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Boulevard Maren Kroymann will einen anarchischen Hauch durchs Kabarett schicken
Menschen Boulevard Maren Kroymann will einen anarchischen Hauch durchs Kabarett schicken
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14:09 07.03.2017
Maren Kroymann Quelle: dpa
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Hamburg/Berlin

Maren Kroymann (67) ist ein Allroundtalent: Sie ist Schauspielerin, sie singt und geht mit ihrem eigenen Programm auf Tournee. Und Kabarett macht sie auch noch. Am 9. März ist sie in ihrer Satireshow „Kroymann“ im Ersten zu sehen, in der Woche darauf in zwei TV-Filmen: „Zweimal lebenslänglich“ (Montag, 13.3., ZDF) und „Ich will (k)ein Kind von Dir“ (Freitag, 17.3., im Ersten). „Ich möchte einen kleinen, feinen anarchischen Hauch durchs Kabarett schicken - dass anders gedacht und gelacht wird als meistens sonst in den Humorsendungen“, sagt sie im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Maren Kroymann ist zurück mit einer Satireshow - warum gerade jetzt?

Ach, das hätte ich gerne schon viel früher. An mir lag das nicht, denn „Nachtschwester Kroymann“ hätte ich liebend gerne weitergemacht. Aber es sollte damals nicht sein. Ich habe dann wieder ein eigenes Bühnenprogramm gemacht und viele Rollen im Fernsehen und auch im Kino gespielt. Das Angebot, 30 Minuten Satire für die ARD zu machen, kam 2016 für mich völlig überraschend - von Radio Bremen. Wir haben dann eine super Produktionsfirma gefunden, die Kölner bildundtonfabrik, und glücklicherweise ist auch Hans Zippert wieder mit von der Partie, der mit mir damals die meisten Folgen von „Nachtschwester Kroymann“ geschrieben hat. Und dann sind bei „Kroymann“ Kolleginnen dabei wie Cordula Stratmann, Annette Frier - und Burghart Klaußner. Sie waren alle sehr wagemutig und bereit, sich mit mir einzulassen. Wir alle haben das jetzt einfach mal zusammen gemacht - ohne dass es dabei groß um irgendwelche Erwartungen ging. Geplant ist zunächst eine Sendung, aber in einer tieferen Stufe meines Bewusstseins ist sicher noch Platz für weitere.

Brauchen wir in diesen Zeiten nicht mehr Kabarett denn je?

Ich finde ja. Durchaus auch, um sich gegen Trump, die AfD etc. zu positionieren. Aber auch, und das ist sicher genauso wichtig, um eine andere Art von Diskurs zu schaffen. Satire kann die Menschen animieren, feiner auf das Gewebe zu gucken, gedanklich ins Stolpern zu geraten. Es geht darum, Widersprüche wahrzunehmen, vielleicht auch Zweifel zu säen, die Menschen zu überraschen - im Lachen den Gedanken eine andere Richtung zu geben. Ich möchte einen kleinen, feinen anarchischen Hauch durchs Kabarett schicken - dass anders gedacht und gelacht wird als meistens sonst in den Humorsendungen.

Klingt gut. Müssten da nicht noch viel mehr Frauen ran?

Aber ja - ich schlage eine große Bresche für die Frauenquote. Ein Teil der Diskriminierung ist ja, dass man sie gar nicht zur Kenntnis nimmt. Und das gilt auch und gerade für das Kabarett im Fernsehen: Viele Menschen haben noch immer nicht begriffen, dass Frauen auch ironisch sein können. Zum Beispiel war im „Satire Gipfel“ der ARD fast zehn Jahre lang keine einzige Frau zu Gast, und es ist niemandem aufgefallen. Heute sind es immer noch nicht sehr viele, die meisten sind unter 50, und sie machen auch ganz tolle Sachen. Aber altersmäßig ist da eine Lücke von etwa 15 Jahren, ich bin eine andere Generation. Es geht eben um Frauen und Intellekt, um Frauen, die den Überblick und die Autorität haben und gleichzeitig eine Haltung und die künstlerische Vision dazu. Das wird Frauen noch zu wenig zugestanden - und es wird zu wenig honoriert, wenn sie das alles haben.

Das gesellschaftliche Klima, Fake News, raue Sitten - wird es schlimmer oder wird es besser?

Na, besser wird's wohl erst mal nicht, fürchte ich. Es herrscht ja momentan so eine merkwürdige Denkweise vor nach dem Motto: „Ich bin richtig, und alles andere ist Mist“ - diese Form von Bipolarität müssen wir aufbrechen. Die Wirklichkeit ist ja noch viel absurder als jede Form von Satire. Wenn Sie Trump in seinen Pressekonferenzen erleben, was wollen Sie da noch satirisch zuspitzen? Wir können die Sinne der Leute schärfen dafür, was gerade Bedrohliches geschieht, und das kann man meiner Meinung nach am besten mit kleinen subversiven Momenten erreichen - dass beim Lachen auf jeden Fall schon mal keine Gemütlichkeit aufkommt.

Satire könnte doch noch viel ungemütlicher werden.

Auf jeden Fall. Das wird sie auch - weil vermutlich auch die Zeiten noch ungemütlicher werden. Der Witz kann und soll bösartig sein. Satire soll schon auch lustig sein, reines Statement-Kabarett ist unkomisch. Ironie ist ein großartiges Mittel, um Autoritäten und Machtpositionen der Lächerlichkeit preis zu geben. Sie ist das Gegenteil dieser pathetischen Selbstbejahung eines Donald Trump. Natürlich auch eines Putin, Erdogan oder Orbán.

ZUR PERSON: Maren Kroymann, geboren am 19. Juli 1949, wuchs als jüngstes Kind mit vier Brüdern in einem Professorenhaushalt in Tübingen auf. 1982 machte sie mit ihrem ersten Bühnenprogramm „Auf du und du mit dem Stöckelschuh“ Furore. 1987 spielte sie als Pfarrersgattin an der Seite von Robert Atzorn in der Fernsehserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ (1988, ARD). Von Oktober 1993 bis Dezember 1997 hatte sie mit „Nachtschwester Kroymann“ (ARD) ihre eigene Satiresendung. Seit 2011 ist sie mit ihrem Bühnenprogramm „In my Sixties“ auf Tournee. Maren Kroymann lebt in Berlin.

Von Klaus Braeuer, dpa

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