von jemandem wissen wollen. Früher wollte ich eine Frau immer kennenlernen, wollte wissen, wie sie tickt. Aber das habe ich später sein gelassen, weil Frauen ihre Geheimnisse behalten sollen.

Weil sie sonst entzaubert werden?

Ja, jeder Mensch, auch der Partner, braucht einen kleinen Freiraum, der außerhalb der Kontrolle des anderen ist.

Sind Sie manchmal auch gerne richtig allein?

Ja, ich bin gerne allein und kann das gut. Das lernt man natürlich in dem Beruf auch besonders, was nicht leicht ist. Dieser Beruf ist aber nichts für Schwächlinge. Das wurde mir schon auf der Schauspielschule beigebracht: Sensible Feingeister sollten besser zuhause bleiben und Gedichte schreiben, sagte mein Lehrer damals. Wer Schauspieler ist, braucht eiserne Gesundheit und Selbstsicherheit.

Um sich gegen Alkohol und Drogen behaupten zu können?

Leute mit diesem Beruf, die zu Trinkern wurden, kamen oft mit dem Ruhm nicht zurecht, denn die andere unvermeidliche Seite ist eben die Einsamkeit. Man kommt zum Beispiel nach einem tollen Erfolg, von tausend Menschen gefeiert, aus dem Theater heraus und nach Hause oder schlimmer, in ein Hotelzimmer und ist dort alleine. Damit fertig zu werden, das war für viele schwer oder unmöglich.

Wie sind Sie damit fertig geworden?

Ich habe mir von Anfang an gesagt, dass ich stark genug bin. Die Einsamkeit und das Alleinsein gehören dazu. Es ist nicht einfach. Ich habe mir angewöhnt, mich immer zu beschäftigen, um nicht in ein Loch zu fallen.

Wie sind Sie mit der Bewunderung oder den Flirtversuchen von Frauen umgegangen?

Man darf das nicht überbewerten. Ich freue mich über jede Art von Erfolg, bekomme aber keinen Höhenflug und hole mich selbst immer wieder auf den Boden zurück, sobald ich eben alleine bin.

Im Film entwickelt sich ja so eine Art Großvater-Enkel-Beziehung. Gibt es in Ihrem Leben auch einen Enkel, mit dem Sie angeln gehen?

Ich habe einen Enkel. Langsam kommt er in ein Alter, in dem man eine Beziehung aufbauen kann. Er ist jetzt neun und ein begabter Bursche, der im Chor der Staatsoper singt.

Was machen Sie zusammen, wenn Sie sich treffen?

Wir sehen uns wenig. Er hat viel Schule, muss viel lernen. Neulich hatten wir eine Verabredung, da haben wir uns eineinhalb Stunden gesehen, dann musste er zur Probe. Wir sind noch nicht so weit, dass wir alleine was unternehmen.

Er weiß aber, wer Sie sind, wie berühmt Sie sind?

Ja, inzwischen weiß er das.

Gibt es Werte, die Sie einem Kind weitergeben wollen?

Ich war und bin immer sehr vorsichtig mit Ratschlägen. Ich selber hatte auch keine Hilfe. Ich hatte zwar ein sehr schönes Verhältnis zu meiner Mutter, aber sie hat gearbeitet und nicht so viel Zeit für mich gehabt. Da gab es kaum Eingriffe im Sinne von "so und so musst du etwas machen".

Man muss seine Erfahrungen selbst machen?

Ja, ich denke schon. Früher hat mir vielleicht schon jemand gefehlt. Nicht unbedingt ein Vater, der mir sagt, was ich machen soll und was nicht. Aber es gab auch niemanden, der Einfluss darauf genommen hätte, was man als junger Mensch mit seiner Zeit anfangen könnte. Da hätte ich mir manchmal jemanden gewünscht, der mich zum Beispiel an Musik oder Literatur heranführt.

Flirten Sie immer noch gerne?

Flirten schon, ja, sehr gerne. Das ist ja das Einzige, was einem in meinem Alter ohne Reue und ohne Folgen bleibt. Oder?

(ili/spot)